Als linksextremistisch eingestufter Verein: Warum über die "Rote Hilfe" diskutiert wird
AUDIO: "Rote Hilfe": Linksextremisten oder Helfer in der Not? (3 Min)
Linker Verein
Stand: 02.10.2026 07:41 Uhr
Seit Tagen wird über die frühere Mitgliedschaft der Berliner Wahlsiegerin Elif Eralp von der Linken in der Roten Hilfe diskutiert. Der Verein unterstützt Menschen aus dem linken Spektrum unter anderem bei Strafverfahren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft ihn als linksextremistisch ein. Die Rote Hilfe ist auch in Mitteldeutschland mit mehreren Ortsgruppen aktiv.
von André Seifert, MDR AKTUELL
- Die Rote Hilfe unterstützt auch Menschen, die wegen schwerer Gewalttaten angeklagt sind.
- Laut Extremismusforscher Hendrik Hansen fördert die Rote Hilfe so linksextremistische Straftaten.
- Trotzdem betont er, dass nicht jedes Vereinsmitglied linksextrem sei.
Jeden Freitag am frühen Abend trifft sich die Leipziger Ortsgruppe der Roten Hilfe zur Beratung. Die Ortsgruppe bietet nach eigenen Angaben eine Sprechstunde an. Auch in anderen mitteldeutschen Städten wie Jena, Dresden und Magdeburg hat die Rote Hilfe Ortsgruppen.
Neuestes prominentes Mitglied: Linke-Fraktionschef Sören Pellmann aus Leipzig
Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Sören Pellmann, ist der sogenannten Roten Hilfe beigetreten. Der Leipziger Politiker sagte der Deutschen Presseagentur, die Nichtregierungsorganisation sei wichtig, wenn es um faire Gerichtsverfahren gehe. Das gelte vor allem dann, wenn sich die Betroffenen Anwälte nicht leisten könnten.
Bundesweit ist der Verein in mehr als 50 Städten und Regionen aktiv, erklärt Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe. "Wir machen Veranstaltungen, die sich damit beschäftigen: Was ist eigentlich Versammlungsrecht? Was ist Polizeirecht? Was kann ich tun, wenn ich eine Vorladung bekomme?"
Rote Hilfe unterstützt auch Gewalttäter
Rechtsberatung, Infoveranstaltungen, Rechtsbeistand – die Rote Hilfe leiste pro Jahr in mehreren hundert Fällen Unterstützung, sagt Brückner. Meist in antifaschistischen oder klimapolitischen Zusammenhängen. Wer Hilfe benötige, so Brückner, könne einen Antrag stellen. Bei strittigen Fällen werde intern beraten. "Bei antisemitischen Vorfällen unterstützen wir nicht, bei rassistischen Angriffen unterstützen wir nicht. Also wir haben da schon auch klare Grenzen."
Bei antisemitischen Vorfällen und rassistischen Angriffen unterstützen wir nicht. Wir haben da klare Grenzen. Hartmut Brückner, Bundesvorstand "Rote Hilfe"
Die Rote Hilfe unterstützt dabei auch Gewalttäter, zum Beispiel die Antifa-Ost-Gruppe um Lina E., die Neonazis schwer verletzt hatte und deren Mitglieder auch zum Teil verurteilt wurden. Der Verein half den Angeklagten während des Verfahrens mit Rechtsberatung und Solidaritätsaktionen.
Video: Linksextrem, militant, gewalttätig – Prozess gegen Johann G. (11 Min)
Rund 600 Mitglieder in Sachsen
Der Extremismusforscher Hendrik Hansen von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung sieht die Rote Hilfe daher kritisch. "Daran erkennt man, dass es nicht um eine Organisation geht, die sich für Leute einsetzt, die in irgendeiner Weise vom rechten Weg abgekommen sind. Sondern das ist eine Organisation, die eigentlich linksextremistische Straftaten fördern und unterstützen möchte."
Das ist eine Organisation, die eigentlich linksextremistische Straftaten fördern und unterstützen möchte. Hendrik Hansen, Extremismusforscher
Die Rote Hilfe steht seit Jahren im Fokus des Verfassungsschutzes. Das Bundesamt stuft sie als linksextremistisch ein. In Sachsen zählte der Verfassungsschutz zuletzt rund 600 Mitglieder.
Extremismusforscher: Nicht jedes Mitglied ist linksextrem
Daraus dürfe man aber nicht folgern, dass jedes Mitglied der Roten Hilfe ein Linksextremist ist, betont Hansen. "Das ist ein wichtiger Punkt. Sie haben Menschen, die es wichtig finden, dass man den Kampf gegen Rechts unterstützt und die dann entsprechend naiv sind und sich nicht klar machen, in was für einem Verein sie da Mitglied sind."
Daraus darf man jetzt aber nicht folgern, dass jedes Mitglied der Roten Hilfe ein Linksextremist ist. Hendrik Hansen
Dieses Argument könne aber auf eine Rechtsanwältin wie Elif Eralp nicht zutreffen. "Das muss man gleich dazu sagen", so Hansen.
Finanziert werde die Arbeit der Roten Hilfe vor allem über ihre Mitglieder, sagt Bundesvorstand Hartmut Brückner. Sie zahlen im Monat einen Beitrag von 7,50 Euro. Große Spender gibt es laut Brückner nicht – anders als im rechten politischen Spektrum, wo Unternehmer wie Theo Müller oder der Investor Frank Gotthardt als Unterstützer auftreten.
Zur Geschichte der Roten Hilfe
- 1924: Offizielle Gründung der Roten Hilfe Deutschlands (RHD) als KPD-nahe Massenorganisation, bekannte Persönlichkeiten wie Wilhelm Pieck und ab 1925 Clara Zetkin führen die Organisation
- 1933/1936: die RHD wird verboten und von der Gestapo zerschlagen. Viele Mitglieder und Anwälte wie der bekannte Strafverteidiger Hans Litten werden verhaftet und ermordet.
- 1970er/1980er Jahre: Neue Rechtshilfegruppen entstehen im Umfeld der neuen sozialen Bewegungen und der Studentenbewegung.
- 1986 konstituiert sich der heutige Verein Rote Hilfe e.V.
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