Warum wurde Eike Behrens nicht für die U23-WM aufgestellt? | radsport-news.com
Nationaltrainer “wird dafür seine Gründe haben“
Von Kevin Kempf

Eike Behrens (Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur) beendete die Luxemburg-Rundfahrt auf dem zehnten Gesamtrang. | Foto: Cor Vos
26.09.2026 | (rsn) – Nationale und internationale Experten wunderten sich und Laien staunten beim Blick auf das deutsche Aufgebot für das WM-Straßenrennen der U23. Im nominell stark besetzten Quintett von German Cycling fehlte der Mann, der auf Basis der letzten Eindrücke die größten Chancen auf eine Medaille gehabt hätte: Eike Behrens. Der Bundesliga-Gesamtsieger von Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur war im Feld der Luxemburg-Rundfahrt (2.Pro) vor einer Woche der einzige, der im Finale der Auftaktetappe bergauf mit Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) mitgehen konnte. Der Niederländer gehört in Montreal zu den großen Favoriten – allerdings natürlich nicht bei der U23, sondern bei der Elite.
Für eine Nominierung für Kanada reichte es für Behrens trotzdem nicht. Im U23-Rennen am Freitag belegte Moritz Mauss (UAE – Emirates – Gen Z) letztendlich als bester Deutscher mit 1:30 Minuten Rückstand auf den Sieger Ashlin Barry Rang 21. Am Morgen danach meldete sich Torsten Schmidt, Sportlicher Leiter bei Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur, auf Facebook zu Wort.
“Nach der Tour de L’Avenir wurde Eike Behrens als Ersatzfahrer für das WM-Rennen nominiert. Deutscher Meister am Berg, Sieger der Bundesliga-Gesamtwertung sowie Top Ten bei der Luxemburg-Rundfahrt und der Sauerland-Rundfahrt haben am Ende dennoch nicht für einen Startplatz gereicht – obwohl einzelne nominierte Fahrer in dieser Zeit nicht fit waren“, begann er seinen Beitrag, der ausdrücklich kein Vorwurf an den Bundestrainer Ralf Grabsch sein sollte.
“Er muss seine Entscheidungen treffen und wird dafür seine Gründe haben. Aus unserer Sicht als Team stellt sich allerdings die Frage, ob Nominierungen für eine Weltmeisterschaft angesichts weiterer wichtiger Rennen im Vorfeld und insbesondere der Deutschen Meisterschaft am Berg in der U23 nicht zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden sollten. Gerade im Nachwuchsbereich kann sich innerhalb weniger Wochen noch sehr viel verändern“, schrieb er weiter.
Im Sauerland hatten drei andere die Nase vorn
Nach der Avenir, bei der Behrens schon mit Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) die Kapitänsrolle ausfüllte, erzielte der 21-Jährige die von Schmidt erwähnten Erfolge. Doch auch davor war er stark unterwegs. So legte er den Grundstein zum Bundesliga-Gesamtsieg und gewann er die Mur de Huy Classic (1.2U) mit zehn Sekunden Vorsprung auf Kamiel Eeman und den WM-Fünften Niels Driesen (beide Lotto – Groupe Wanty).
Bei der Sauerlandrundfahrt (2.2) Anfang des Monats zog Behrens im direkten Vergleich mit den WM-Fahrern Paul Fietzke, Max Bock (beide Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies) und Louis Leidert (Lidl – Trek Future Racing) als Gesamtachter den Kürzeren. Zemke, der von allen deutschen U23-Fahrern 2026 insgesamt die besten Ergebnisse eingefahren hat, gab dort auf der 4. Etappe auf. Im direkten Duell mit Behrens hatte der Rembe-Fahrer bei der Luxemburg-Rundfahrt jeden Tag das Nachsehen.
Das hatte im Kampf um die fünf WM-Tickets schließlich trotzdem Behrens. “Wir erleben Eike täglich im Team. Wir kennen seine Arbeitsweise, seinen Umgang mit Rückschlägen und sein Potenzial. Diese Entscheidung wird ihn nicht zurückwerfen“, kündigte Schmidt an. “Als Team stehen wir geschlossen hinter Eike. Wir werden ihn weiter fördern, ihm den Rücken freihalten und gemeinsam mit ihm daran arbeiten, aus dieser Situation noch stärker hervorzugehen“, fügte er an.