Was ein Depot-Auszug wirklich sagt: Die wichtigsten Zahlen erklärt.
Stand: 15.08.2026, 12:52 Uhr
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Gesamtwert, Einstandskurs, Buchgewinn, Performance: Ein Depot-Auszug enthält mehr Information als die meisten lesen. Wer ihn versteht, trifft bessere Entscheidungen.
Ein Depot-Auszug landet im Postfach, wird kurz überflogen und wieder weggeklickt. Grün ist gut, rot ist schlecht, fertig. Was dabei auf dem Tisch liegenbleibt, ist eine Fülle an Information, die tatsächlich nützlich ist, wenn man weiß, wie man sie liest.
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„Ein Depot-Auszug ist kein Finanzdokument für Expertinnen“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Wer fünf Begriffe kennt, liest ihn vollständig.“

Gesamtwert des Depots
Der Gesamtwert zeigt, wie viel das Depot zum aktuellen Zeitpunkt wert ist. Alle enthaltenen Positionen werden zum aktuellen Marktpreis bewertet und addiert.
Was dabei zu beachten ist: Der Gesamtwert schwankt täglich. Was heute angezeigt wird, ist morgen anders. Für langfristige Anlegerinnen ist der tagesaktuelle Gesamtwert weniger relevant als die Entwicklung über Monate und Jahre.
Einstandskurs und Einstandswert
Der Einstandskurs ist der Preis, zu dem ein Wertpapier ursprünglich gekauft wurde. Der Einstandswert ist der gesamte gezahlte Betrag inklusive aller Transaktionskosten. Diese Zahl ist der persönliche Referenzpunkt. Sie zeigt, wie viel investiert wurde, nicht wie viel das Depot heute wert ist.
Was dabei häufig passiert: Der Einstandskurs wird zum psychologischen Anker. Wer eine Position bei 100 Euro gekauft hat, möchte erst bei 100 Euro verkaufen, auch wenn der aktuelle Kurs bei 80 Euro liegt und fundamentale Gründe für einen Wechsel sprechen. Dieses Denkmuster nennt sich Ankereffekt und kostet langfristig Rendite.
Buchgewinn und Buchverlust
Der Buchgewinn ist die Differenz zwischen aktuellem Wert und Einstandswert, solange die Position noch gehalten wird. Aktueller Wert minus Einstandswert gleich Buchgewinn oder Buchverlust. Was dabei entscheidend zu verstehen ist: Ein Buchgewinn oder Buchverlust ist noch kein realisierter Gewinn oder Verlust. Steuern auf Gewinne fallen erst beim Verkauf an. Verluste sind erst real, wenn verkauft wird. Wer eine Position mit Buchverlust hält und nicht verkauft, hat noch nichts verloren. Wer verkauft, macht den Verlust permanent.
Performance
Die Performance-Angabe zeigt die prozentuale Entwicklung einer Position oder des gesamten Depots seit dem Kauf. Dabei gibt es zwei verschiedene Berechnungsmethoden, die im Depot-Auszug unterschiedlich angezeigt werden können. Die absolute Performance zeigt, wie viel Prozent das Depot seit dem ersten Kauf gestiegen oder gefallen ist. Diese Zahl sagt wenig darüber aus, wie gut das Depot im Vergleich zum Markt abgeschnitten hat.
Die zeitgewichtete Performance berücksichtigt Zu- und Abflüsse und zeigt die tatsächliche Rendite des investierten Kapitals über Zeit. Diese Zahl ist aussagekräftiger. Was beim Vergleich hilft: die eigene Performance mit dem Vergleichsindex messen. Wer in einen MSCI World ETF investiert, vergleicht mit der MSCI World Rendite. Was dabei herauskommt, ist eine ehrliche Einschätzung.
Realisierte und unrealisierte Gewinne
Der Depot-Auszug unterscheidet meistens zwischen unrealisierten Gewinnen, also Buchgewinnen in noch gehaltenen Positionen, und realisierten Gewinnen, also Gewinnen aus bereits verkauften Positionen. Steuerlich relevant sind nur realisierte Gewinne. Was noch im Depot liegt, wird nicht besteuert, auch wenn es stark gestiegen ist.
Was dabei praktisch relevant ist: Wer den Freistellungsauftrag von 1.000 Euro ausschöpfen möchte, sollte Gewinne gezielt realisieren, bis der Freibetrag erreicht ist, und den Rest im Depot lassen. Gesamtwert, Einstandskurs, Buchgewinn, Performance, realisierte Gewinne: Fünf Begriffe, ein vollständiges Verständnis des eigenen Depot-Auszugs. Wer ihn liest, trifft keine anderen Entscheidungen über Nacht. Aber informiertere.