Welt-ETF: Gebühren fallen – wo es für Anleger günstiger wird
ETFs sind in der Finanzwelt in aller Munde. Doch was sie bedeuten oder bewirken ist vielen außerhalb der Finanzszene noch unbekannt.© FUNKE Foto & Video
Wer sein Geld besonders kostengünstig und breit gestreut am Kapitalmarkt anlegen möchte, setzt häufig auf einen Welt-ETF. Im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds verlangen solche Indexfonds meist deutlich niedrigere Gebühren. Nun wird einer der bekanntesten Welt-ETFs noch günstiger: Vanguard senkt die laufenden Kosten des Vanguard FTSE All-World ETF.
Zum 28. Juli 2026 sollen die jährlichen Kosten von bislang 0,19 auf 0,14 Prozent pro Jahr fallen. Doch wie schneidet Vanguard im Vergleich zu anderen ETFs ab, die denselben Weltindex nachbilden? Wir haben die Konditionen gecheckt.
FTSE All World: Gebühren für den Welt-ETF sinken jetzt deutlich
Vanguard wird die sogenannte Ongoing Charges Figure, kurz OCF, des Vanguard FTSE All-World ETF von 0,19 auf 0,14 Prozent reduzieren. Nach Schätzungen des Fondsanbieters würden Anleger dadurch künftig insgesamt rund 37 Millionen US-Dollar pro Jahr sparen.

Welt-ETFs sind beliebte Bausteine für die langfristige Geldanlage. © DPA Images | Fabian Sommer
Die Senkung betrifft sowohl die thesaurierende Variante, die Dividenden automatisch wieder anlegt, als auch die ausschüttende Anteilsklasse. Beide bilden den FTSE All-World Index ab. Dieser umfasst große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Der ETF setzt den Index physisch um, indem er eine repräsentative Auswahl der enthaltenen Aktien kauft.
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF zählt zu den größten Welt-ETFs Europas. Nach Angaben des Anbieters flossen dem Fonds im laufenden Jahr netto mehr als 16 Milliarden US-Dollar zu. Das gesamte Fondsvermögen liegt inzwischen bei rund 75,7 Milliarden US-Dollar.
Was die neue ETF-Gebühr für Anleger bedeutet
Vanguard bezeichnet die laufenden Kosten als OCF. In ETF-Vergleichen findet sich dafür häufig der Begriff TER, kurz für Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote. Die Kennzahl gibt an, welcher Anteil des Fondsvermögens pro Jahr für die laufende Verwaltung des ETF anfällt.
Die Fondsgesellschaft zieht diese Kosten nicht als separate Rechnung vom Konto des Anlegers ab. Sie entnimmt sie fortlaufend aus dem Fondsvermögen. Die Belastung steckt deshalb bereits in der veröffentlichten Wertentwicklung des ETF.
Vor allem gegenüber vielen aktiv gemanagten Fonds haben ETFs einen Kostenvorteil. Aktiv verwaltete Aktienfonds verlangen nach Angaben der Verbraucherzentrale im Schnitt eine jährliche Verwaltungsgebühr von gut 1,5 Prozent. Dennoch gibt es auch noch günstigere ETF-Optionen am Markt, wie ein Vergleich zeigt.
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Vanguard im Kostenvergleich: Xtrackers bleibt günstiger
Für einen fairen Vergleich müssen die ETFs denselben oder zumindest einen sehr ähnlichen Markt abbilden. Ein MSCI-World-ETF eignet sich dafür beispielsweise nur eingeschränkt, weil der MSCI World ein anderer Index ist – auch wenn es sich ebenfalls um einen Welt-ETF handelt.
Direkte Konkurrenten sind deshalb der Xtrackers FTSE All-World ETF, der iShares FTSE All World ETF und der Invesco FTSE All-World ETF. Alle vier Produkte folgen dem FTSE All-World Index und investieren damit in große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern.
| ETF | Laufende Kosten |
|---|---|
| Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF | 0,07 Prozent |
| iShares FTSE All World UCITS ETF | 0,12 Prozent |
| Vanguard FTSE All-World UCITS ETF | künftig 0,14 Prozent |
| Invesco FTSE All-World UCITS ETF | 0,15 Prozent |
Stand: 21. Juli 2026, eigene Recherche
Am günstigsten ist der Xtrackers FTSE All-World ETF mit einer Kostenquote von 0,07 Prozent. DWS senkte die Gebühr zum 1. Juni 2026 von zuvor 0,12 Prozent. Der ETF kam allerdings erst im April 2026 auf den Markt und verfügt deshalb noch über keine längere Wertentwicklungshistorie.
Zwischen Xtrackers und Vanguard schiebt sich der neue iShares FTSE All World ETF. Blackrock verlangt für das Produkt 0,12 Prozent pro Jahr. Auch der iShares-ETF ist jedoch noch sehr jung. Blackrock legte ihn am 7. Mai 2026 auf. Der Fonds bildet den Index physisch über eine optimierte Auswahl der enthaltenen Aktien ab und legt Dividenden automatisch wieder an.
Der Invesco FTSE All-World ETF kostet 0,15 Prozent pro Jahr. Vanguard unterbietet diesen Konkurrenten nach der Gebührensenkung somit knapp. Dafür ist der Invesco-ETF bereits seit 2023 am Markt und verwaltet rund 3,6 Milliarden Euro.
Vanguard liegt auch nach der Senkung somit nicht an der Spitze des Kostenvergleichs: Xtrackers und iShares bieten ihre ETFs günstiger an. Beide Konkurrenzprodukte sind allerdings erst seit wenigen Monaten erhältlich. Anleger können daher noch nicht beurteilen, wie präzise sie den Index über einen längeren Zeitraum abbilden. Zudem gibt es auch noch andere Kostenpunkte, die Anleger beachten sollten.
Die TER zeigt nicht alle ETF-Kosten
Die ausgewiesene Gesamtkostenquote liefert einen wichtigen Anhaltspunkt, bildet aber nicht jede Belastung ab. Nicht zur TER gehören beispielsweise die Transaktionskosten, die innerhalb des Fonds beim Kauf und Verkauf von Aktien entstehen.
Zudem kann die tatsächliche Wertentwicklung eines ETF stärker oder schwächer vom Index abweichen, als es die TER vermuten lässt. Diese Abweichung bezeichnet man als Tracking-Differenz. Sie hängt unter anderem von Transaktionskosten, Steuern, der Art der Indexabbildung und möglichen Einnahmen aus der Wertpapierleihe ab.
Ein ETF mit einer etwas höheren TER kann seinen Index deshalb in einzelnen Jahren besser abbilden als ein nominell günstigeres Konkurrenzprodukt. Beim jungen Xtrackers-ETF fehlen bislang aussagekräftige Langzeitdaten. Die Gebühr von 0,07 Prozent steht daher fest, die tatsächliche langfristige Abbildungsqualität noch nicht.
Wo Anleger ETFs besonders günstig kaufen können
Neben den laufenden Produktkosten entscheidet auch das Depot darüber, wie teuer eine ETF-Anlage ausfällt. Broker können Gebühren für die Depotführung, Sparplanausführungen sowie einzelne Käufe und Verkäufe verlangen.
Besonders niedrige Preise bieten häufig sogenannte Neobroker. Laut einer Untersuchung vom Finanzratgeber „Finanztip“ gehören unter anderem Traders Place*, Smartbroker+*, Finanzen.net Zero*, Scalable Capital* und Trade Republic* zu den besonders günstigen Anbietern. Bei vielen Neobrokern lassen sich ETF-Sparpläne ohne Kaufgebühr ausführen. Für einzelne Käufe und Verkäufe fallen je nach Anbieter, Anlagebetrag und Handelsplatz häufig keine Gebühren oder rund ein Euro an.
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Eine niedrige Ordergebühr allein macht ein Depot allerdings noch nicht automatisch zur besten Wahl. Anleger sollten außerdem auf die verfügbaren ETFs, Mindestbeträge, Handelsplätze und den Spread achten. Der Spread bezeichnet den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Unser Depotrechner kann ebenfalls bei der Auswahl helfen: