Nach "Bangaranga" - Wo findet der nächste ESC statt?
Weltkulturerbe oder Partymeile?Zwei bulgarische Städte reißen sich um ESC-Austragung
25.07.2026, 12:01 Uhr
00:00
/
06:22

Im Frühjahr triumphiert Bulgarien erstmals beim ESC. Damit ist das Land automatisch Gastgeber der nächsten Ausgabe. Die Entscheidung fällt zwischen zwei Städten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
In Bulgarien läuft das Auswahlverfahren für den Austragungsort des nächsten Eurovision Song Contest (ESC). Das Land hatte den Musikwettbewerb im Mai in Wien erstmals gewonnen. Dara, die 27-jährige Sängerin von "Bangaranga", wurde vor zwei Monaten bei der Begrüßungsparty in Sofia umjubelt. Sofort begann der Wettstreit um den Austragungsort für die 71. Ausgabe des Musikwettbewerbs.
Vier bulgarische Städte bewarben sich um die ESC-Gastgeberschaft im kommenden Jahr: neben der Hauptstadt Sofia auch Daras Heimatstadt Warna am Schwarzen Meer. Bulgariens zweitgrößte Stadt Plowdiw, 2019 europäische Kulturhauptstadt, und Burgas am Schwarzen Meer warfen ihren Hut ebenfalls in den Ring. Nach der ersten Auswahlrunde blieben zwei Bewerbungen übrig: die der Hauptstadt Sofia und die der Touristenhochburg Burgas.
Der Auswahlprozess kommt jetzt in seine entscheidende Phase. Bis Ende Juli müsse der zuständige Ausschuss seine Arbeit beendet haben, sagt die Chefin des Bulgarischen Nationalen Fernsehens BNT, Milena Milotinowa. Der öffentlich-rechtliche Sender spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung und Organisation des ESC in Partnerschaft mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU).
Geschichtsträchtige Metropole
Viele in Bulgarien sehen die Hauptstadt Sofia als den selbstverständlichen Austragungsort des Eurovision Song Contest. "Sofia ist eine Stadt mit tausendjähriger Geschichte, moderner Infrastruktur und einmaliger Kombination von Kulturerbe, dynamischem Stadtleben und Natur", schwärmt Oberbürgermeister Wassil Tersiew von seiner Stadt. Die Arena 8888 Sofia ist zudem die größte Mehrzweckhalle des Balkanlandes mit einer Kapazität von etwa 12.000 bis 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern.
Die Metropole mit rund 1,3 Millionen Einwohnern unterhalb des bis zu 2290 Meter hohen Witoscha-Gebirges ist Bulgariens größte Stadt. Sofias Altstadt ist von archäologischen Ausgrabungsstätten aus der Römerzeit und historischen Sehenswürdigkeiten geprägt. Orthodoxe und katholische Kirchen, Synagoge und Moschee stehen im Zentrum in großer Nähe - das Viereck wird "kleines Jerusalem" genannt.
Als Zeitzeugen stehen in Sofia noch immer Gebäude aus kommunistischer Zeit. Die Verschmelzung von Antike, neuerer Geschichte und moderner Gegenwart lockt immer mehr Touristen in die Stadt. Der praktisch am Stadtrand gelegene internationale Flughafen bietet bequeme Flugverbindungen.
Partymeile und Massentourismus
Burgas ist mit rund 200.000 Einwohnern die viertgrößte bulgarische Stadt und das wirtschaftliche wie kulturelle Zentrum von Bulgariens Südosten. Die Hafenstadt am Schwarzen Meer und die angrenzenden Badeorte wie der international bekannte Sonnenstrand (Slantschew Brjag) sind die maritime Partyzone des Landes. Der Flughafen Burgas ist nach dem Airport Sofia der am meisten frequentierte Flugplatz des Landes.
Als Austragungsstätte wirbt die Stadt mit der erst 2023 eröffneten Arena Burgas. Diese kann bei Konzerten auf bis zu 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erweitert werden.
"Burgas mag die bevölkerungsmäßig kleinste Stadt unter den ESC-Bewerbern sein, doch nimmt es sich dieser Möglichkeit mit großem Ehrgeiz an", sagt Bürgermeister Dimitar Nikolow. Er ist überzeugt, dass Burgas für den Eurovision Song Contest eine außergewöhnliche Kulisse direkt an der Schwarzmeerküste bietet. Ein Eurovision-Event in Burgas am Schwarzen Meer könnte zudem Bulgarien touristisch präsentieren.
ESC braucht riesige Kapazitäten
Für die Auswahl des ESC-Austragungsortes gelten strenge Kriterien - wie etwa eine Event-gerechte Halle. Wie die an einer Austragung in Bulgarien interessierten Städte erfahren haben, sollte die Halle acht Wochen um den Termin im Mai herum komplett zur Verfügung stehen, eine Bühne mit einer Fläche von mindestens 10 mal 15 Metern sowie rund 2.000 Quadratmeter Backstage haben. Außerdem seien Büroräume für mehr als 250 Personen nötig. Auch Hotelkapazitäten und internationale Flugverbindungen seien von entscheidender Bedeutung.
Für das südosteuropäische EU-Land, das zu den ärmsten in der EU gehört, ist der Triumph in Wien der erste ESC-Sieg gewesen. Seit 2005 erst nimmt Bulgarien an dem Wettbewerb überhaupt teil.
Aus finanziellen Gründen hatte es in den vergangenen drei Jahren auf eine Teilnahme verzichtet. Siegerin Dara bringt nun mit dem Song "Bangaranga" voller Elektro-Beats und Balkan-Pop-Anklängen das Event nach Bulgarien.
ESC-Austragungsorte in den vergangenen fünf Jahren waren Wien (2026), Basel (2025), Malmö (2024), Liverpool (2023) und Turin (2022). Daran sieht man: Es muss nicht immer die Hauptstadt oder größte Stadt eines Landes der Austragungsort sein.
Quelle: ntv.de, Elena Lalowa, dpa