Wenn es etwas mehr sein darf: Gerichte wie von den Straßen Myanmars


Stand: 24.08.2026, 14:00 Uhr

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Köchin Mar Mar Aung (r.) und Tochter Hnin Moe Lwin wollen burmesische Küche in Frankfurt bekannter machen.

Köchin Mar Mar Aung (r.) und Tochter Hnin Moe Lwin wollen burmesische Küche in Frankfurt bekannter machen. © Monika Müller

Freunde von Streetfood kommen hier auf ihre Kosten: Das „Rangoon“ im Nordend bietet authentische burmesische Küche nach Familienrezept an.

Das Restaurant „Rangoon“ ist ein Familienprojekt. Die 30-jährige Hnin Moe Lwin, genannt Moe, lebt in Deutschland, seit sie 16 ist. Sie bedient und kümmert sich um den Papierkram. Ihr Ehemann Okkar Min bereitet Sushi zu und besorgt die Einkäufe. Und ihre Mutter Mar Mar Aung stellt das Alleinstellungsmerkmal des Restaurants: Sie kocht traditionelle burmesische Küche. Damit seien sie die einzigen in Frankfurt, sagt Moe. Für den Geschmack ihrer Heimat sei einmal eine Gruppe ausgewanderter Burmesen extra aus den Niederlanden angereist. Sie hätten fast die gesamte Speisekarte bestellt.

Mit der Eröffnung vor einem Jahr habe sich ihr Traum erfüllt, den sie seit Beginn ihrer Ausbildung als Hotelfachfrau gehegt hat: authentische burmesische Küche anzubieten und bekannter zu machen. Zuvor habe sie gezweifelt, ob Gäste die Küche ihres Heimatlandes Myanmar gut annehmen. „Das Land und seine Küche sind hierzulande wenig bekannt – Sushi dagegen schon“, sagt Moe. Deshalb haben die drei Sushi auf die Speisekarte gesetzt. Ihr Mann Okkar habe die Erfahrung dafür mitgebracht. „Viele Burmesen arbeiten mit Sushi.“

Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es das Rangoon nun schon. Der Name bezieht sich auf die ehemalige Hauptstadt von Myanmar, Rangun, aus der die Familie stammt. Auf der Speisekarte stehen Gerichte aus allen Ecken des Landes. Myanmar sei ethnisch divers, erläutert Moe, und die Küche stark beeinflusst von den Nachbarländern. „Aber immer mit einer leichten Abwandlung.“ So finden sich in der burmesischen Küche unter anderem kräftig gewürzte Currys wie in Indien und chinesische Nudeln. Die Karte führt Gerichte, die in burmesischen Städten wie Rangun auch als Streetfood angeboten werden. Ihre Mutter sei keine ausgebildete Köchin, sondern orientiere sich bei der Zubereitung ihrer Gerichte an ihren Hausrezepten, betont Moe. Viele der Gerichte seien sehr zeitaufwendig, wie das Nationalgericht Mohinga, eine kräftige Fischbrühe, die in mehreren Schritten zubereitet wird.

Hausgemachter fritierter Kichererbsen-Tofu mit Tamarindensauce, Tomatensalat und fermentierter Teeblattsalat.

Hausgemachter fritierter Kichererbsen-Tofu mit Tamarindensauce, Tomatensalat und fermentierter Teeblattsalat. © Monika Müller

Bei der Wahl der Mahlzeiten erkennt Moe Unterschiede bei ihren Gästen je nach Herkunft. Gäste aus Deutschland mögen es kräftig und wählen etwa das geschmorte Rindfleisch mit Reis. Es kommen jedoch auch viele chinesische Gäste, die es etwas weniger würzig wünschen. Die Karte zeichnet außerdem die reiche Auswahl an Salaten aus. Eine besondere Spezialität ist der fermentierte Teeblatt-Salat. Er wird mit Bohnen, Kohl und Erdnüssen gereicht, „für den Crunch“, sagt Moe. Zusätzlich wird er mit getrockneten Garnelen verfeinert. Diese Zutat steht unter vielen Gerichten auf der Karte, „weil wir die so sehr lieben“, sagt Moe und lacht.

Die meisten der in der Küche verwendeten Zutaten sind in Frankfurter asiatischen Läden erhältlich. Bei den fermentierten Teeblättern ist das anders. Sie sind eine der wenigen Zutaten, die aus Myanmar importiert werden müssen. Abgesehen davon sähen sie weitgehend von Importen aus dem Heimatland ab, sagt Moe, weil seit dem Putsch jeder Export die Militärregierung unterstütze.

Die Einrichtung im Rangoon ist schlicht gehalten. Die Speisekarte hat Moe selbst gestaltet und mit authentischen Bildern der Gerichte bestückt. Eine Perle ist der kleine Innenhof. Wer im Sommer hier essen will, dem empfiehlt Moe dringend eine Reservierung; die wenigen Plätze dort sind schnell belegt.

Die Serie

Restaurants, Cafés, Imbiss
oder Bar: In unserer Gastro-Serie „Frankfurter Küche“ berichten wir jeden Dienstag über beliebte und spannende Neueröffnungen, aber genauso verraten wir Geheimtipps und erzählen die Geschichten hinter den Lieblingen der Stadt. rose/tja