Wer klaut bitte Pflanzen aus einer Baumscheibe? Das war's mit meinem Stadtgarten!


Immo-Kolumne: Realitäten

Wer klaut bitte Pflanzen aus einer Baumscheibe? Das war's mit meinem Stadtgarten!

Drei Jahre lang hat unsere Autorin mit ihrem Sohn im öffentlichen Raum gegartelt. Nach mehreren Diebstählen ist die Freude daran endgültig dahin

Kolumne

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Bernadette Redl

Ich gebe auf. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle noch ganz euphorisch von meinem neuen Baumscheibengarten erzählt. Gemeinsam mit meinem damals zweijährigen Sohn habe ich vor unserem Haus Lavendel, Kräuter und andere bienenfreundliche Pflanzen eingesetzt.

Eine Person kniet vor einem Beet und zieht sich orange Gartenhandschuhe an, daneben steht ein blühender Blumenstock.
Zuletzt fehlte ein wilder Oregano aus dem Baumscheibenbeet.

Seither ist einiges passiert. Hunde haben ins Beet gemacht, Müll ist darin gelandet, Pflanzen sind eingegangen, der Baum wurde gefällt und zwei Jahre lang nicht ersetzt. Anfang dieses Jahres habe ich trotzdem beschlossen: Ich probiere es noch einmal.

Dann waren zwei Lavendelstöcke weg. Nicht vertrocknet, nicht von einem Tier ausgebuddelt, sondern ausgegraben und mitgenommen. Ich habe mich geärgert, aber mir die Sache schöngeredet. Vielleicht hat sie jemand verschenkt. Vielleicht stehen sie jetzt auf irgendeinem Balkon und jemand freut sich darüber. Gut, dachte ich, dann halt ohne Lavendel.

Vor ein paar Tagen war dann auch der wilde Oregano weg. Mehrere Stöcke, die gerade wunderbar geblüht haben. Und dann ist offenbar jemand mit einer Schaufel gekommen und hat sie ausgegraben.

Warum?

Seither frage ich mich: Warum? Wer wilden Oregano ausgräbt, macht sich offenbar etwas aus Pflanzen, hat vermutlich einen Garten oder einen Balkon. Vielleicht freut die Person sich selbst über Bienen. Aber kam ihre beim Ausgraben nicht der Gedanke: Moment, das hier hat jemand gepflanzt?

Vielleicht sogar jemand, der im Hochsommer Wasser schleppt, der Unkraut jätet, Geld für Pflanzen ausgegeben hat. Ich weiß, es ist nur Oregano, der materielle Schaden hält sich in Grenzen. Trotzdem macht mich die Sache echt wütend. Mit dieser Baumscheibe wollte ich meinem Sohn zeigen: Das hier gehört zwar nicht uns, aber wir können uns trotzdem darum kümmern, damit die Stadt für alle schöner wird.

Jetzt fehlt mir die Lust, wieder Geld und Zeit in neue Pflanzen zu stecken, also gebe ich meine Karriere als Baumscheibengärtnerin vorerst auf. Irgendwo in Wien blüht wahrscheinlich gerade ein wilder Oregano besonders prächtig. Ich hoffe zumindest, dass die Bienen ihn finden. (Bernadette Redl, 11.9.2026)

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