SVP fordert: Lehre vor Studium an Schweizer Hochschulen
Publiziert11. Juli 2026, 11:48
SVP-Glarner fordertWer studieren will, soll zuerst eine Lehre absolvieren müssen
Neu sollen alle, die studieren wollen, zuerst eine Lehre absolvieren müssen. Das fordert zumindest ein Vorstoss der SVP. Hochschulen und Arbeitgeber sehen die Bildungsvielfalt gefährdet.

Darum gehts
- SVP-Nationalrat Andreas Glarner fordert, dass alle Schülerinnen und Schüler zuerst eine Lehre abschliessen müssen, bevor sie studieren dürfen.
- Der Weg an Universitäten und ETH soll via Passerelle zum geförderten Regelweg werden.
- Sowohl swissuniversities als auch der Schweizerische Arbeitgeberverband kritisieren den Vorstoss als Gefährdung der Bildungsvielfalt.
Geht es nach SVP-Nationalrat Andreas Glarner, sollen sämtliche Schülerinnen und Schüler künftig eine Lehre abschliessen müssen, bevor sie zum Studium zugelassen werden. Studierende mit Berufserfahrung würden ihr Studium zielgerichteter beenden, seltener das Studienfach wechseln, seien praxistauglicher und würden schneller in den Arbeitsmarkt finden, argumentiert Glarner in seinem Vorstoss.
Das sähe dann etwa so aus: Nach dem Lehrabschluss soll der Weg an die Universitäten und ETH via Passerelle zum «geförderten Regelweg» werden. Der Zugang zu den Fachhochschulen erfolgt hingegen wie bisher mit dem Abschluss einer berufsbegleitenden Berufsmaturität. Was mit den Gymnasien geschehen soll, lässt Glarner offen.

Dieser Systemumbau könne kostenneutral gestaltet werden, argumentiert Glarner, indem Mittel aus dem gymnasialen Bereich umgeleitet würden. Zudem würden Lehrbetriebe einen substanziellen Teil der Ausbildungskosten übernehmen.
«Gymi faktisch abgeschafft»
«Der Vorstoss würde den allgemeinbildenden Weg über die gymnasiale Maturität faktisch abschaffen», kritisiert hingegen swissuniversities, die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen. Das vielfältige Bildungsangebot auf der Sekundarstufe II stelle sicher, dass junge Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Neigungen den jeweils passenden Weg finden.

«Diese Vielfalt sorgt im Zusammenspiel mit der hohen Durchlässigkeit dafür, dass kein Bildungsentscheid in eine Sackgasse führt, und versorgt Wirtschaft und Gesellschaft zugleich mit praxisnah qualifizierten Fachkräften und mit akademischem Nachwuchs.» Ein obligatorischer Einheitsweg würde diese bewährte Vielfalt und die damit verbundenen Vorteile aufs Spiel setzen, so der Dachverband.
Arbeitgeberverband: «Vorstoss ist ein Zwangsmodell»
Auch der Schweizerische Arbeitgeberverband sieht den Vorstoss kritisch: «Ein obligatorischer vorgelagerter Lehrabschluss für alle Studenten würde einen grundlegenden Systemwechsel darstellen und die bestehende Flexibilität einschränken», schreibt Nicole Meier, Ressortleiterin Bildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, auf Anfrage. Ein Zwangsmodell könne dazu führen, dass Talente nicht optimal eingesetzt werden und Verzögerungen beim Berufseintritt entstehen.
Wie wichtig ist dir praktische Erfahrung, wenn du eine akademische Ausbildung machst?
Sehr wichtig, Theorie und Praxis sollten Hand in Hand gehen.
Eher wichtig, es hilft, das Gelernte besser einzuordnen.
Nicht so wichtig, das Studium soll sich auf die Theorie konzentrieren.
Praktische Erfahrung kann man auch nach dem Studium sammeln.
Ich habe keine akademische Ausbildung gemacht.
Ich finde, es kommt auf das Studienfach an.
Zudem dürfte Glarners Vorstoss die Nachfrage nach Lehrstellen stark erhöhen, wodurch der Druck auf Betriebe ebenfalls deutlich verstärkt würde: «Die Berufsbildung ist arbeitsmarktorientiert. Bereits heute finden nicht alle Jugendlichen, die eine Lehre absolvieren möchten, eine passende Ausbildungsstelle.»

Thomas Leu (tle) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten. Er ist Praktikant im Ressort Politik.
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