Wespenjahr 2026: Warum die Insekten nerven und trotzdem nützlich sind
„Die Wespensaison 2026 fällt in Deutschland bislang deutlich schwächer aus als im Vorjahr“, schreibt SchädlingsHero, eine Online-Plattform für Schädlingsbekämpfung, in ihrem „Wespenreport 2026“. Der Anteil der Schädlingsanfragen, Wespen betreffend, sei gegenüber dem Vorjahr um rund 35 Prozent gesunken, in Berlin gar um die Hälfte. Solche Anfragen gibt es zum Beispiel, wenn man im Garten oder am Haus ein Wespennest findet.
Der Januar war kalt, das Frühjahr gebietsweise recht kühl und feucht. Dadurch hätten es die bereits im Vorjahr begatteten Königinnen ab Mai schwerer gehabt, ihre Nester zu bauen, Eier abzulegen und die ersten Arbeiterinnen großzuziehen, sodass sich weniger große Völker entwickeln konnten, heißt es zur Erklärung für das relativ schwache Wespenjahr.
24.07.2018, Niedersachsen, Hannover: Schädlingsbekämpfer Cesar Aiello bekämpft mit Insektiziden ein Wespennest auf einen Balkon eines Mehrfamilienhauses. Die Kammerjäger haben im Moment alle Hände voll zu tun: Das Jahr 2018 ist ein gutes Wespenjahr und die Schädlingsbekämpfer müssen immer mehr Wespennester entfernen.
© Julian Stratenschulte/dpa
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Dennoch dürften sich noch immer genügend Menschen genervt fühlen, wenn Wespen den Pflaumenkuchen auf der Kaffeetafel belagern oder sich auf dem Grillfleisch niederlassen. Den Zucker aus dem Kuchen brauchen Wespen als Treibstoff zum Fliegen. Fleisch wiederum enthält Eiweiße und Proteine zum Füttern der Wespenlarven im Nest. Gerade jetzt, Mitte August, erreichen die Insekten den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Im Herbst sterben dann alle Arbeiterinnen und die alte Königin, während neue Jungköniginnen überwintern.
Wespen fressen Schädlinge, tragen zur Bestäubung von Pflanzen bei und beseitigen Aas
„Wozu brauchen wir diese nervenden Plagegeister überhaupt?“, fragt sich sicher mancher. Wenn wir von Wespen sprechen, meinen wir meist nur die bekanntesten der insgesamt rund 620 Wespenarten hierzulande: die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Beide sind schwarz-gelb gefärbt und unterscheiden sich nur durch minimale Nuancen.
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Nützlich sind sie auf verschiedene Weise. Ein einziges Volk vertilgt pro Tag bis zu 500 Gramm an Fliegen, Mücken, Bremsen, Raupen, Blattläusen und anderen Schädlingen. Sie schützen Nutzpflanzen ganz ohne Chemie. Sie tragen – ähnlich wie Bienen und Hummeln – zur Bestäubung bei. Manche Pflanzen sind speziell an Wespen angepasst. Außerdem helfen Wespen auch bei der Beseitigung von Aas und dienen somit als „Umweltpolizei“. Sie selbst, ihre Larven und Nester dienen als Nahrungsquelle für Hornissen, Vögel, Dachse oder Marder.
Bevor man also wild nach einer nervenden Wespe schlägt, kann man als Mensch kurz über die eigene Nützlichkeit für die Natur nachdenken – und sich dann für die Koexistenz entscheiden. So schwer es auch fällt.
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