News am Morgen - Nachrichten vom 20. August 2026


Ob ein Kanzler im Urlaub sein kann, oder nicht, darüber hat es gestern in der Bundespressekonferenz eine beinahe metaphysische Diskussion gegeben, berichtet mein Kollege Robert Roßmann.

Es ist nämlich so: Der Kanzler kann im Urlaub sein, aber er macht nie Urlaub, weswegen er nur am Urlaubsort verweilen kann, ohne tatsächlichen Urlaub zu nehmen. Wann er denn wiederkäme aus diesem Nicht-Urlaub, wollte eine Journalistin wissen. „Wenn man nicht weg ist, nie wirklich weg ist, sozusagen nur weil man öffentlich nicht auftritt, kann man auch nicht wieder da sein“, erklärte sein Regierungssprecher Sebastian Hille.

Damit zu den ernsteren Dingen: In Berlin steht in der Friedrichstraße das Russische Haus. In den obersten Stockwerken sind Wohnungen, wer sie bewohnt, ist unbekannt. Nebenan ist jetzt eine Außenstelle des Digitalministeriums eingezogen; trotz Befürchtungen, zum Beispiel des französischen Innenministeriums, es werde „als Tarnung von russischen Geheimdiensten genutzt“. Warum das Auswärtige Amt argumentiert, das Russische Haus könne trotzdem nicht geschlossen werden, hat mein Kollege Georg Ismar hier aufgeschrieben.

Derzeit gibt es immer wieder Meldungen von Militärexperten, die die Ukraine im Krieg gegen den Angreifer Russland in einer besseren Position sehen als jemals zuvor in diesem Konflikt. Unser Ukraine-Korrespondent Florian Hassel aber mahnt: Russlands Reserven seien enorm. Es „wäre weit gefehlt“ von einer „nahen russischen Niederlage“ zu sprechen.

Um zwar düster, aber nicht ganz so hoffnungslos zu enden, empfehle ich Ihnen zur Lektüre dieses Interview mit der Slawistin Sylvia Sasse. Sie beobachtet russische Desinformationskampagnen derzeit verstärkt in Ostdeutschland. Auch eine „Doppelgänger“-Seite der SZ kursiert. Manche Lügen, sagt Sasse, seien aber schlicht „dämlich“. Sie sagt, „man sollte sich auch mehr über Propaganda lustig machen, darüber, wie schlecht sie ist“.

Was heute wichtig ist

Trump droht Iran mit „Wirtschaftskrieg“. Der „Wirtschaftskrieg“, den Trump Iran angedroht hat, werde beispiellos, schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social. Auch alle Länder, die Iran unterstützten müssten mit „GEWALTIGEN wirtschaftlichen Konsequenzen“ rechnen. Trump steht vor den wichtigen Zwischenwahlen in den USA innenpolitisch stark unter Druck. Zum Liveblog zum Krieg in Nahost

Ukraine: Antikorruptionsbehörden starten Großrazzia. Die Regierung in Kiew will im Zuge von Ermittlungen der ukrainischen Antikorruptionsbehörde den Vorstandschef und den Aufsichtsratsvorsitzenden einer staatlichen Bank von ihren Aufgaben entbinden. Zuvor wurde bekannt, dass der ukrainische Präsident Selenskij seine Vize-Stabschefin Iryna Mudra ohne Angabe von Gründen entlassen hat. Zum Liveblog zum Krieg in der Ukraine

Medienberichte: Harry und Meghan ziehen zurück nach Großbritannien. Der Umzug soll noch in diesem Monat stattfinden, wie britische Medien berichten. Die Kinder seien bereits ab September an einer Schule angemeldet. Zum Artikel

CDU-Mann spendet 10 000 Euro an die AfD. Ein Kommunalpolitiker der Union ruft kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur Stimmabgabe für die AfD auf. Er fürchte eine „Zusammenarbeit mit linken und linksradikalen Kräften“. Der CDU-Landesgeneralsekretär sagt: „Niemand ist gezwungen, Mitglied unserer Partei zu bleiben.“ Zum Artikel

Israel will Tötungen von Mädchen und Familie in Gaza strafrechtlich untersuchen. Gegenstand der Untersuchung ist die Tötung der sechsjährigen Hind Rajab zusammen mit sechs Familienmitgliedern im März 2025. Soldaten hatten das Auto der palästinensischen Familie Hamada angegriffen. Hind Rajab und ihre Cousine Lian Hamada überlebten zunächst, Soldaten feuerten jedoch eine Granate auf einen eintreffenden Krankenwagen. Zum Artikel

Beschädigte Häuser und eine Tote nach Unwettern. In der Nacht haben Unwetter vielerorts für große Schäden gesorgt, vor allem Hessen und Thüringen hat es stark getroffen. In Rheinland-Pfalz ist eine Frau gestorben. Zum Artikel

Weitere wichtige Themen

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Dossier Digitalwende: Wie KI die Bürgerbeteiligung revolutioniert. KI-Modelle helfen Bürgerinnen und Bürgern die Folgen politischer Entscheidungen besser zu verstehen, leichter mitzusprechen und jene einzubinden, die per Sprachbarriere oder Behinderung sonst ausgeschlossen wären. Die Bertelsmann Stiftung und die OECD haben internationale Beispiele dafür gesammelt. Die Studie lag SZ Dossier vorab vor. Zum Briefing

Dossier Geoökonomie: Asiens Bündnisse geraten in Bewegung. Südkorea zieht Konsequenzen aus der Unberechenbarkeit der USA und will sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen stehen. Zugleich sucht Präsident Lee Jae-myung den Ausgleich mit Nordkorea – während China versucht, seinen Einfluss auf Pjöngjang gegenüber Russland zu sichern. Die USA sind der Verlierer. Zum Briefing