Wie ein 56-jähriger Münchner dem Hyrox-Hype verfiel: „Du stirbst tausend Tode“


Stand: 17.09.2026, 18:26 Uhr

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Er ist 56, betreibt eines der Hyrox-Studios in München und lebt den neuen Fitness-Wettkampf: Robert Schiller. Wer einmal mit Hyrox angefangen hat, hört nicht wieder auf.

München – „Es ist wirklich ein pures Leiden“: Ein Hyrox-Wettkampf ist für Robert Schiller die reinste Qual. „Währenddessen verfluchst du alle um dich herum und stirbst tausend Tode.“ Sobald die Ziellinie ins Blickfeld kommt, brechen alle Dämme. „Du kannst nicht aufhören, zu grinsen. Völlig überwältigt von Glücksgefühlen saugst du im Ziel die Atmosphäre auf. Dann sagst du: Lass uns sofort für den nächsten anmelden. Das ist das Prinzip von Hyrox“, sagt er.

Hyrox boomt auch in München: „Es ist ein Wettkampf keine Trainingsart“

Schiller ist von oben bis unten durchtrainiert und mit 56 Jahren einer der älteren Hyrox-Athleten. Er betreibt eines der speziell auf den Hyrox-Wettkampf ausgerichteten Fitnessstudios, das UN1T im Werksviertel. Wer verstehen will, warum gerade halb Deutschland acht Kilometer läuft und dazwischen Sandsäcke und Kettlebells schleppt, ist bei Schiller genau richtig. Der 56-Jährige hat vor Hyrox schon fast alles ausprobiert: Fußball, Laufen, Natural Bodybuilding, am Ende sogar den Ironman. „Beim Ironman waren es zehn Stunden Qual“, sagt er und lacht. „Jetzt sind es nur noch zwei.“

Kurz vor dem Ziel beim Hyrox, explodieren bei Robert Schiller die Gefühle.

Kurz vor dem Ziel beim Hyrox, explodieren bei Robert Schiller die Gefühle. © Robert Schiller

Beim Hyrox werden Ausdauer und Kraft miteinander verbunden: Die Teilnehmer meistern acht Kilometer Laufstrecke und acht Workout-Stationen (siehe Infobox). Wer als Erster ins Ziel kommt, hat gewonnen. Wieso der Wettkampf so beliebt ist und immer mehr Leute dem Hype verfallen, ist für Schiller glasklar: „Jeder kann laufen. Und dann hast du acht Übungen, die keine Raketentechnologie sind, sondern ganz normale Bewegungsabläufe, die auch jeder kann.“

Hyrox ist ein Wettkampf. Es wird leider sehr häufig verwechselt mit einer Trainingsart. Und das ist es überhaupt gar nicht.

Dass man sich dann in einem standardisierten Wettkampf Jahr für Jahr in seiner eigenen Altersgruppe messen kann, das ist für den 56-Jährigen das Erfolgsrezept. Und genau das treibt ihn auch an: „Ich will zeigen, dass ich in meinem Alter nicht average bin, sondern above average. Weit über dem Durchschnitt.“

Der Hyrox-Wettkampf

Jeder Athlet muss insgesamt achtmal einen Kilometer laufen und die folgenden acht Übungen zwischen den Laufrunden exakt in der folgenden Reihenfolge absolvieren:

SkiErg (Skilanglauftrainer): 1000 Meter

Sled Push (Schlitten schieben): 50 Meter

Sled Pull (Schlitten ziehen): 50 Meter

Burpee Broad Jump: Burpee mit Weitsprung über 80 Meter

Rower (Rudern): 1000 Meter

Farmers Carry: Kettlebell tragen über 200 Meter

Sandbag Lunges: Ausfallschritt mit Sandsack über 100 Meter

Wall Balls: 100 Mal einen sechs oder acht Kilo schweren Ball mehrere Meter an der Wand hochwerfen

„Hyrox ist ein Wettkampf. Es wird leider sehr häufig verwechselt mit einer Trainingsart. Und das ist es überhaupt gar nicht“, erklärt Schiller. Wer für einen Hyrox trainiert, übt nicht nur die acht Übungen, sondern setzt auf ein vielseitiges Trainingskonzept. „Der Körper hat 650 Muskeln. Immer die gleichen Übungen zu machen, ist für den Körper einfach schlecht. Punkt.“ Eine Affinität zum Laufen sollte man mitbringen, da es 50 Prozent des Wettkampfs ausmacht. Im Video (oben im Artikel) zeigt Schiller, wie so ein Hyrox-Training abläuft.

Für 2026 wird mit rund 1,8 Millionen Teilnehmenden weltweit bei mehr als 100 Events in 40 Ländern gerechnet. Für 2027 planen die Veranstalter mit 2,5 Millionen Aktiven. Gegründet wurde Hyrox 2017 von Moritz Fürste und Christian Toetzke. Fürste ist Hockey-Olympiasieger von 2008 und 2012, Toetzke Sporteventmanager. Die beiden Gründer wollten denjenigen, die in Fitnessstudios gehen und dort trainieren, die Möglichkeit eines hybriden Wettkampfs über Bodybuilding hinaus geben. „Unsere These war: Genau dort gibt es in der Welt des Sports eine Lücke“, so Fürste. Die Hyrox-Macher wollen den Wettkampf sogar zu den Olympischen Spielen bringen und 2032 bei der Bewerbungsperiode mitmachen. Seit Oktober vergangenen Jahres gehört Hyrox dem Triathlon-Weltverband an.

„Die Münchner Community wird da sehr, sehr stiefmütterlich behandelt“

In Deutschland finden Hyrox-Wettkämpfe in Düsseldorf, Hamburg, Köln, Karlsruhe und Frankfurt statt. Dieses Jahr war auch einer in Berlin. München ist nicht dabei. „Die Münchner Community wird da sehr, sehr stiefmütterlich behandelt“, ärgert sich Schiller. Laut ihm gebe es „locker 10.000 Leute, die hier aus München in die ganze Welt fahren, um Hyrox-Wettkämpfe zu machen“. Geplant sei ein Münchner Wettkampf derzeit nicht. Schiller vermutet, dass die Stadt den Veranstaltern zu teuer ist.

Teilnehmer beim Hyrox zahlen zwischen 89 und 130 Euro für ein Ticket. Damit ist es aber oft nicht getan. „Für so einen Wettkampf musst du im Prinzip 500, 600 Euro mindestens hinlegen – mit Übernachtung, Anreise, Essen.“ Wer einmal an einem Race teilgenommen hat, möchte mehr. Das sagt zumindest Schiller. „Mir fällt ehrlich gesagt keiner ein, der das einmal und nie wieder gemacht hat. Keiner.“ (Quellen: Hyrox.com, eigene Recherche, UN1T, dpa)