Unfall oder Ausbeutung mit System? Was der Tod von zwei Erntehelfern über ihren Schutz verrät
Erntehelfer wollten lieber privat unterkommen
Auch Karin Wittrock hat auf einem der Zuhörer-Plätze im Sitzungssaal eins des Amtsgerichtes Höxter Platz genommen. In ihrer Obstplantage hat das Ehepaar gearbeitet: "Die Sache ist mir unangenehm", sagt sie. Karin Wittrock war nach dem Tod der beiden zu Besuch in Rumänien, um den Sohn der beiden toten Erntehelfer zu besuchen.
"Wenn wir nun keine Erdbeeren hätten, wären die beiden nie hergekommen." Karin Wittrock, Wittrock Obstplantagen
"Die Mutter des Verstorbenen macht uns Vorwürfe", sagt Karin Wittrock. Und weiter "weil wir den beiden geglaubt haben, dass sie lieber bei Bekannten unterkommen wollen." Der Angeklagte stellte auch den Kontakt zwischen den Erntehelfern und dem Hof her. Dort gibt es eine extra Unterkunft für die Erntehelfer. Die wird auch an Handwerker oder für Feiern vermietet.
Was die beiden Erntehelfer dazu gebracht hat in das Haus in Höxter-Lüchtringen einzuziehen, wird vor Gericht nicht klar. Die beiden Geschwister, die auch mit dem Paar in das Haus gezogen sind, erscheinen nicht zum Gerichtstermin.
Arbeiterunterkünfte werden besser
Szabolcs Sepsi berät für das Projekt "Faire Mobilität" des Deutschen Gewerkschaftsbundes Beschäftigte aus Mittel- und Osteuropa auf ihrer Muttersprache. Er kennt die Herausforderungen der "mobilen Beschäftigten", wie er sie nennt: "Oft sind die Unterkünfte stark überteuert oder auch überbelegt oder die Bedingungen sind nicht gut. Extrem schlechte Bedingungen, wo gegen Brandschutz oder die Sicherheit verstoßen wird, sind heute tatsächlich viel seltener als das noch vor zehn Jahren der Fall war."
Der Fall Lüchtringen ist für ihn "das zusammenkommen vieler unglücklicher Umstände." Offizielle Unterkünfte seien mittlerweile gut kontrolliert, zwar nicht luxuriös, aber in Ordnung. In diesem Fall sei die Vermietung privat gewesen. "Es ist aber auch eine zusätzliche Abhängigkeit, wenn ich mich durch meinen Arbeitgeber unterbringen lasse."