Auf den Spuren des Odysseus: wie tropische Mücken in Deutschland Flughafenmalaria verbreiten


In Frankfurt am Main haben per Flugzeug eingeschleppte Mücken sechs Mitarbeiter des Flughafens mit Malaria infiziert, diese Woche kamen noch zwei Anwohner hinzu. Drei der Erkrankten sind an der Tropenkrankheit verstorben.

18.09.2026, 17.49 Uhr

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Eine Anopheles-Mücke bei der Blutmahlzeit.

Eine Anopheles-Mücke bei der Blutmahlzeit.

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Auch hiesige Ärzte begegnen regelmässig der Tropenkrankheit Malaria: Rund tausend Reiserückkehrer laaus Ländern mit grassierender Malaria erkranken laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts jährlich in Deutschland, in der Schweiz sind es mehr als 300. Sie bringen die Erreger – Einzeller der Gattung Plasmodium – als gefährliches Reiseandenken in ihrem Blut mit nach Hause.

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Anders die gegenwärtige Situation in Frankfurt am Main. Die Stadt ist in den letzten Wochen Schauplatz eines besonders schweren Falls der sogenannten Flughafenmalaria geworden. Dabei werden infizierte Mücken der Gattung Anopheles aus Afrika oder anderen Malariagebieten per Flugzeug nach Europa verschleppt und übertragen erst dort die Krankheit – auf Menschen, die nicht zuvor in die Tropen gereist waren. Fachleute sprechen auch von einer «odysseischen» Malaria. Bereits im Juli erkrankten fünf Mitarbeiter des Flughafens Frankfurt an der Krankheit, Mitte August ein sechster. Drei der Patienten verstarben.

Mitte September informierte das städtische Gesundheitsamt dann über zwei weitere Fälle im Stadtteil Schwanheim, wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. Das Besondere: Keine der beiden Personen arbeitet am Flughafen oder hatte anderweitigen Kontakt zum Gelände. Das Amt geht derzeit davon aus, dass sie vor Ort von aus Afrika stammenden Mücken gestochen wurden, die selbständig vom Flughafen nach Schwanheim geflogen waren. Sie könnten aber auch in Gepäckstücken dorthin verfrachtet worden sein.

Was ist Malaria?

Malaria ist eine schwere, potenziell tödliche Infektionskrankheit, die heute weltweit in den Tropen und Subtropen vorkommt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es im Jahr 2024 weltweit schätzungsweise 282 Millionen Malariafälle, 610 000 Menschen in 80 Ländern starben daran. 95 Prozent dieser Fälle wurden aus Afrika gemeldet.

Die Krankheit wird von einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium ausgelöst. Sie vermehren sich zunächst in der Leber und befallen dann rote Blutkörperchen, wo sie sich weiter vermehren, bis die Blutzellen massenhaft platzen. Die freigesetzten Erreger und Giftstoffe führen zu heftigen Immunreaktionen, welche die typischen, sehr heftigen Fieberschübe auslösen. Bei schweren Verläufen drohen Blutarmut und Organversagen.

Plasmodien werden durch den Stich einer weiblichen Mücke der Gattung Anopheles übertragen. Dabei kommt für jede der fünf bekannten Erregerspezies nur eine Untergruppe der mehr als 400 Anopheles-Arten als Überträger infrage.

Malaria ist grundsätzlich gut zu behandeln. Voraussetzung sind jedoch eine frühzeitige Diagnose und eine schnelle medikamentöse Therapie. Kurzfristig kann man sich mit Medikamenten auch vor einer Infektion schützen (Chemoprophylaxe). Nach langer Suche gibt es inzwischen auch Impfstoffe, die seit einigen Jahren in Afrika eingesetzt werden.

Wie selten sind Fälle von Flughafenmalaria?

Ziemlich selten: Eine Übersichtsarbeit von 2024 fand für ganz Europa in den letzten fünfeinhalb Jahrzehnten 145 belegte Fälle, davon 9 in Deutschland und 5 in der Schweiz. Allerdings dürfte es darüber hinaus eine Dunkelziffer von Fällen geben, die nicht in offizielle Statistiken eingingen.

Die meisten Fälle lassen sich auf Mückenstiche direkt am Flughafen zurückführen, ein kleinerer Teil auf Insekten, die in Gepäckstücken zunächst an weiter entfernte Orte gebracht wurden. Dass Menschen ohne Reisehintergrund infiziert werden, die lediglich in der Nähe eines Flughafens wohnen, aber dort weder arbeiten noch sonst Zeit verbringen, ist extrem selten. Insofern sind die Häufung der Fälle und die beiden Erkrankungen in Frankfurt-Schwanheim ausgesprochen ungewöhnlich.

Kann es bei uns zu Infektionsketten kommen? Und könnte der Erreger hierzulande heimisch werden?

Malariaerreger werden fast ausschliesslich von Weibchen bestimmter Anopheles-Arten übertragen. Ausnahme sind seltene Blut-zu-Blut-Übertragungen, etwa von einer infizierten Mutter auf das Kind im Zuge der Geburt. Für die mit Abstand häufigste und gefährlichste Erregerart Plasmodium falciparum gilt: Weder der Erreger noch dessen Überträgermücken überstehen einen mitteleuropäischen Winter. Deswegen kommen Fälle von Flughafenmalaria fast ausschliesslich in den Sommermonaten vor.

Aber früher gab es Malaria doch auch bei uns . . .

Tatsächlich galt das ostfriesische Emden zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als Hochburg des Marschenfiebers. Diese durch den Erreger Plasmodium vivax ausgelöste Variante der Malaria war damals in weiten Teilen Europas verbreitet, als sogenanntes Sumpffieber auch in der Schweiz. Seit den 1950er Jahren gilt Mitteleuropa aber als frei von Malaria, in West- und Südeuropa dauerte dies bis in die siebziger Jahre. Die Ausrottung gelang einerseits, indem man Mückenbrutgebiete trockenlegte und die Insekten mit DDT bekämpfte. Ähnlich wichtig war die verbesserte Behandlung von Erkrankten mit Medikamenten wie Chloroquin. Dadurch verlor der Erreger zunehmend sein Reservoir, die Infektionsketten brachen ab.

Allerdings gibt es in Europa weiterhin Arten von Anopheles-Stechmücken, die Plasmodium vivax theoretisch auch vor Ort übertragen können. Dass die Gefahr einer Weitergabe von eingeschleppten Infektionen nicht komplett gebannt ist, zeigen rund zwanzig Fälle solcher autochthonen Infektionen in Griechenland um das Jahr 2011: Sie gingen höchstwahrscheinlich auf Erntehelfer aus Pakistan zurück, die die Infektion aus ihrem Heimatland mitgebracht hatten. Der Erreger war dann mehrfach auf dem Peloponnes auf andere Menschen übertragen worden.

Wie kann man Flughafenmalaria verhindern?

In Frankreich, das europaweit mehr als die Hälfte aller Fälle von Flughafenmalaria registriert, werden schon jetzt viele Flugzeuge aus Risikogebieten mit Insektiziden behandelt. Dies sollte laut Fachleuten auch vermehrt an anderen internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt geschehen.

Ebenso wichtig ist aber das Problembewusstsein bei Reisenden und Flughafenmitarbeitern sowie Hausärzten: Wenn Malaria schnell erkannt wird, ist sie gut behandelbar; Todesfälle sind dann kaum zu erwarten. Genau hier dürfte es in Frankfurt Lücken gegeben haben, die nun die laufende Untersuchung klären muss.

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