Urs Ledermann: "Wir könnten die Mieten senken, aber die Linken wollen nicht"


Publiziert16. August 2026, 04:34

Immobilien-Tycoon«Wir könnten die Mieten senken, aber die Linken wollen nicht»

Urs Ledermann (71) wird als «Mr. Seefeld» bezeichnet und ist für viele ein Treiber der Gentrifizierung. Ein neues Buch porträtiert den Zürcher Immobilienunternehmer, der im  Mar-a-Lago auch immer wieder auf Donald Trump trifft.

Basil Honegger

Darum gehts

Mit 19 verkaufte er Glace an der Bahnhofstrasse, später prägte er das Zürcher Seefeld wie kein anderer: Urs Ledermann (71) ist für die einen der Mann, der ein verlottertes Quartier gerettet hat, für die anderen das Gesicht der Gentrifizierung. Die Geschäftsführung seines Unternehmens hat Urs Ledermann mittlerweile an seinen Schwiegersohn abgegeben, aber er steht der Ledermann Immobilien AG immer noch strategisch zur Seite.

Mittlerweile lebt Ledermann neben Zürich und dem Engadin auch in Italien und Florida, wo er im Mar-a-Lago auch regelmässig auf Donald Trump trifft. Das neu erschienene Buch «Mit Häusern sprechen» beschreibt den Aufstieg und Werdegang des Immobilien-Tycoons.

Herr Ledermann, man nennt Sie «Mr. Seefeld». Empfinden Sie Stolz, wenn Sie heute durchs Seefeld gehen?

Urs Ledermann: Ich habe seit meiner Jugend eine tiefe emotionale Bindung zu diesem Quartier, es ist Teil meiner Heimat. Ich habe dort «als Zolliker Bub» Fussball gespielt, meine Frau wohnte im Seefeld. Aber die Situation in den 70er- und 80er-Jahren war unmöglich: Drogenelend, Prostitution, Kriminalität. Besonders für Frauen war es sehr unsicher. In die Liegenschaften wurde nicht investiert, die Häuser und Wohnungen vergammelten. Die Leute gingen weg, das Quartier war am Zerfallen.

Was haben Sie dagegen getan?

Wir haben Pionierarbeit geleistet und das Quartier stark aufgewertet – mit umfassenden wie auch nachhaltigen Um- und Neubauten. Dabei bauten wir grössere Küchen und Badezimmer ein, verwendeten hochwertige Materialien und stellten Waschtürme in die Wohnungen. Heute ist es ein wunderbares Quartier und hat immer noch viel vom ursprünglichen Seefeld. Ein bisschen wie in einem Dorf ist alles in wenigen Minuten erreichbar: Läden, Schulen, Freizeitaktivitäten. Das macht ein gutes Quartier aus.

«Kenne keinen linken Politiker, der mit eigenem Kapital bezahlbare Wohnungen schafft!»

Urs Ledermann

Genau diese Aufwertung macht das Seefeld zum Paradebeispiel für Gentrifizierung. Linke Politiker werfen Ihnen vor, bezahlbaren Wohnraum zu vernichten.

Es steht jedem frei, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ich kenne allerdings keinen einzigen linken Politiker, der mit seinem Kapital bezahlbare Wohnungen schafft! Sie beklagen sich lieber, um ihre Wählerbasis zu bewirtschaften. Mich stört, dass wir Immobilienunternehmer immer als gierige Profiteure hingestellt werden. Das stimmt einfach nicht. Bei fünf Prozent Rendite öffnen wir einen Champagner. Bei Banken, Versicherungen oder der Pharma wäre das viel zu wenig.

Fakt ist: Wohnraum in Zürich ist knapp und deutlich teurer geworden. Ihre Liegenschaften sind viel mehr wert, Sie verlangen höhere Mieten.

Ja, die Mieten sind gestiegen, aber das Bauen wurde noch viel teurer. Zudem haben sich die Mieten prozentual nie so stark entwickelt wie die Inflation in anderen Branchen. Schauen Sie die Gastronomie an: Vor 20 Jahren habe ich für ein Essen im Restaurant 25 Franken pro Person bezahlt, heute sind es gut und gerne 120 Franken. Aber darüber beklagt sich niemand.

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«Der grösste Kostentreiber der Immobilienpreise ist der Staat.»

Urs Ledermann

Die Abstimmung über die Initiative zur «10-Millionen-Schweiz» im Juni hat gezeigt: Der fehlende Wohnraum ist ein zentraler Grund für den Dichtestress. Können Sie das nicht nachvollziehen?

Müssen wir denn alles schlechtreden? Wir sind in einer privilegierten Lage und leben in einem sehr erfolgreichen Land. Ich bin stolz darauf, dass Zürich eine so wunderbare Stadt ist und ein Magnet, der Menschen anzieht. Sehen Sie sich an, was zurzeit in Stuttgart passiert: Die Autoindustrie wurde von zu vielen Regeln in den Boden gewirtschaftet, und jetzt bringt man die Wohnungen nicht mehr weg. Das ist kein Vorbild. Sind wir doch dankbar, dass wir in einer so erfolgreichen und attraktiven Stadt leben. Wir sollten das geniessen.

In Zürich klafft eine massive Lücke zwischen Bestands- und Angebotsmieten. Wer umzieht, zahlt plötzlich viel mehr – also zieht niemand mehr um. In der Stadt herrscht Wohnungsnot.

Wohnungsnot in Zürich, so ein Mist! Ich habe noch niemanden gesehen, der in Zürich keine Wohnung gefunden hat. Alle finden eine. Und wissen Sie, was der grösste Kostentreiber der Immobilienpreise ist? Nicht wir Unternehmer, sondern der Staat!

Bestands- vs. Angebotsmieten

Wieso denn das? Die Stadt hat seit der Abstimmung 2011 das Ziel, dass bis 2050 ein Drittel der Wohnungen gemeinnützig sind.

Es gibt schlicht zu viele Regeln und zu viel Bürokratie. Im Schnitt dauert es heute 330 Tage, bis in Zürich eine Baubewilligung erteilt wird. 2010 dauerte es deutlich weniger als halb so lang.

Drittelsziel der Stadt Zürich

Haben Sie ein Beispiel?

Wir sanieren zurzeit an der Seefeldstrasse 139/141 eine Liegenschaft und hatten wegen der Lärmvorschriften eine riesige Debatte mit der Baupolizei. Ich sollte Panzergläser einbauen – und das an einer normalen Strasse ohne Schwerverkehr. Die Zusatzkosten von 180'000 Franken hätten am Ende die Mieter getragen. Wir konnten die Behörde schliesslich überzeugen, dass niemand so wohnen will und ein Lärmschutzglas ausreicht. Die Debatte hat den Bau aber drei Monate verzögert.

Bei diesem Bauprojekt an der Seefeldstrasse 139/141 sollte Ledermann Panzerglas im Wert von 180'000 Franken einbauen. Dieses Beispiel nennt der Immobilienunternehmer als unnötige Vorschläge der Behörden, welche Bauprojekte verzögern.

Bei diesem Bauprojekt an der Seefeldstrasse 139/141 sollte Ledermann Panzerglas im Wert von 180'000 Franken einbauen. Dieses Beispiel nennt der Immobilienunternehmer als unnötige Vorschläge der Behörden, welche Bauprojekte verzögern.Ledermann Immobilien AG

Das ist doch ein ewiges Hin und Her, jeder wirft dem anderen die heisse Kartoffel zu. Wie würden Sie das Problem lösen?

Ich wäre sofort bereit, mich an einen runden Tisch zu setzen und über konkrete Lösungen zu diskutieren. Wenn alle wollten, würden wir die Mieten schon runterkriegen, da bin ich sicher. Aber leider will das niemand. Ein wirkliches Interesse an Kompromissen ist nicht vorhanden.

Und was würden Sie konkret vorschlagen, um schneller bezahlbaren Wohnraum in der Stadt Zürich zu schaffen?

Man müsste zum Beispiel die Grundstückgewinnsteuer senken. Das ist eine Droge geworden, von der Gemeinden und Städte leben, und sie verteuert die Wohnungen massiv. Zudem braucht es mehr Freiraum. Ich erlebe heute so viele Vorschriften, bei denen ich weiss: Ich baue Schrott ein, der nicht lange hält. Aber es ist gesetzlich vorgeschrieben. Früher hat man viel nachhaltiger gebaut. Heute ist ein Umbau so kompliziert, dass es günstiger ist, neu zu bauen.

Wollen Sie da nicht einfach Ihre Rendite optimieren?

Nein, mir geht es auch stark ums Gebäude. Hätte ich das Haus mit der Lärmschutz-Debatte abgerissen, wäre es viel günstiger gewesen. Aber es ist eine emotionale Liegenschaft für mich, ich wollte den Charakter des Hauses bewahren.

Wer ist deiner Meinung nach für die hohen Wohnkosten in Zürich verantwortlich?

Der Staat und zu viel Bürokratie.

Die hohe Nachfrage und das knappe Angebot.

Die Renditeerwartungen der Immobilienfirmen und Investoren.

Die Banken, Pensionskassen und Versicherungen.

Es ist eine Mischung aus vielen Faktoren.

Ich mache mir darüber keine Gedanken.

Der Titel des Buches über Sie lautet «Mit Häusern sprechen». Sie sagen, Häuser hätten eine Seele und sprächen mit Ihnen. Wie äussert sich das?

Es gibt eine gegenseitige Anziehung zwischen mir und einem Gebäude. Ich bin immer wieder fasziniert von Gebäuden und deren Architektur. Ich muss das Gebäude spüren und den Wunsch empfinden, etwas zu erwecken. Dann kann ich mich kreativ ausleben, und das gibt mir eine tiefe Befriedigung. Am Schluss eines Projekts möchte ich am liebsten selbst einziehen.

Das tönt nach viel Bauchgefühl. Ist das nicht ein Risiko für einen Unternehmer?

(überlegt) Ja, wahrscheinlich schon. Für mich stimmte das immer.

Ihr Grossvater war Bauer, Ihr Vater Metzgermeister. Sie sind heute sehr vermögend und leben auf der ganzen Welt. Was macht das mit Ihnen?

Meine Grossväter und mein Vater waren im weitesten Sinn auch Unternehmer, ich bin dabei geblieben. Etwas, das meine Familie auszeichnet: Wir waren eigentlich nie Angestellte, wir gingen nicht für andere arbeiten. Wir waren nie der Knecht. Wenn man selbstständig ist, muss man immer auch in den Spiegel schauen, wenn man Mist macht. Sich selbst zu kritisieren, ist brutal.

Sie verbringen die Winter in Florida und sind Mitglied im Club Mar-a-Lago. Worüber reden Sie mit Donald Trump?

Ich gehe regelmässig ins Mar-a-Lago und sehe ihn dort wie auch auf dem Golfplatz. Wir grüssen uns und machen etwas Smalltalk. Aber er würde mich nicht erkennen, wenn wir uns irgendwo sonst begegnen würden. Wir erleben allerdings viel rund um ihn herum, weil er fast jedes Wochenende dort ist.

Die Limousine von Donald Trump auf dem Golfplatz West Palm Beach am 9.2.25, bevor der Präsident zum Superbowl ging.

Die Limousine von Donald Trump auf dem Golfplatz West Palm Beach am 9.2.25, bevor der Präsident zum Superbowl ging.Urs Ledermann

Was ist Ihnen aufgefallen?

Dass er zum Beispiel als DJ tätig ist. Oder aber, dass viele bekannte Persönlichkeiten mit ihm am Tisch sitzen, die uns dann teilweise auch begrüssen.

«Vielleicht spielt Karin Keller-Sutter kein Golf, aber die Schweiz muss anfangen Aussenpolitik zu betreiben»

Urs Ledermann

Trump als DJ – wie läuft das ab?

Er ist halt auch ein grosser Musikfan. Fast jeden Abend schnappt er sich sein iPad und macht die Musik. Dann läuft alles von der Oper bis zum Musical.

Machen Sie Geschäfte mit ihm?

Nein.

Sie haben versucht, mit ihm über die US-Zölle für die Schweiz zu sprechen. Mit einer goldenen Rolex im Gepäck?

Nein. Ich habe ihm einfach einen persönlichen Brief geschrieben und versucht, ihm die Position der Schweiz näherzubringen.

Und?

Er hat sich bedankt, aber mehr nicht.

Was hätte die Schweiz anders machen sollen?

Die Schweiz muss vielleicht einfach anfangen, Aussenpolitik zu betreiben. Der finnische Präsident spielt zum Beispiel Golf mit Donald Trump, das habe ich selbst gesehen. Dort konnten sich die beiden natürlich ungestört länger unterhalten. Vielleicht spielt Karin Keller-Sutter kein Golf. Aber es wäre schon wichtig, sich als Vertretung der Schweiz zu überlegen, wie man ihm gegenüber aktiv werden und der USA etwa bieten kann.

Zum Schluss: Wie soll sich Zürich in den nächsten 50 Jahren entwickeln?

Ich wünsche mir, dass sich alle zusammenraufen. Wir haben geografisch eine super Situation, Zürich ist eine unglaublich schöne Stadt. Dazu muss man Sorge tragen. Zürich muss attraktiv bleiben für seine Einwohner, aber auch für Unternehmen. Dafür muss man vernünftig sein, die Administration vereinfachen und Dinge einfach mal zulassen. Gute Architektur zum Beispiel – die muss unbedingt weiter Platz haben!

Das Buch «Mit Häusern sprechen»