Wirtz hat Gänsehaut bei Werders XXL-Test in Rotenburg


Stand: 16.08.2026, 21:52 Uhr

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Isabella Jaron gegen Paulina Bartz, Werder - HSV

Vor großer Kulisse liefern sich Werder und der HSV packende Zweikämpfe mit einigen Nickligkeiten – hier versucht Doppeltorschützin Isabella Jaron (l.) an Paulina Bartz vorbeizukommen. © Freese

Die Fußballerinnen des SV Werder Bremen gewinnen das letzte Vorbereitungsspiel gegen den HSV mit 5:1 und erfüllen diverse Autogrammwünsche.

Rotenburg – Friederike Kromp sollte richtig liegen. Im Vorfeld hatte die Trainerin des SV Werder Bremen behauptet, dass es zwischen ihrem Verein und dem Hamburger SV keine Freundschaftsspiele geben würde, wobei die Betonung auf Freundschaft lag. Das war auch gleich mehrfach im Testspiel zwischen beiden Frauen-Bundesligisten am Sonntag im Rotenburger Ahe-Stadion zu erkennen. Die Partie vor fast 2.000 Zuschauern hatte einige Nickligkeiten und gleich neun Gelbe Karten zu bieten. Aber auch einen eindeutigen Sieger: Werder gewann über die Spielzeit von insgesamt 120 Minuten den letzten Test vor dem Bundesliga-Auftakt in einer Woche mit 5:1 (4:1/1:1). „Wir sind mehr als ready, jetzt endlich in die Meisterschaft zu starten“, bestätigte Leistungsträgerin Juliane Wirtz.

Nicht nur Friederike Kromp musste nach dem Abpfiff dieses unterhaltsamen XXL-Duells minutenlang Autogramme schreiben und Selfies machen. Auch Wirtz verabschiedete sich erst in Richtung Kabine, als auch der letzte Fan-Wunsch erfüllt war. Und dazu gehörte es sogar, das eine oder andere HSV-Shirt zu unterschreiben. „Ein, zwei, drei Trikots habe ich unterschrieben, das ist auch in Ordnung“, bestätigte sie lachend und meinte: „Ich finde das bei den jüngeren Menschen in Ordnung, wenn man die Rivalität beiseite lässt.“

Juliane Wirtz gegen Leila Peneau, Werder Bremen - HSV

Juliane Wirtz (r.) steigt höher als Leila Peneau. © Freese

Gute Laune hatte auch ihre Trainerin. „Wichtig neben dem Ergebnis ist auch die Art und Weise. Wir haben relativ schnell einen guten Zugriff aufs Spiel bekommen, hatten mehr Ballbesitz auf unserer Seite, so wollten wir das. Unser Pressing hat deutlich besser gegriffen als zuletzt. Wir wollten mit einem guten Gefühl in die Saison starten, deshalb ist es auch beachtlich, wie uns das gelungen ist. Und dann mit fünf wunderschönen Toren.“

Werder jubelt gegen den HSV

Gleich fünf Tore bejubelt der SV Werder Bremen gegen den HSV in Rotenburg. © Freese

Bereits in der neunten Minute schloss dabei Isabella Jaron einen von ihr selbst eingeleiteten Spielzug über die linke Seite nach einer Ablage von Mei Shimada zum 1:0 ab. Die von Ex-Profi Rodolfo Cardoso trainierten Hamburgerinnen schienen dabei noch gedanklich im Stau zu stecken, jedenfalls war die Partie ihretwegen mit 20-minütiger Verspätung von Schiedsrichterin Antonia Tucholski (Bremen) angepfiffen worden. Doch die Rothosen fanden die passende Antwort in der 19. Minute, als Defensivspielerin Nigar Mirzaliyeva bei einer Ecke recht frei zum Kopfball kam – 1:1.

Mei Shimada gegen Nigar Mirzaliyeva, Werder - HSV

Duell zweier Torschützinnen: Werders japanischer Neuzugang Mei Shimada verfolgt Nigar Mirzaliyeva (r.) vom HSV. © Freese

Schon bis zur Pause hätten die überlegenen Bremerinnen erhöhen können, doch warteten sie bis zur 55. Minute, ehe Michelle Urban nach einem Freistoß einköpfte. Nach einem Foul von Torhüterin Jule Baum an Lilli Purtscheller erhöhte Jaron vom Punkt auf 3:1 (79.). In der Nachspielzeit der regulären 90 Minuten gelang der Japanerin Shimada mit einem satten Schuss in den Winkel das 4:1. Die zusätzlichen 30 Minuten waren aus Werder-Sicht zwar ärgerlich, weil Felicia Sträßer mit einem dicken Fuß vom Platz musste, brachten nach einigen vergebenen Chancen aber auch noch das 5:1 durch Elena Dhont, die nach einer Ecke per Kopf traf (115.).

Magou Doucouré, Werder - HSV

Schmerzhaft verläuft das Spiel für Hamburgs Magou Doucouré, die sich die Schulter hält. © Freese

„Wir hatten eine sehr gute Teamleistung, sowohl mit dem Ball als auch gegen den Ball. Wir haben sehr gut gestanden und gut gespielt. So eine Generalprobe ist immer sehr gut fürs Gefühl und den Teamgeist“, resümierte Juliane Wirtz und hatte auch noch ein Lob für Rotenburg parat: „Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen hier vor Ort sind. Das zeigt, dass die Menschen immer mehr Interesse am Frauenfußball finden. Ich bin auf den Platz gelaufen und hatte Gänsehaut. Der Platz war top, da kann man nicht meckern. Das war wirklich ein sehr guter Tag hier.“

Dafür ist es echt ein großes Event geworden, damit hatte ich nicht gerechnet.

Möglich gemacht hatte das Testspiel übrigens ein Ex-Rotenburger: Peter Bolm, der einige Jahre das Trikot des RSV als Stürmer getragen hatte und mittlerweile Teammanager der Werder-Frauen ist. „Ich wusste ja, dass Rotenburg eine gute Adresse ist, und da wir einen Testspielort gesucht hatten, bin ich mit meinen alten Leuten in Kontakt gegangen“, erzählte Bolm am Rande des Spiels und staunte: „Dafür ist es echt ein großes Event geworden, das hatte ich nicht erwartet.“ Auch Jörg Niepel, einer der Organisatoren des ausrichtenden Rotenburger SV, war begeistert und zählte „um die 2.000 Zuschauer. Das ist eine klasse Werbung für Rotenburg, absolut positiv für den Verein und die Stadt“, meinte er. Peter Bolm empfahl der Wümmestadt: „Rotenburg braucht mehr solcher Events.“ Die Frage, ob die Werder-Frauen erneut wiederkommen, beantwortete er auch: „Ich will es nicht ausschließen.“