Rassismus-Eklat bei Fußball-WM 2026 vor Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich
Der frühere spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat mit einer rassistischen Äußerung vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich für einen Eklat gesorgt. Der frühere Politiker der konservativen Volkspartei PP schrieb in einem Beitrag für die Digitalzeitung „El Debate“, Frankreich verfüge über einen Kader auf höchstem Niveau. Allerdings stünden „keine Franzosen“ in dem Fußball-Team, behauptete er.
Frankreichs Innenminister: „Absolut inakzeptabel“
Rajoys Beitrag stieß sowohl in Frankreich als auch in Spanien vor der Partie am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei MagentaTV) in Dallas auf scharfe Ablehnung. Die Sprecherin der Regierung von Emmanuel Macron, Maud Bregeon, sagte gegenüber RTL: „Diese Äußerungen sind abscheulich und zeugen von einer großen Unkenntnis der französischen Geschichte, dessen, was Frankreich ausmacht, und des Stolzes der Franzosen auf ihre Nationalmannschaft.“
Rajoys Äußerungen über die französische Nationalmannschaft „zeugen von unerträglichem Rassismus“, schrieb Frankreichs Fußballverbandspräsident Philippe Diallo bei X. „Sie werfen zudem Fragen nach dem verwerflichen Klima auf, das solchen Gestank erst ermöglicht. Unsere Spieler brauchen keine Staatsbürgerschaftsurkunden von einem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten.“
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erklärte bei BFMTV: „Das ist absolut inakzeptabel, das entspricht überhaupt nicht den Werten Frankreichs.“
Spaniens Ministerpräsident: Möge der Rassismus verlieren
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, der Rajoy 2018 vor dem Hintergrund von Korruptionsaffären bei der PP per Misstrauensabstimmung gestürzt hatte, verlinkte bei X einen Beitrag mit zahlreichen kritischen Kommentaren zu seinem Vorgänger und schrieb selbst: „Manche definieren Zugehörigkeit noch immer über Nachnamen, Geburtsort oder Hautfarbe. Andere von uns definieren sie über ihre tiefe Verbundenheit mit einem Land und ihre Bereitschaft, sich für es einzusetzen. Indem wir Fußball spielen. Indem wir uns um unsere Älteren kümmern. Oder indem wir Unternehmen gründen.“
Spanien gehöre denen, die es lieben. „Nicht denen, die es mit xenophoben Äußerungen beschämen. Frankreich, wir sehen uns im Halbfinale. Möge die beste Mannschaft gewinnen und der Rassismus verlieren.“
Bisher keine Entschuldigung
Nachdem die Worte von Rajoy am Wochenende zunächst nur in Frankreich für große Aufregung gesorgt hatten, geht nun auch in Spanien eine Welle der Empörung durchs Land. Außenminister José Manuel Albares sagte vor Journalisten: „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind schwere Übel der Seele. Wir werden nicht zulassen, dass jemand dieses Gift in unser Land bringt.“ Alle Franzosen, ohne jede Unterscheidung, seien „unsere Freunde, unsere Nachbarn und unsere Partner“, betonte der Minister auch auf X.
Andere Angehörige der Zentralregierung wie auch führende Politiker linker Parteien sprachen unter anderem von einer „Schande“ und verlangten von Rajoy eine Entschuldigung. Dieser gab vorerst keine Stellungnahme ab. Auch die PP von Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo hüllte sich in Schweigen.
Die konservative Zeitung „El Mundo“ schrieb aber, man habe aus dem Umfeld von Rajoy erfahren, dass der 71-Jährige nicht auf die Kritik reagieren und sich „nicht auf das Niveau bestimmter Mitglieder der spanischen Regierung begeben“ wolle. Rajoy habe „nicht mit schlechter Absicht“ gehandelt, hieß es.
Will Rajoy ein Abkommen torpedieren?
Nur ein einziger ranghoher PP-Politiker ließ bislang seine Meinung wissen: „Rajoy macht einen Witz über die französische Nationalmannschaft, und dann kommt dieser Trottel von Sánchez daher (...) und spielt den großen Moralapostel“, schrieb der einflussreiche Abgeordnete Rafael Hernando auf X.
Albares und andere vermuten derweil, dass der politisch seit vielen Jahren nicht mehr aktive Rajoy keinen Witz machen wollte. Ihm sei auch kein Missgeschick unterlaufen, heißt es. Er habe seine Worte mit einer ganz bestimmten Absicht gewählt: Die Beziehungen zwischen Sánchez und Macron zu torpedieren.
Der Hintergrund: Die PP blockiert das Inkrafttreten des 2023 unterzeichneten bilateralen Freundschaftsvertrages. Streitpunkt ist eine Klausel, wonach ein Mitglied der französischen Regierung regelmäßig an Sitzungen des spanischen Kabinetts teilnehmen kann – und umgekehrt. „Die Sabotage des PP wird den Freundschaftsvertrag mit Frankreich nicht verhindern“, schrieb Albares.
Sánchez wird Macron am Montag im Rahmen eines Treffens der Koalition der Willigen aus westlichen Unterstützerländern der Ukraine in Paris treffen.
Bei der WM ist dies derweil nicht der erste Rassismus-Vorfall rund um Frankreichs Team: Zuletzt hatte die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia während der WM den französischen Topstar Kylian Mbappé rassistisch beschimpft. Frankreichs Verband reichte daraufhin Anzeige gegen die Politikerin ein.