Wolfsburg in der zweiten Liga: Geld schießt (immer noch) keine Tore


Die Verstärkungen, mit denen der VfL Wolfsburg den Verbleib in der Erstklassigkeit sichern wollte, haben beim Saisonstart der zweiten Liga zunächst auf der Ersatzbank Platz genommen. Jeweils zehn Millionen Euro hat der VfL im vergangenen Transferwinter für den Angreifer Kento Shiogai und den Abwehrmann Jonas Adjetey  ausgegeben, sie sollten in der Rückrunde dabei helfen, den Ernstfall abzuwenden. Doch weder Shiogai noch Adjetey erwiesen sich als Teil der Lösung, tendenziell waren sie sogar eher Teil des Problems. All jene, die es eher nicht so mit dem VfL halten, bekamen vor Anpfiff jedenfalls wieder die Gelegenheit, um Spott über den Werksklub zu ergießen: Ha! 20 Millionen Euro! So viel dürfte nicht mal die gesamte Mannschaft des Gegners 1. FC Kaiserslautern gekostet haben!

Und in der Tat, es stimmte ja. So viel Geld können im Unterhaus nur die Wolfsburger am Spielfeldrand platzieren – und dabei, so könnten jedenfalls Spötter anfügen, so wenige Tore schießen: Der VfL kam in seinem ersten Zweitligaspiel seit einem Vierteljahrhundert nicht über ein 0:0 hinaus und zeigte höchstens in Nuancen, warum er mit weitem Abstand als Aufstiegskandidat Nummer eins gehandelt wird.

Dabei haben die Wolfsburger Verantwortlichen um den vom Abstiegscoach zum Sportvorstand beförderten Dieter Hecking einen Kader gebaut, der einen spannenden Ersteindruck hinterlässt, dessen Praxistauglichkeit aber erst noch bewiesen werden muss. Das Bauprinzip ist simpel und schlüssig zugleich: Der eine Teil besteht aus Restbeständen der Abstiegsmannschaft, aus Spielern, die auf den ersten Blick überqualifiziert für die zweite Liga erscheinen – zu nennen wären da etwa der Sechser Vini Souza oder der Außenverteidiger Sael Kumbedi. Der noch größere Teil setzt sich zusammen aus Fußballern, die auch einem Zweitliga-Allstar-Team angehören könnten – zu nennen wären etwa der von Hertha BSC verpflichtete Angreifer Fabian Reese, Abwehrmann Hauke Wahl oder die Stürmer Robert Glatzel und Fraser Hornby. Komponieren soll die Elf zudem Tobias Strobl, laut Branchengeflüster einer der verheißungsvollsten Jungtrainer des Landes.

Ein schlüssiges Konzept wäre immerhin schon mal ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zu den vergangenen Jahren beim VfL. Doch der Zweitliga-Alltag ist beschwerlich. Und das war gerade in der Anfangsphase der Partie gegen Kaiserslautern auch zu sehen. Wolfsburg wirkte etwas fahrig und nervös, wohingegen die Gäste-Elf so auftrat, wie das gegen den VfL wohl viele Mannschaften tun werden: hart in den Nahduellen, kompakt, punktuell mit schnellen Vorstößen nach vorn. So war es dann auch der FCK, der zunächst die besseren Chancen hatte. Nach einem Abschluss von Skyttä musste Abwehrmann Kumbedi den Ball von der Torlinie kratzen (8. Minute), ein Kopfball von Asta ging knapp vorbei (14.), überhaupt waren die Kaiserslauterer das gefährlichere Team.

Wolfsburgs Fraser Hornby (links) bekommt den Ball auch nicht im Tor des 1. FC Kaiserslautern unter.
Wolfsburgs Fraser Hornby (links) bekommt den Ball auch nicht im Tor des 1. FC Kaiserslautern unter. Selim Sudheimer/Getty Images

Die Wolfsburger benötigten einige Zeit, bis sie dieser geradlinigen Robustheit etwas entgegenzustemmen hatten, doch als sie ins Spiel gefunden hatten, war auch geballte Zweitligaqualität zu sehen. Mittelfeldmann Muhammed Damar, jüngst aus Hoffenheim gekommen, zog zweimal derart scharf und platziert ab, wie das im Unterhaus nur wenige Fußballer hinbekommen – einmal konnte Kaiserslauterns Torwart Julian Krahl gerade so abwehren (30.), einmal zischte der Ball knapp am Außenpfosten vorbei (33.). Nach einem Solo von Reese verhinderte Maxwell Gyamfi spektakulär, dass Hornby freistehend einschieben konnte (35.). Wahl traf danach den Außenpfosten (42.). Überhaupt trat der VfL nun dominant und zupackend wie ein Wolfsrudel auf. Dennoch ging es ohne Tore in die Halbzeitpause.

Die Wolfsburger Dominanz war weg – und sollte nicht mehr wiederkehren

Die Wolfsburger hatten gezeigt, dass sie Qualität haben, die Frage war nun, ob sie ihr Niveau würden halten können. Und die Antwort lautete: Nein, zunächst nicht. Erneut schaffte es Kaiserslautern, die Räume so zu verdichten, dass die Heimelf nicht in die Spur fand. Anders war das bei der bis dahin wohl besten Chance des Spiels, denn da waren nur Reste der Wolfsburger Restverteidigung zu besichtigen: Nach einem Kontor tauchte Skyttä allein vor VfL-Torwart Zielinski auf, der Finne hatte viel Zeit und viel Platz – Zielinski konnte aber sehenswert parieren (55.).

Die Wolfsburger Dominanz war weg und sollte nicht mehr wiederkehren. Zielinski parierte einen weiteren Fernschuss von Ibrahim Kanaté (70.), seine Vordermänner ließen den Ball zirkulieren, ohne recht in die Vertikale zu kommen. Und VfL-Coach Strobl schickte von der prall gefüllten Wolfsburger Ersatzbank ein paar personifizierte Statements auf den Platz: Zehn-Millionen-Mann Shiogai kam genauso wie der angeschlagene Kapitän Maximilian Arnold oder der in der Vorbereitung auffällige Alessio Besio. Jener Besio bekam kurz vor Schluss immerhin einen Drehschuss hin, der aber auch eher halbgar aufs Kaiserslauterer Tor zukullerte (90.+4). Sonst passierte nicht mehr viel.

Der Aufstiegsfavorit Nummer eins wurde somit eine Wahrheit erinnert, die ihm schon in der vergangenen Saison zum Verhängnis geworden war: Geld schießt keine Tore – im blödesten Fall nicht mal sehr, sehr viel Geld.