WSM Architekten aus Pöcking im Finale: „Gute Leute muss man ködern"


Stand: 05.09.2026, 12:02 Uhr

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Pöcking,2.09.2026, Architekt Florian Wiesler

Freut sich über die Nominierung für den Wirtschaftspreis: Architekt Florian Wiesler mit Modellen der Projekte seines Büros. © Andrea Jaksch

Das Pöckinger Architekturbüro WSM gehört zu den zehn Finalisten für den Wirtschaftspreis des Landkreises Starnberg 2026. Geschäftsführer Florian Wiesler erklärt, warum Regionalität einen Mehrwert hat, nicht nur beim Preis.

Pöcking – Die WSM Architekten gehören zu den zehn Finalisten des Wirtschaftspreises Landkreis Starnberg 2026. Alle Endrundenteilnehmer wollen der Jury beweisen, dass sie getreu dem Wettbewerbsmotto „Mutmacher“ sind und wie sie „auch im Gegenwind vorangehen“. Mit der Berufung ins Finale hat der Büro-Gründer und mit Tobias Schmidt Geschäftsführer des Pöckinger Unternehmens nicht gerechnet. Umso größer ist Florian Wieslers freudige Überraschung. Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur bricht der Diplom-Ingenieur eine Lanze für die Regionalität.

Was prädestiniert die WSM Architekten für das Prädikat Mutmacher? Florian Wiesler muss nicht überlegen: „Mutmacher sind wir, weil wir unsere Leute zu motivieren versuchen, ungewöhnliche Lösungen zu suchen. Und Bauherren möchten wir motivieren, nicht nach Schema F vorzugehen, sondern sich einer besonderen Lösung zu stellen und rauszukitzeln, was möglich ist.“ Zum Beispiel statt in Stein in Holz zu bauen. Mitziehen müssten auch die am Bau beteiligten Firmen, sich an neue, bislang ungewohnte Ideen heranzuwagen und sich auf sie einzulassen. Wiesler: „Bauen ja, aber auf die sinnvolle Art, auf eine Art, die langfristig ihren Wert hat.“

Die Corona-Pandemie und deren Folgen spüre auch seine Branche, sagt der Architekt: „Aber Jahre zuvor getroffene Entscheidungen haben uns resilient gemacht gegenüber diesem permanenten Gegenwind.“ Bauherren, die abwandern wollen zu großen überregionalen Fertigbaufirmen, müsse klar gemacht werden, „hier vor Ort bekommt ihr eure Wünsche individueller erfüllt“. Die inhabergeführten Baufirmen vor Ort seien mit ihren überschaubaren 20 bis 40 Mitarbeitern flexibler bei der Umsetzung neuer und ungewöhnlicher Ideen. Nicht zu vergessen: Kurze Wege seien sinnvoll, wirkten sich auch auf die Preisgestaltung aus.

Wiesler: „Wir verlangen von unseren Generalunternehmen strikte Fertigstellungstermine und bei Nichteinhaltung Konventionalstrafen. Wenn ich damit zu einem überregionalen Player gehe, zeigt der mir den Vogel und schießt sich damit selbst aus dem Wettbewerb.“ Regionalität habe ihren Mehrwert für den Bauherren, nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Zuverlässigkeit und bei der Sauberkeit auf der Baustelle. Wiesler: „So läuft das Spiel.“

Die Berufswahl Wieslers basiert in gewisser Weise auf einer familiären Prägung. „Mein Vater ist Bauingenieur“, erklärt der Architekt. Die Mischung aus Kreativität, Kunst, Analyse, Mathematik habe ihn schon immer beschäftigt: „Dabei ist es geblieben.“ Während des Studiums hat Wiesler in verschiedenen Büros gearbeitet. Unter anderen auch in Amerika. Nach bestandenem Studienabschluss als Diplom-Ingenieur habe er zwei Jahre als Juniorpartner in einem Büro in Pöcking gearbeitet.

„1999 bin ich dann in die Selbstständigkeit gestartet“, sagt Wiesler. Zunächst als Einzelkämpfer, bevor er ein, zwei Leute um sich scharte. Sein heutiger Büropartner Tobias Schmidt sei damals als Mitarbeiter bei ihm angestellt gewesen: „Ich habe schnell gelernt, dass gute Leute nicht vom Himmel fallen, sondern dass man sie ködern muss. Deshalb habe ich ihm die Partnerschaft angeboten.“ Die funktioniere seit knapp 20 Jahren in guter Kombination: 50:50. Gemeinsam mit den Mitarbeitern, „die für uns wichtig sind und immer wichtiger werden. Denn je komplexer die Aufgaben werden, umso wertvoller ist ein stabiles Team.“

Der Schwerpunkt des architektonischen Schaffens im WSM-Büro liegt zu 80 bis 90 Prozent im Wohnungsbau. Wiesler, Schmidt und ihr Team seien immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Lösungen, wo andere möglicherweise aufgeben würden, wenn es wegen der Rahmenbedingungen schwierig werde. „Bei Einfamilienhäusern handgestrickte, individuelle Lösungen finden, darin sind wir, glaube ich, wirklich stark“, gibt sich Wiesler sicher.

Welche Objekte sind für Wiesler beispielhaft für das Wirken seines Büros? „Es sind die öffentlichen Bauten, die durchs Hintertürchen zu uns kamen“, als Beispiel nennt der Architekt die Gebäude der Peter-Maffay-Stiftung am Standort Jägersbrunn. Stolz ist er auf ein für einen langjährigen Kunden in München geplantes Fünf-Parteien-Wohnhaus in Holzbauweise. Das besteche nicht durch spektakulär große Wohnungen, im Gegenteil. „Alles ist schön organisiert und wegen der tollen Qualität mit diversen Preisen bedacht“, erklärt Wiesler.

Ein Herzensobjekt sei das geplante neue Hotel-Restaurant Forsthaus am See in Possenhofen. „Eine Idee, die man nicht sofort versteht, die man sich erarbeiten muss. Und wenn das funktioniert, ist es ein Selbstläufer“, räumt Wiesler ein. Der Bebauungsplanprozess laufe. Das Verfahren benötige seine Zeit. Von der Umsetzung der Pläne ist Wiesler überzeugt: „Das Objekt hat bereits Preise gewonnen, und es ist ein Hotelprojekt, das der Landkreis braucht.“