„Wundersame Entdeckung“: Putin schickt Kriegerheiligen-Reliquien an die Front – Kiew kontert mit Putin-Vergleich


„Wunderbare Entdeckung“: Putin instrumentalisiert mittelalterlichen Kriegerheiligen – Kiew kontert eiskalt

Stand: 24.08.2026, 14:17 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Putin schickt heilige Reliquien an die Ukraine-Front – und Patriarch Kyrill erklärt inmitten des Ukraine-Kriegs sogar die Atombombe zur gottgewollten Waffe.

Moskau – Der Ukraine-Krieg ist längst zu einem Abnutzungskrieg geworden: Tagtäglich steigen Russlands Verluste, Panzer werden zerstört und Kiew schlägt mit Drohnen tief im Landesinneren zu. Der russische Präsident Wladimir Putin sucht im Konflikt allerdings wohl die nächste Eskalation. In einem Interview mit dem Journalisten Pavel Zarubin vom Fernsehsender Vesti am 22. August betonte er, dass die russischen Streitkräfte ihren Vormarsch auf dem ukrainischen Schlachtfeld beschleunigt hätten. „Die Aktionen des Feindes haben absolut keinen Einfluss auf den Kriegsverlauf. Unsere Einheiten haben nicht nur ihren Vormarsch in alle Richtungen fortgesetzt, sondern auch das Tempo ihrer Offensivoperationen erhöht.“

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht während seines Interviews mit dem russischen Journalisten Zarubin im Kreml.

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht während seines Interviews mit dem russischen Journalisten Zarubin im Kreml. (Archivbild) © Mikhail Metzel/dpa

Die Offensive im Ukraine-Krieg könnte zudem zeitnah religiöse Unterstützung erhalten. Der Kreml plant laut Medienberichten, die sterblichen Überreste des Kriegerheiligen Dmitri Donskoi an die Front zu schicken. Dort sollen die Gebeine die Kampfmoral stärken.

Unterstützung für Putins Ukraine-Offensive: Kreml will heilige Reliquien an die Front schicken

Am 20. August besuchte Putin in der Moskauer Erzengel-Kathedrale den Sarkophag des Großfürsten Donskoi. Die sterblichen Überreste des mittelalterlichen Herrschers waren bei Restaurierungsarbeiten in einer Krypta nahe der Südwand entdeckt worden – an einer Stelle, die Historiker zuvor nicht als Grabstätte vermutet hatten. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS sprach Putin von einer „wundersamen Entdeckung“: „Das untermauert all die wichtigsten Grundlagen unserer Geschichte.“

Donskoi ist in Russland als Kriegsheld bekannt, der 1380 mongolische Truppen in der Schlacht auf dem Kulikowo-Feld besiegte. Er leitete den Bau der ersten steinernen Kremlfestung und erweiterte das Fürstentum Moskau. Andrei Batalow, stellvertretender Generaldirektor der Moskauer Kremlmuseen, erläuterte Putin vor laufender Kamera, das Skelett weise auf einen „kräftig gebauten Mann im Alter von 35 bis 40 Jahren“ hin: „Am Stirnbein befinden sich Spuren eines Schlags. Es handelt sich um eine schwere, verheilte Verletzung, von der er sich erholt hat. Sie war nicht tödlich, aber eine Kampfverletzung. Es handelt sich um einen Kriegsfürsten, das ist nun anthropologisch belegt.“

Die russisch-orthodoxe Kirche kündigte daraufhin an, Teile von Donskois Leichnam in drei Reliquiaren an verschiedene Kirchen zur Verehrung sowie an die ukrainische Front zu schicken, wo Militärgeistliche an der Seite russischer Truppen dienen. Putin nahm an den Gebeten vor Ort teil und lobte laut der Times den „glorreichen Erwerb“ der Reliquien. Wachtang Kipshidze, Sprecher des Moskauer Patriarchats, bezeichnete die Überführung in die Zone der „speziellen Militäroperation“ als „vernünftige Entscheidung“: Russische Soldaten hätten „das Bedürfnis und den Wunsch, die Reliquien des seligen Fürsten Dmitri Donskoi zu verehren“.

Wachtang Kipshidze, ein Sprecher des Moskauer Patriarchats, bezeichnete es als „vernünftige Entscheidung“, die sterblichen Überreste Donskois in die Zone der „speziellen Militäroperation“ zu überführen. Es ist unwahrscheinlich, dass dies zur Beendigung des Krieges beitragen wird“, kommentierte der ukrainische Außenminister, Andrii Sybiha, auf X. „Aber wenn Putin seinen Platz einnehmen würde, könnte es das durchaus.“

Heilige Reliquien für Offensive im Ukraine-Krieg: Patriarch macht auch Atombombe zur heiligen Waffe

Die Instrumentalisierung mittelalterlicher Symbole reiht sich in ein breiteres Muster ein. Bereits 2024 leitete Patriarch Kyrill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, einen Kongress, der zu dem Schluss kam, der Konflikt mit der Ukraine sei ein heiliger Krieg, in dem Russland auf der Seite des Guten stehe und der Westen das Böse verkörpere. Kyrill hatte zudem erklärt, „Opfer im Rahmen der Erfüllung der militärischen Pflicht“ könnten „alle Sünden tilgen“. Russische Priester segnen Waffen und Panzer, betreiben mobile Feldkapellen und sammeln Gelder für Soldatenausrüstung wie Nachtsichtgeräte.

Anfang August hatte Kyrill in einer Predigt anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung des Klosters zur Heiligendreifaltigkeit in Diwejewo auch die russische Atombombe religiös legitimiert, wie das christliche Medienmagazin Pro schreibt. Er behauptete, die Entwicklung russischer Atomwaffen sei durch Gebete des Heiligen Seraphim von Sarow ermöglicht worden. Besagter Mönch ist seit 2007 Schutzpatron der russischen Atomstreitkräfte. „Die Wissenschaftler, die hier in Sarow gearbeitet haben, haben unsere russische Atombombe entwickelt, die den Feind daran gehindert hat, Pläne zur Zerstörung und Versklavung unseres Vaterlandes umzusetzen“, erklärte Kyrill. Durch die Arbeit von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Arbeitern sei Russland „Gottes Gnade und Barmherzigkeit offenbart worden“.

Die Reaktionen auf die Reliquien-Aktion fallen gespalten aus. Propagandist Sergei Markow zeigte sich laut BR begeistert: „All diese spirituellen Bedeutungen sind sehr wichtig für das russische Volk, das zu den spirituellsten Nationen der modernen Geschichte zählt.“ Ultrapatriotische Stimmen sprachen von einem „Zeichen göttlicher Macht und einem Vorboten des russischen Sieges über die Mächte der Finsternis“. Soziologe Nikolai Mitrokin hingegen sieht darin keinen strategischen Plan: „Es handelt sich hier nicht um eine geplante Kampagne, sondern um den opportunistischen Missbrauch eines zufällig aufgetauchten religiösen Symbols.“ (Quellen: dpa, Times, BR, Christliches Medienmagazin Pro) (fbu)