Zeitumstellung führt wieder zu mehr Wildunfällen


Zeitumstellung auf Winterzeit. Symbolbild

Uhren werden zurückgestellt

Vermehrt Wildunfälle bei der Zeitumstellung

Stand: 24.10.2026 18:27 Uhr

Am Sonntag werden die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt. Für uns Menschen bedeutet das: eine Stunde länger schlafen. Wildtiere dagegen richten sich nicht nach der Uhr. Trotzdem kann die Zeitumstellung für sie und auch für Autofahrer gefährlich werden. Das sagen jedenfalls die Jäger im Lande. Sie registrieren vermehrt Wildunfälle im Straßenverkehr. Ein Jäger aus Stendal erzählt.

von Bernd-Volker Brahms, MDR SACHSEN-ANHALT

Volker Pöhl ist mit seinen beiden Jagdhunden Argan und Baron in seinem Revier im Süden von Stendal unterwegs. Es wird jetzt im Herbst wieder früher dunkel. Der Jäger stellt sich auf eine stressigere Zeit ein, auch wegen der Zeitumstellung. "Wir haben wirklich vermehrt Wildunfälle", sagt der Jäger. Das sei bei der Herbstumstellung abends der Fall. Im Frühjahr sei dies dann morgens zu beobachten.

Tiere haben einen Tagesrhythmus

Die Tiere behalten ihren gewohnten Tagesrhythmus bei. Doch mit der Zeitumstellung verändert sich der Straßenverkehr. "Das Wild hat ja keine Zeitumstellung. Die haben ihren Tagesablauf und gerade bei Rehwild, was wir hier bei uns viel haben, haben die Tiere etwa alle vier bis sechs Stunden ihren Rhythmus. Äsen – also Fressen – und Ruhen. Das heißt, sie müssen durchaus auch mal eine Straße überqueren", sagt Volker Pöhl, der bei der Jägerschaft in Stendal für die Ausbildung zuständig ist. Mit der Zeitumstellung treffen Berufsverkehr und die Aktivitätszeiten der Wildtiere häufiger aufeinander.

(S) Ein Verkehrsschild an einer Bundesstraße warnt vor Verkehrsunfällen

Auch an der B189 bei Stendal wird vor Wildunfällen gewarnt.

Volker Pöhl pachtet mit zwei anderen Jägern eine Waldfläche von 1.500 Hektar. Das entspricht einer Fläche von 2.100 Fußballfeldern. Zwei Bundesstraßen und eine Landstraße durchkreuzen die Fläche. Da sind Wildunfälle vorprogrammiert. Wie groß das Problem mit Wildunfällen grundsätzlich ist, zeigt ein Blick auf die Unfallstatistik der Polizei. 2025 gab es mehr als 70.700 Unfälle landesweit. Davon waren fast 14.600 mit Wildbeteiligung. Das sind rund 20 Prozent der Unfälle. Dabei wurden 143 Menschen verletzt. Tote gab es nicht.

Ab 21 Uhr werden vermehrt Unfälle registriert

Ob die Zahl der Wildunfälle unmittelbar nach der Zeitumstellung steigt, wird von der Polizei allerdings nicht gesondert erfasst. "Was wir aber sagen können, ist, dass wir davon ausgehen, dass die Wildunfälle vorwiegend mit den Licht- und Sichtverhältnissen zusammenhängen, wie mit dem verschobenen Einsetzen der Dämmerung beispielsweise", sagt Kim Marise Krumbach von der Polizeiinspektion Stendal.

Dazu komme auch das bei Wildtieren spezifische Verhalten in der Brunft- und Paarungszeit. "Was wir für uns in der Polizeiinspektion Stendal erkennen konnten, war, dass im Jahr 2025 die meisten Wildunfälle zwischen 5 und 8 Uhr morgens oder abends zwischen 21 und 23 Uhr stattgefunden haben", erklärt Krumbach.

Was bedeutet Zeitumstellung?

Die gemeinsame Zeitumstellung wurde in der damaligen EG (heute EU) ebenso wie in der DDR 1980 eingeführt. Anfangs galt die Sommerzeit von Ende März bis Ende September. Vorgebliches Ziel der halbjährlichen Zeitumstellung war, Energie zu sparen – inzwischen ist es allgemeiner Konsens, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. Im Interesse eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes wird dennoch an ihr festgehalten. Seit 1996 werden EU-weit einheitlich am letzten Sonntag im März und im Oktober die Uhren umgestellt.

Ob Zeitumstellung oder schlechte Sicht: Für Jäger wie Volker Pöhl bedeuten Wildunfälle zusätzliche Arbeit. Oft werden sie mitten in der Nacht gerufen, wenn ein Tier angefahren wurde. "Man weiß oft nicht, was auf einen zukommt. Darum habe ich dann alles dabei, von meinen Hunden über Waffen bis zu einer Wildwanne", sagt Volker Pöhl. "Mitunter ist das Tier schon verendet, mitunter muss man es eben noch mit der Waffe oder dem Messer abfangen, also erlösen." Der Jäger hofft, dass er nicht zu oft herausgerufen wird, denn dann kann er sich um seine übrigen Reviergänge kümmern.

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