Zimmerergeselle kehrt nach über 5 Jahren weltweiter Wanderschaft zurück
Stand: 14.07.2026, 06:03 Uhr
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Der 25-Jährige Jorge Pries aus Tolk hat jeden Kontinent bereist. Am 25. Juli klettert er über das Ortsschild in seine Heimat – und gräbt eine Flasche Schnaps aus.
Treysa – Jorge Pries heißt der 25-jährige Zimmerergeselle, dessen über fünfeinhalb Jahre dauernde Wanderschaft in dieser Woche bei der Firma Lambrecht-Holzbau in Schwalmstadt-Treysa zu Ende ging. In dieser Zeit hat er jeden Kontinent bereist. Nur in der Antarktis sei er nicht gewesen, schildert Pries.
Jorge Pries stammt aus Tolk, einem Ort in der Nähe von Schleswig. Von dort ist er im November 2020 als 19-Jähriger aufgebrochen. Er hat der Tradition entsprechend eine Flasche Schnaps vergraben und ist dann über das Ortsschild geklettert.
Heimatort umgibt einen Bannkreis von 50 Kilometern
Um den Heimatort des Gesellen liegt für die Zeit der Wanderschaft ein Bannkreis von 50 Kilometern, den er nicht betreten darf.
Nach seiner Motivation gefragt, berichtet Pries, er hätte von dieser Möglichkeit das erste Mal während seiner Lehre gehört, auch hätte ein Geselle immer wieder von seiner Wanderschaft erzählt und ihn mitgenommen zu Treffen der Gesellen.
Der Austausch habe Pries gefallen und die Möglichkeit, Reisen und Beruf zu verbinden. Pries gehört der Gesellenvereinigung der „Rechtschaffenen Fremden Zimmerer und Schieferdeckergesellen“ an, zu erkennen an der schwarzen Ehrbarkeit (Krawatte). In der Gesellenvereinigung, auch Schacht genannt, bleibe man ein Leben lang, erklärt Pries, werde nach der Rückkehr allerdings zum „Einheimischen“.
Mit leichtem Gepäck ging es auf Reisen
Pries reist mit leichtem Gepäck. Er hat eine Kluft, die traditionelle Kleidung der Gesellen, zum Arbeiten dabei und eine zum Ausgehen, außerdem einen Schlafsack sowie eine Kamera, denn Handys sind auf der Walz verboten.
Man sei auf die Leute angewiesen. Unterwegs ist man zu Fuß oder per Anhalter. Die Unterkunft erfolge über die Betriebe. Pries berichtet, ihm gefalle die Freiheit und die Spontanität. Es gelte der Spruch „Wer Pläne macht, wird ausgelacht“.
Dementsprechend spontan sei auch die erste Auslandsreise nach Brasilien gewesen. Zu der Zeit war Pries bereits ein Jahr unterwegs. Üblicherweise bleibe man im ersten Jahr im deutschsprachigen Raum, berichtet er.
Überall wurde er herzlich aufgenommen und war willkommen
Seinerzeit war Pries mit drei weiteren Gesellen unterwegs. Aufgrund von Corona sei das Reisen nicht einfach gewesen. Sie hätten am Frankfurter Flughafen nach dem billigsten Flug nach Südamerika gefragt und seien so nach Brasilien gekommen.
Dort hätten sie die erste Nacht in einem Hostel verbracht, dann habe sie ein dort lebender Däne, der schon einmal Gesellen bei sich hatte, aufgenommen und sie seien eine Woche bei ihm untergekommen.
Überhaupt sei er überall sehr positiv aufgenommen worden. Im Ausland hätte das deutsche Handwerk einen sehr hohen Stellenwert. Egal, wo er gewesen sei, gefühlt sei ihm der rote Teppich ausgerollt worden.
Die Wanderschaft ist eine Lebensschule
Dabei mache sicher auch seine Kluft viel aus, so würden ihn auch Menschen mitnehmen, die eigentlich keine Anhalter mitnehmen. Oft werde er allerdings mit einem Schornsteinfeger verwechselt.
Pries betrachtet seine Wanderschaft als Lebensschule. Als Junge gehe man von zu Hause los, als Mann komme man wieder. Jorge Pries trägt sein Wanderbuch bei sich. Es dient den Wandergesellen als Ausweis und Arbeitszeugnis. Auch die Stempel der Rathäuser hat Pries darin gesammelt.
Joachim Rudewig von der Firma Lambrecht hat auch etwas dort eingetragen. Zwei Wochen hat Jorge Pries für die Heimreise eingeplant.
Zunächst geht es von Treysa zu einem Treffen nach Hamburg und von dort in der letzten Woche mit Begleitung zurück nach Tolk. Am 25. Juli will er dort ankommen. Wie es der Tradition entspricht, wird er wieder über das Ortsschild klettern und dann die Flasche Schnaps ausgraben. (Katharina Eisenach)