Fünf Jahre nach der Flut: Als Velbert-Langenberg plötzlich unter Wasser stand


30 Minuten im Juli 2021 haben das Leben in Langenberg mehr geprägt, als viele andere Ereignisse davor oder danach – und sie haben neben großen Zerstörungen auch Hoffnung gebracht.

Es ist der 14. Juli und es regnet. Und regnet. Und regnet. Hardenberger Bach und Deilbach führen schon viel Wasser, über die vielen kleineren Bäche strömt noch mehr die Langenberger Hügel hinab. Und dann treffen die Wassermaßen auf das eingeengte Bachbett der Altstadt.

Hochwasser Langenberg

Nicht nur in der Altstadt von Velbert-Langenberg, auch im Ortsteil Nierenhof standen im Juli 2021 Straßen unter Wasser.© Stephan Simmet | Stephan Simmet

Keller, Tiefgarage – alles läuft voll

Ruckzuck ist der Froweinplatz überspült, die Tiefgarage und zahlreiche Keller laufen voll. In der Märkischen Straße wird das Kopfsteinpflaster weggerissen, die Häuser stehen teilweise bis zur Unterkante des Obergeschosses unter Wasser. Betroffen sind auch Teile der Kamper Straße.

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Der Strom ist in den überfluteten Bereichen weg, die Fellerstraße wird unterspült, zwei Brücken gehen kaputt und auch in Nierenhof steigt das Wasser besonders im Grünen Winkel und am Grenzweg. Mehrere Personen muss die Feuerwehr aus ihren Autos befreien, in Nierenhof wird ein Haus evakuiert.


Der Sportplatz Uferstraße ist 2021 auch überspült worden. Inzwischen ist er stillgelegt und wird nicht mehr genutzt.

Der Sportplatz Uferstraße ist 2021 auch überspült worden. Inzwischen ist er stillgelegt und wird nicht mehr genutzt.© Langenberger SV | Markus Adolphs

Hochwasser Langenberg

Boban Trajonowski beginnt nach dem Hochwasser am 15. Juli 2021 mit den Aufräumarbeiten.© FUNKE Foto Services | Ulrich Bangert

Erst das Wasser, dann Schlamm und Müll

Doch genauso schnell, wie es gekommen ist, ist das Wasser auch wieder weg. Was bleibt: Schlamm und Müll, tonnenweise Müll. Und es beginnt das Kapitel des Hochwassers, das Mut macht. Denn eine weitere Welle erfasst Langenberg – eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Bereits am Donnerstagmorgen sind die ersten Freiwilligen da, in den sozialen Medien bieten viele Menschen ihre Hilfe an. Die Stadt richtet auf ihrer Homepage eine eigene Infoseite ein, verschiedene Organisationen richten Sammelstellen für Spenden ein.

Unterspültes Gleis der S 9

Die Flut unterspült auch die Bahngleise der Strecke zwischen Essen-Steele und Wuppertal-Vohwinkel. Es dauert lange, bis hier wieder Züge rollen.© FUNKE Foto Services | Ulrich Bangert

Hochwasser Langenberg

So hoch stand das Wasser am 15. Juli 2021 im Shaolin-Trainingszentrum von Thomas Malz an der Vogteier Straße. Auch er ist mittlerweile umgezogen, bietet seine Kurse nun an der Bökenbuschstraße an.© FUNKE Foto Services | Ulrich Bangert

Hilfe kommt aus ganz Velbert

„Überwältigend, einfach Gänsehaut“, versucht Arndt Schiller vom „Alt-Langenberg“ in Worte zu fassen, wie sich die Hilfsbereitschaft für ihn anfühlt. „Eine ältere Dame stand in Gummistiefeln und mit einer Schippe hier, gemeinsam mit ihrem Enkel. Das war einfach toll.“

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„Wie bei den Heinzelmännchen“, beschreibt Carina Bongardt den Einsatz der Freiwilligen. „Da kamen Leute aus ganz Deutschland, die kannten sich vorher gar nicht. Manche haben sich sogar extra Urlaub genommen.“ Und wer nicht mit anpacken kann, hilft anders – bringt Getränke, grillt, backt Kuchen.

Hochwasser Langenberg

Die Tiefgarage am Froweinplatz lief bei dem Unwetter voll. Die Sanierung zog sich anschließend über Jahre.© FUNKE Foto Services | Ulrich Bangert

Flut Froweinplatz

Wie groß die Wucht des einströmenden Wassers gewesen ist, zeigt dieses Bild: Die stabile Metalltür ist komplett verbogen.© VGV | VGV

Lob für TBV, Stadtwerke und freiwillige Helfer

Lob gibt es von den Betroffenen aber nicht nur für die freiwilligen Helferinnen und Helfer, sondern auch für die, die beruflich im Dauereinsatz sind. „Die Jungs von den Technischen Betrieben haben gearbeitet, bis sie nicht mehr konnten“, ist WAZ-Leserin Jasmin Freyer beeindruckt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtwerke Velbert sind auch fast rund um die Uhr vor Ort, damit die Häuser wieder Strom haben, damit Anschlüsse wieder funktionieren. Feuerwehr, Polizei und Rettungssanitäter sind ebenfalls gefordert – ein Einsatz, für den die Betroffenen unglaublich dankbar sind.

zerstörte Brücke über den Deilach

Die Brücke zwischen der Deilbachstraße auf Velberter Gebiet und dem Deilbachweg in Hattingen ist durch das Hochwasser am 15. Juli 2021 zerstört worden.© FUNKE Foto Services | Ulrich Bangert

Freiwillige Helferinnen und Helfer aus ganz Velbert rücken in den Tagen nach dem Hochwasser nach Langenberg aus. Hier macht eine Gruppe gerade Pause am Langenberger Bahnhof.
 

Freiwillige Helferinnen und Helfer aus ganz Velbert rücken in den Tagen nach dem Hochwasser nach Langenberg aus. Hier macht eine Gruppe gerade Pause am Langenberger Bahnhof.  © Jennifer Jäckel

Diese Hilfsbereitschaft zeigt sich aber auch anders – die Grenzen des Stadtbezirks übergreifend. Denn die evangelische Gemeinde Langenberg richtet ein Spendenkonto ein (Bürgerstiftung). Innerhalb kürzester Zeit kommen dort mehrere hunderttausend Euro zusammen. Knapp drei Wochen nach der Überflutung beginnt die Bürgerstiftung mit der Auszahlung der Hilfen.