Zahl der Betroffenen vervierfacht: Warum Millionen britische Rentner jetzt Steuern auf Zinsen zahlen
Zinsfalle trifft auch Deutsche: Millionen britische Rentner zahlen jetzt Steuern auf Zinsen
Stand: 14.08.2026, 13:37 Uhr
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Was für Sparer lange positiv klang, wird für viele Rentner zur Steuerfalle. Höhere Zinsen bringen nun Millionen Menschen über die Freigrenzen.
Berlin/London – Die Europäische Zentralbank (EZB) hob im Juni erstmals seit 2023 wieder ihre Leitzinsen an. Für Sparer sind das gute Nachrichten, denn die Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten stiegen. Für manche könnte das allerdings auch bedeuten, dass sie plötzlich Steuern auf einen Teil ihrer Erträge zahlen müssen. Denn während die Sparzinsen steigen, bleiben die Freibeträge gleich. Wie stark sich höhere Zinserträge auf Steuern auswirken können, zeigen auch Daten des Bundesfinanzministeriums. Die Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge war im Haushaltsjahr 2024 um über 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

In der Erklärung des Bundesfinanzministeriums selbst hieß es dazu: „Dies dürfte primär auf kräftig gestiegene Erträge aus verzinsten Geldanlagen zurückzuführen sein.“ Ob Sparer tatsächlich Steuern auf Zinserträge zahlen, hängt von der Höhe ihrer Einlagen, dem Zinssatz und den sich daraus ergebenden Erträgen ab. In Deutschland sind Kapitalerträge bis zu 1000 Euro pro Person oder bei gemeinsam veranlagten Paaren 2000 Euro steuerbefreit. Darüber wird ein Steuersatz von 25 Prozent fällig, hinzukommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer.
Rentner geraten stärker ins Visier des Fiskus
Blickt man auf die Daten der Bundesbank, zählen in Deutschland Menschen von 65 bis 74 Jahren zur vermögendsten Gruppe. Auch bei den Einlagen auf Sparkonten haben 65- bis 74-Jährige den höchsten Wert (48.700 Euro). Zum Vergleich kommen 55- bis 64-Jährige im Mittelwert auf 40.200 Euro und 45- bis 54-Jährige auf 29.100 Euro. Der Blick nach Großbritannien zeigt ein ähnliches Bild. Laut Zahlen der britischen Steuerbehörden HMRC müssen mehr als zwei Millionen britische Rentner in diesem Jahr Steuern auf ihre Ersparnisse zahlen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2022/2023 waren es noch rund eine halbe Million. Das ermittelte der Analyst Andrew Wright von der Paragon Bank, die die Daten durch das Informationsfreiheitsgesetz erhielt. „Höhere Zinsen waren positiv für Sparer, da sie ihnen halfen, mehr aus ihrem Geld zu machen, aber sie haben auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Spargrenze überschritten wird“, kommentiert er gegenüber dem Telegraph. Der Experte ergänzte: „Der Sparerfreibetrag ist unverändert geblieben, sodass mit steigenden Einkommen und Sparzinsen immer mehr Menschen in das Steuersystem geraten.“
Unterm Strich bedeuten höhere Zinsen aber dennoch mehr Erträge für Sparer, auch wenn sie plötzlich Steuern zahlen müssen. Denn die Steuern werden nur auf Erträge über dem Freibetrag fällig. Wer beispielsweise 30.000 Euro auf einem Festgeldkonto anlegt und dafür drei Prozent Effektivzins erhält, liegt mit 900 Euro Zinserträgen noch immer unter dem Freibetrag in Deutschland. Bei 35.000 zu drei Prozent Zinsen wären die Erträge 1050 Euro – und davon also 50 Euro steuerpflichtig. (Quellen: Telegraph, Bundesbank, EZB) (bme)