Das Sparbuch bleibt, die Wertpapiere kommen
Sparstudie
Das Sparbuch bleibt, die Wertpapiere kommen
Die Österreicher sparen gerne, wenn sie können. Die Sparquote sinkt, zeigt eine aktuelle Umfrage. Aktiensparen gewinnt an Beliebtheit, Gold ebenso
Bettina Pfluger
Die Bedeutung des Sparens hat in Österreich zugenommen. 83 Prozent der Österreicher sagen, dass Sparen im Vorjahr für sie wichtiger geworden ist. Im Vorjahr lag diese Quote noch bei 80 Prozent, wie eine Umfrage der Erste Bank zeigt. Vor allem die Jungen empfinden Sparen als besonders wichtige. Mehr als 90 Prozent der Gen Z sagt demnach, dass Sparen für sie ein wichtiger Faktor ist.
33 Prozent der Österreicher geben aber an, dass ihnen am Ende des Monats nichts mehr übrig bleibt zum Sparen. Das sind um vier Prozent mehr als im Vorjahr.
Sparquote sinkt
Das zeigt sich auch in der aktuellen Sparquote, die auf 8,7 Prozent gesunken ist (2025: 10,0 Prozent). Auch der Betrag, der monatlich gespart werden kann, sinkt. Inflationsbereinigt liegt dieser Wert am Niveau vom Jahr 2016. 306 Euro werden im Schnitt pro Monat gespart. Bei diesem Punkt zeigt sich allerdings ein großer Gender-Gap: Männer sparen im Schnitt 384 Euro pro Monat, Frauen 227 Euro. Frauen legen damit um 40 Prozent weniger auf die Seite als Männer.
Einen interessanten Aspekt hebt Erste-Bank-Österreich-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller hervor. Denn im Jahr 2016 waren die Menschen mit dem, was sie zur Seite legen können, noch zufrieden (50 Prozent), heute sagt das nur noch ein Drittel der Befragten.
Sicherheit überwiegt
Warum sparen die Menschen? Die Sicherheit führt das Ranking an. Der Notgroschen hat mit 91 Prozent (Vorjahr 84 Prozent) weiter zugelegt und ist auf Platz eins. Absicherung/Vorsorge und finanzielle Unabhängigkeit belegen die Plätze zwei und drei. Unterschiede bei den Motiven gibt es beim Alter. 61 Prozent der Gen Z sparen für eine spätere Immobilienfinanzierung.
Dass auch kleine Beträge beim Sparen Sinn machen, dem stimmen 90 Prozent der Menschen zu. Doch bei der Frage, wo gespart wird, gibt es Optimierungspotenzial, sagt Maximilian Clary und Aldringen, Privatkundenvorstand der Erste Bank. Denn jeder Zweite spart am Girokonto. "Das ist jedoch eine vergebene Chance", sat Clary. Auch beim Sparen sollte man sich drei Fragen stellen: Welches Geld benötige ich kurzfristig (Notgroschen), wofür spare ich mittelfristig und wofür langfristig? Bei letzterem sollte an eine Veranlagung gedacht werden. Viele jüngere haben Geld auch noch zu Hause, etwa in Form von Goldmünzen.
Wertpapiere holen auf
Sparbuch, Sparkonto und Sparkarte überwiegen beim Sparen mit 79 Prozent. Wertpapiere haben mit 40 Prozent aber bereits das Bausparen (34 Prozent) überholt. Auch Gold steigt in der Beliebtheit, was laut Clary auch an den zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten liegt.
Jeder zweite Anleger nutzt mittlerweile ETFs. Dieser Wert ist auf 50 Prozent gestiegen (2025: 38 Prozent). Mit dieser Anlageform ist es auch möglich, mit kleinen Beträgen in Aktien anzusparen. Bei den Produkten der Erste Bank ist ein Einstieg in einen ETF-Sparplan ab zehn Euro möglich. "Wir sehen immer mehr junge Menschen, die über diesen Weg in den Kapitalmarkt gehen", sagt Clary. Ein Blick auf die Umfragedaten zeigt: 72 Prozent der Gen Z geben an, ETFs zu nutzen – im Vorjahr waren es 59 Prozent.
Ein Unterschied zeigt sich auch hier zwischen Männern und Frauen: Der Risikoappetit ist bei Männern größer. So nutzen 48 Prozent der Männer Wertpapiere für ihre Vorsorge, bei den Frauen sind es 32 Prozent.
Vorsorgen für Kinder
Ansparen für Kinder bekommt einen immer höheren Stellenwert. Auch hier dominieren noch die klassischen Produkte. Einfach, flexibel und kostengünstig sollte so ein Produkt sein, zeigt die Umfrage. Holzinger-Burgstaller verweist hier auf das von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) angedachte Zukunftsdepot. Mit diesem soll gebührenbefreit in Wertpapiere angespart werden können. Bis zum 18. Lebensjahr des Kindes ist die Entnahme des Geldes von der Wertpapier-Kest befreit. Derzeit laufen laut Holzinger-Burgstaller intensive Gespräche zur Vorbereitung. Die Erste Bank sei jedenfalls "ready to go" und werde das Produkt auch anbieten.
In der Produktgruppe der Bank gibt es derzeit das Generationendepot, mit dem ebenfalls für Kinder am Kapitalmarkt angespart werden kann. Ein Erwachsener kann dieses Depot eröffnen und sowohl Begünstigten als auch Übergabezeitpunkt bestimmen. Es gibt jedoch keinen Steuervorteil, die Wertpapier-Kest fällt also an. Dennoch glaubt Holzinger-Burgstaller nicht, dass das Zukunftsdepot das Generationendepot ablösen wird. "Beim Generationendepot können höhere Beträge angelegt werden und es ist nicht auf die Altersphase von 0-18 Jahre beschränkt", hebt Holzinger-Burstaller die Unterschiede hervor. Es werde auch überlegt, ob man beide Depots verbinden wird können.
Beide Bank-Experten betonen, dass eine möglichst frühe Einbeziehung der Kinder in die Themen Geld und Kapitalmarkt wichtig sei. Es werde immer wichtiger zu überlegen, was man mit seinem Geld macht, das man zurücklegen kann. "Geld braucht einen Plan", fasst Holzinger-Burgstaller zusammen. Je früher man mit einer Veranlagung beginne, desto mehr könne man den Zinseszinseffekt ausnützen, fügt Clary hinzu.
Der Weltspartag am 30. Oktober ist für ein Viertel der Befragten nach wie vor ein Grund für einen Besuch in der Bankfiliale. Der Sparefroh wird heuer 70 Jahre alt und bleibt neben dem Sparschwein das wichtigste Symbol für Sparer. (Bettina Pfluger, 13.10.2026)
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