Pflegeheim kostet Tausende – ein Deckel soll helfen, aber Verbände fordern viel mehr
1500-Euro-Deckel für Eigenanteil beim Pflegeplatz? SoVD begrüßt SPD-Idee, aber fordert mehr
Stand: 11.09.2026, 13:16 Uhr
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Explodierende Heimkosten treiben viele Familien in die finanzielle Enge. Ein vorgeschlagener Kostendeckel soll nun Entlastung bringen – doch entscheidende Posten bleiben dabei außen vor.
Frankfurt – Wer auf stationäre Hilfe angewiesen ist, steht oft vor einer enormen finanziellen Hürde. Im ersten Aufenthaltsjahr zahlen Pflegebedürftige bundesweit mittlerweile durchschnittlich 3364 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Diese Summe deckt längst nicht nur die reine Betreuung ab, sondern umfasst auch Unterkunft, Verpflegung sowie Investitions- und Ausbildungskosten der Betreiber. Um Angehörige vor der dauerhaften Überlastung zu schützen, liegt nun ein politischer Vorstoß zur Kostenbegrenzung auf dem Tisch. Dieser hat allerdings einen wesentlichen Haken.

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) wirbt für einen Deckel von 1500 Euro beim pflegebedingten Eigenanteil. Sie hält die Begrenzung im bestehenden Versicherungssystem für finanzierbar. Sozialverbände begrüßen den Vorstoß grundsätzlich – sehen darin aber nur eine Übergangslösung. Ihre Forderung geht deutlich weiter.
Pflegeheim-Kosten steigen weiter: Frankfurt bundesweit auf Spitzenplatz
Nach einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen mussten Bewohnerinnen und Bewohner zum 1. Juli 2026 im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt 3364 Euro monatlich aus eigener Tasche zahlen. Das waren 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als im Juli 2025.
Die Belastung fällt regional unterschiedlich aus. Am höchsten war der Eigenanteil im ersten Heimjahr in Bremen mit durchschnittlich 3761 Euro im Monat. Im Saarland waren es 3695 Euro, in Baden-Württemberg 3657 Euro. Am niedrigsten lag der Durchschnitt in Sachsen-Anhalt bei 2891 Euro.
Besonders drastisch stellt sich die Lage in Hessen dar: Während der landesweite Median bei 2863 Euro liegt, gehört die Metropolregion Frankfurt am Main zu den teuersten Pflastern der Republik. Mit einer monatlichen Eigenbeteiligung von durchschnittlich 3540 Euro belegt Frankfurt bundesweit Platz sechs unter allen 400 Kreisen und kreisfreien Städten. Auch in Nachbarstädten wie Wiesbaden zahlen Heimbewohner mit knapp 3092 Euro monatlich spürbar mehr als im Landesschnitt. Die hohen Summen führen dazu, dass in Frankfurt allein rund 1800 Heimbewohner auf Unterstützung des Sozialamts angewiesen sind, weil die Rente für die Zuzahlungen nicht ausreicht.
Einen einheitlichen Preis für einen Heimplatz gibt es nicht. Die Kosten setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: dem Eigenanteil für Pflege und Betreuung, den Ausgaben für Unterkunft und Essen sowie den Investitionskosten. Hinzu kommen können Umlagen für die Ausbildung von Pflegekräften.
Was der 1500-Euro-Deckel leisten soll
Rehlingers Vorschlag bezieht sich auf den pflegebedingten Eigenanteil – nicht auf die gesamte monatliche Rechnung. Unterkunft und Verpflegung sowie Investitions- und Ausbildungskosten müssten Pflegebedürftige demnach weiterhin selbst tragen.
„Reformen müssen das Leben von Menschen verbessern“, sagte Rehlinger der Funke Mediengruppe. Eine Begrenzung auf 1500 Euro könne Pflegebedürftige und ihre Angehörigen vielfach massiv entlasten. Sie bezeichnete den Vorschlag als möglichen Bestandteil eines größeren Reformpakets.
Wie hoch der pflegebedingte Eigenanteil ausfällt, hängt unter anderem vom jeweiligen Pflegeheim und den dort vereinbarten Kosten ab. Die Pflegeversicherung übernimmt dabei anders als die Krankenversicherung nicht sämtliche Ausgaben. Genau hier setzt der Vorschlag für einen Deckel an.
Deckel beim Eigentanteil gut, aber nicht genug: SoVD fordert Pflegevollversicherung
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) bewertet eine Begrenzung grundsätzlich positiv. Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sagt der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media, ein Höchstbetrag von 1500 Euro wäre ein Schritt in die richtige Richtung und könne Pflegebedürftige vor weiter steigenden Eigenanteilen schützen.
Nach ihrer Einschätzung würde ein solcher Deckel vor allem Menschen mit kürzeren Heimaufenthalten entlasten. Denn die Pflegekassen zahlen bereits heute Zuschüsse, die mit der Aufenthaltsdauer steigen. Dadurch sinkt der pflegebedingte Eigenanteil im Laufe der Zeit: Nach dem ersten Jahr liegt er laut Engelmeier im Bundesdurchschnitt bei rund 1462 Euro, ab dem vierten Jahr bei etwa 522 Euro.
Langfristig fordert der Verband eine Pflegevollversicherung. Sie soll sämtliche pflegebedingten Kosten als reguläre Versicherungsleistung übernehmen. Zusätzlich müssten die Länder nach Ansicht des Sozialverbands Deutschland die Investitions- und Ausbildungskosten finanzieren, statt diese den Pflegebedürftigen aufzubürden.
Zuschüsse senken nicht die gesamte Heimrechnung
Die Zuschüsse der Pflegekassen richten sich nach der Dauer des Aufenthalts. Im ersten Jahr wird der Eigenanteil für die reine Pflege dadurch um 15 Prozent reduziert, im zweiten Jahr um 30 Prozent, im dritten Jahr um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.
Diese Staffelung kann die pflegebedingte Eigenbeteiligung mit zunehmender Aufenthaltsdauer senken. Die übrigen Kosten eines Heimplatzes bleiben davon jedoch unberührt. Deshalb kann die Gesamtbelastung auch nach längerer Aufenthaltsdauer hoch bleiben – selbst wenn der pflegebedingte Anteil zurückgeht.
Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßt eine Begrenzung der reinen Pflegekosten. Vorstand Eugen Brysch betonte zugleich, dass Bewohner weiterhin für Unterkunft, Verpflegung und zusätzlichen Komfort aufkommen müssten. Die Länder könnten nach seiner Einschätzung bei den Investitions- und Ausbildungskosten bereits unabhängig von einer Pflegereform entlasten.
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Pflegereform soll über Entlastung entscheiden
Die schwarz-rote Koalition arbeitet an einer Reform der Pflege. In der Debatte stehen damit nicht nur die steigenden Eigenanteile, sondern auch die Frage, wer die verschiedenen Kosten eines Heimplatzes künftig tragen soll.
Der 1500-Euro-Deckel könnte den pflegebedingten Eigenanteil begrenzen. Eine vollständige Lösung für die Heimrechnung wäre er jedoch nicht. Für Pflegebedürftige und ihre Familien hängt deshalb entscheidend davon ab, ob die Reform nur eine Obergrenze festlegt – oder die Finanzierung der stationären Pflege grundsätzlicher neu ordnet. (Quellen: Ndr.de, Sueddeutsche.de, eigene Recherche) (str)