Actioncams: Gopro soll in KI und Rüstung expandieren - Golem.de
Für Gopro-Besitzer soll sich durch eine Fusion zunächst nichts ändern, langfristig will die Firma aber weit über Actioncameras hinauswachsen.
Der kalifornische Kamerahersteller Gopro bekommt einen neuen Mehrheitseigentümer. Das Unternehmen fusioniert mit der US-Firma Starman Optical, die anschließend rund 90 Prozent der gemeinsamen Firma kontrollieren soll. Für Kunden soll sich zunächst wenig ändern: Gopro will seine Kameras, Abonnements und Clouddienste weiterführen und auch neue Consumer-Produkte entwickeln.
Langfristig dürfte sich Gopro allerdings verändern. Aus dem vor allem für Actioncameras bekannten Hersteller soll ein breiter aufgestelltes Optik- und Imaging-Unternehmen werden.
Geplant sind laut Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) unter anderem Geschäfte mit KI-Rechenzentren, Behörden sowie der Rüstungs-, Robotik- und Raumfahrtindustrie. Gopro will dafür seine Erfahrung mit Kameras und Optik sowie ein Portfolio von mehr als 2.500 US-Patenten nutzen.
Starman Optical ist bislang wesentlich unbekannter als Gopro. Das US-Unternehmen beschäftigt sich mit Photonik und produziert optische Transceiver. Solche Komponenten wandeln elektrische Signale in Lichtsignale und zurück und werden unter anderem für schnelle Glasfaserverbindungen in KI-Rechenzentren benötigt.
Nach der Fusion sollen die Transceiver zum Produktportfolio von Gopro gehören. Gemeinsam wollen die Unternehmen außerdem mehr entsprechende Technik in den USA produzieren.
Kursexplosion nach Youtuber-Einstieg
Finanziell ist der Deal ungewöhnlich konstruiert. Starman zahlt den bisherigen Gopro-Aktionären insgesamt 285 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1,14 US-Dollar je Aktie. Zusätzlich behalten die bisherigen Anteilseigner zusammen rund 10 Prozent am fusionierten Unternehmen. Gopro soll weiterhin an der Nasdaq notiert bleiben.
Für Gopro ist der Deal auch eine finanzielle Rettungsaktion. Beim Abschluss der Fusion sollen rund 92 Millionen US-Dollar Schulden zurückgezahlt werden. Der Hersteller kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und starker Konkurrenz, insbesondere durch chinesische Anbieter wie DJI und Insta360. Im Juni warnte Gopro sogar vor Zweifeln, ob das Unternehmen ohne zusätzliche Finanzierung dauerhaft fortgeführt werden könne.
Was ist das mit dem Gaming-Youtuber?
Kurios ist das Timing. Unmittelbar vor der Bekanntgabe der Fusion sorgte der Einstieg des als Markiplier bekannten Youtubers und Filmemachers Mark Fischbach für Aufsehen. Fischbach hatte erklärt, er halte Gopro für unterbewertet.
Die Nachricht über seinen Einstieg ließ den Aktienkurs bereits kräftig steigen. Gopro hatte allerdings schon seit Mai öffentlich erklärt, strategische Optionen einschließlich eines Verkaufs oder einer Fusion zu prüfen.
Der Verwaltungsrat von Gopro und Starman hat der Fusion bereits zugestimmt. Die Gopro-Aktionäre und die zuständigen Behörden müssen den Deal allerdings noch genehmigen. Der Abschluss ist bis Ende 2026 geplant.
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