„AfD von Macht fernhalten“: Linken-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt macht CDU brisantes Angebot
Stand: 12.08.2026, 14:33 Uhr
Linken-Spitzenkandidatin von Angern will eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt verhindern. Notfalls durch Unterstützung der CDU, wie sie dem Münchner Merkur jetzt sagte.
Magdeburg – Dieses Angebot sorgt in der CDU wohl für gemischte Gefühle: Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September stellt die Linke klar, dass sie bereit ist, eine AfD-Regierung zu verhindern – notfalls auch durch Unterstützung des amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern äußerte sich dazu nun exklusiv gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media.

Im Fokus der Öffentlichkeit ist die Debatte spätestens seit dem ZDF-Sommerinterview des Co-Bundesvorsitzenden der Linken, Luigi Pantisano. Er hatte darin eine Wahl von CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze zum Ministerpräsidenten durch die Linke nicht ausgeschlossen: „Es geht darum, zu verhindern, dass eine rechtsextreme Partei an die Macht kommt“, sagte er, und erinnerte daran, dass die Linke in den vergangenen Jahren in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wiederholt Verantwortung übernommen habe.
„Auftrag unserer Wähler“: Linken-Kandidatin für Sachsen-Anhalt hält Tür zur CDU offen
Die Linken-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, stimmt auf Anfrage des Münchner Merkur dieser Aussage des Linken-Parteichefs zu. Pantisano habe damit „den Beschluss des Potsdamer Bundesparteitags“ bekräftigt, so die 49-jährige Juristin. „Wir sehen es als Auftrag unserer Wähler, die Garantin dafür zu sein, dass die AfD von den Schalthebeln der Macht ferngehalten wird“, stellt Eva von Angern klar. Nach der Landtagswahl werde der Landesverband entscheiden, „welche Verantwortung konkret zu tragen ist“. Davor kämpfe man „um jede Stimme für die Linke“.
Linken-Parteichef Pantisano schlug kürzlich noch ganz andere Töne an: Noch vor ein paar Wochen sah er auf dem Linken-Parteitag „keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst“. Später entschuldigte er sich für diese Aussage. Nun will er offenbar sogar mit der CDU kooperieren, um einen AfD-Ministerpräsidenten mit dem Namen Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt zu verhindern.
Für CDU wäre Zusammenarbeit mit der Linken in Sachsen-Anhalt eine Herausforderung
Nicht nur für die Linke, auch für die CDU ist eine Zusammenarbeit mit der Linken eine Herausforderung: Denn in der CDU gilt nicht nur ein Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der AfD, sondern auch gegenüber der Linkspartei. Dies ist ein Parteitagsbeschluss der Bundes-CDU von 2018, dem sich die CDU in Sachsen-Anhalt 2019 anschloss.
„Eine institutionelle und strategische Zusammenarbeit mit der AfD oder den Linken wird es nicht geben“, verkündete seinerzeit der Landesvorstand in Sachsen-Anhalt. Dies könnte jetzt allerdings schlicht an der Realität scheitern: Umfragen zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt sehen die AfD in dem Bundesland mit 41 Prozent weit vorn. Die CDU kommt auf 24 Prozent, die Grünen könnten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, im Extremfall sogar die SPD.
Es ist also mehr als fraglich, ob die Stimmen von CDU, SPD und Grünen für eine Regierungsmehrheit ausreichen. Die CDU könnte also um die Linke gar nicht herumkommen, wenn sie nach der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt eine Koalition bilden will.
| Partei | Umfrage vom 30. Juli |
|---|---|
| AfD | 41 Prozent |
| CDU | 24 Prozent |
| Linke | 13 Prozent |
| SPD | 7 Prozent |
| Grüne | 5 Prozent |
| BSW | 4 Prozent |
Institut: Infratest dimap. Auftraggeber: MDR, WDR, Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme. Erhebungszeitraum: 23. bis 28. Juli 2026. Fallzahl: 1149 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: ± drei Prozentpunkte.
„Schaden vom Land abwenden“: Linke plädieren für Unterstützung der CDU in Sachsen-Anhalt
Je näher die Wahl rückt, desto mehr Stimmen gibt es, die das Wahlvolk wohl auf eine ungeliebte Allianz von CDU und Linke einstimmen wollen: Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plädierte jüngst für eine Kooperation von CDU und Linke, ebenfalls unter dem Gesichtspunkt, eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt zu verhindern. „Wer Schaden vom Land Sachsen-Anhalt abwenden will, der muss also in der Lage sein, über Parteigrenzen hinweg miteinander zu reden“, sagte Ramelow dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es ist die CDU, die rumeiert, statt zu sagen: Wir arbeiten bei Themen zusammen, bei denen wir zusammenarbeiten können.“
CDU warnt vor Folgen auch indirekter Zusammenarbeit mit Linken in Sachsen-Anhalt
Tatsächlich scheint man sich in der CDU noch schwerer zu tun als die Linke mit dem Gedanken, mit den Linken gemeinsame Sache zu machen. „Eine Koalition oder andere Form der Zusammenarbeit lehne ich ab“, sagte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Guido Heuer, dem RND. Er plädierte für eine CDU-Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt, in der es „aber keine Kompromisse“ geben dürfe, „sondern fünf Jahre CDU pur“.
Andreas Schumann, Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion, warnte vor den Folgen auch nur einer indirekten Unterstützung durch die Linken: „Es könnte nachteilig sein, wenn die Linke damit Forderungen verknüpft, die Sachsen-Anhalt teuer zu stehen kommen könnten. Dafür wird sich die CDU nicht verkaufen.“ Stimmen der Linken bei der Wahl von CDU-Mann Schulze zum Ministerpräsidenten dürfen nicht mit politischen Bedingungen verknüpft sein.
Die Co-Bundesvorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, sagte dazu jedoch: „Die Tolerierung von AfD-Politik im CDU-Gewand ist allerdings keine Option.“ (Quellen: eigene Recherche, Redaktionsnetzwerk Deutschland, dpa, frühere Berichterstattung) (smu)