Warum reden alle über Token-Maxxing? Ein Experte klärt auf


Publiziert19. Juli 2026, 04:22

RecheneinheitAlle reden von Token – was ist das überhaupt?

Immer mehr Unternehmen messen ihren KI-Einsatz mit sogenannten Tokens – ein hoher Tokenverbrauch bedeutet aber nicht automatisch mehr Produktivität. KI-Experte Roger Basler de Roca beantwortet die wichtigsten Fragen zum Hype um «Token-Maxxing».

Martine Anastasiou

Darum gehts

Unternehmen messen ihren KI-Einsatz zunehmend in sogenannten Tokens. Daraus entstand in der Tech-Branche der Trend «Token-Maxxing»: Gemeint ist die Idee, möglichst viel künstliche Intelligenz (KI) zu nutzen und den Tokenverbrauch als Zeichen von Produktivität zu verstehen. Der Begriff verbreitete sich rasch über das Silicon Valley hinaus und schaffte es bis in die sozialen Medien.

Ein ironischer Sketch auf Tiktok zeigt den Trend überspitzt auf: «Eine Milliarde Tokens? Nein, du musst mehr verbrauchen», fordert ein Tech-Chef darin seine Mitarbeiterin auf.

Der Hype rund um Token-Maxxing scheint bereits wieder nachzulassen. Immer mehr Medien und Unternehmen sprechen inzwischen von «Tokenomics» oder «Valuemaxxing»: Statt möglichst viele Tokens zu verbrauchen, rücken der tatsächliche Nutzen und die Kosten von KI in den Vordergrund. KI-Experte Roger Basler de Roca erklärt, warum ein hoher Tokenverbrauch oft wenig über den tatsächlichen Mehrwert aussagt.

Token einfach erklärt

Was ist ein Token?

Ein Token ist die kleinste Recheneinheit eines Sprachmodells. Vereinfacht entspricht ein Token etwa drei bis vier Zeichen oder ungefähr drei Vierteln eines englischen Wortes.

Beispiel: Der Satz «Was ist die Hauptstadt der Schweiz?» besteht – je nach KI-Modell – aus rund 9 bis 10 Tokens. Gezählt werden dabei nicht nur die Wörter, sondern auch Satzzeichen. Je nach Modell kann die Aufteilung leicht variieren.

Ein Tool wie lunary.ai kann Tokens veranschaulichen.

Was wird gezählt?

Sowohl die Eingabe als auch die Antwort der KI werden in Tokens gemessen.

Fragen an den Experten

Zum Experten

Herr Basler de Roca, wie kann man sich Token-Maxxing einfach vorstellen?

Token-Maxxing bedeutet, möglichst viel aus einem Abo bzw. KI-Kontingent herauszuholen. Man kann sich das wie einen vollgetankten Mietwagen vorstellen: Wer bereits für den Tank bezahlt hat, möchte möglichst viele Kilometer fahren. Entscheidend ist aber nicht die Anzahl der Tokens, sondern was am Ende dabei herauskommt.

Warum sprechen Firmen oft über diese Zahl?

Viele Unternehmen wollten lange ihre Mitarbeitenden dazu bringen, KI häufiger einzusetzen. Je mehr Tokens verarbeitet werden, desto mehr Rechenleistung können Anbieter wie OpenAI, Anthropic, Google oder Microsoft verkaufen. Sie verkaufen sozusagen Rechenleistung. Deshalb wurde der Tokenverbrauch zu einer wichtigen Kennzahl.

Ist ein hoher Tokenverbrauch überhaupt ein gutes Erfolgsmass?

Nein. Ein hoher Tokenverbrauch bedeutet nicht automatisch bessere Resultate. Das wäre, als würde man die Qualität eines Autofahrers am Benzinverbrauch messen. Unternehmen sollten deshalb nicht die Zahl der Tokens messen, sondern den tatsächlichen Nutzen: Wie viel Zeit spart KI? Werden Aufgaben schneller erledigt? Ist die Qualität besser? Ein leistungsfähigeres Modell kann trotz höherem Preis sogar günstiger sein, wenn es schneller ans Ziel führt.

Worauf achtest du am meisten, wenn du KI-Tools im Alltag oder Beruf einsetzt?

Die Effizienz ist entscheidend, es muss schnell und präzise sein.

Mir ist vor allem wichtig, dass die Ergebnisse kreativ und neu sind.

Die Kosten spielen eine Rolle, ich will nicht zu viel bezahlen.

Ich nutze KI nur selten und achte nicht auf spezielle Kriterien.

Die Benutzerfreundlichkeit ist mir am wichtigsten, es muss einfach sein.

Ich nutze (noch) keine KI-Tools.

Wann wird KI teuer?

Besonders teuer wird es, wenn Unternehmen für einfache Aufgaben unnötig die leistungsstärksten Modelle einsetzen, grosse Datenmengen ungefiltert mitsenden oder KI-Agenten lange selbstständig arbeiten lassen. Oft reicht für eine E-Mail oder Zusammenfassung bereits ein kleines Modell. Für komplexe Datenanalysen oder Programmieraufgaben kann dagegen ein leistungsfähigeres Modell sinnvoll sein – weil es mit weniger Korrekturen schneller zum Ziel führt. Auch viele Nachbesserungen treiben die Kosten in die Höhe.

Mehr dazu: Was sind die Kosten von Tokens im Alltag?

IMAGO/Bihlmayerfotografie

Was kostet eine einfache ChatGPT-Anfrage wirklich? Und wie teuer werden eine Wohnungsvisualisierung, eine Geburtstagskarte oder ein KI-Video? In diesem Artikel liest du anhand konkreter Beispiele, wie viel typische KI-Anwendungen kosten.

Laufen KI-Kosten von Firmen regelmässig aus dem Ruder?

Noch betrifft die Diskussion vor allem Unternehmen und sogenannte Power-User. Laut einer Bitkom-Studie bezahlen erst 13 Prozent der KI-Nutzer überhaupt für professionelle KI-Dienste – im Vorjahr waren es noch 8 Prozent. Wer bezahlt, gibt im Durchschnitt rund 20 Euro pro Monat aus, meist für leistungsfähigere Modelle.

Verdienen KI-Firmen überhaupt Geld?

Die Nutzung einzelner KI-Anfragen ist für Kunden oft überraschend günstig. Die Entwicklung moderner Modelle kostet die Anbieter dagegen Milliarden – für Rechenzentren, Grafikprozessoren, Strom und Fachpersonal. Schätzungen gehen von Grössenordnungen zwischen 60 Millionen bis 3 Milliarden US-Dollar aus. Viele KI-Unternehmen investieren derzeit noch mehr Geld, als sie mit Abonnements und Tokenverkäufen einnehmen. Sie werden von Investoren finanziert und befinden sich in einem Aufbau- und Verdrängungsmarkt. Langfristig sollen Firmenkunden und kostenpflichtige Angebote diese Investitionen refinanzieren.

Ist Token-Maxxing ein kurzfristiger Hype – oder wird der Begriff bleiben?

Wahrscheinlich nicht als Begriff. KI wird künftig immer stärker direkt in Programme integriert sein und im Hintergrund arbeiten. Nutzer werden gar nicht mehr merken, wie viele Tokens im Hintergrund verarbeitet werden. Entscheidend bleibt aber dieselbe Frage: nicht, wie viele Tokens verarbeitet werden – sondern welchen Nutzen KI am Ende bringt.»

Hast du weitere Fragen bezüglich Tokens? Schreib sie in die Kommentare – wir fragen für dich nach.

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Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Lifestyle

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