Tiktok-Betrug: Rentner verliert 10'900 Franken bei Video-Bewertungs-Masche
Publiziert19. Juli 2026, 04:23
Luzerner betrogen«Ich wollte Videos bewerten – am Ende waren 10'900 Franken weg»
Ein 75-Jähriger aus dem Raum Luzern hält sich selbst eigentlich für misstrauisch. Trotzdem fiel er auf eine Betrugsmasche auf Tiktok herein.

Darum gehts
- Ein 75-Jähriger aus dem Raum Luzern fiel auf eine Betrugsmasche via Tiktok herein und verlor 10'900 Franken.
- Die Täter hätten ihn mit bezahlten Video-Bewertungen gelockt, ihm dann einen «Mentor» auf Telegram zur Seite gestellt und ihn überzeugt, Geld in eine – gefälschte – Kryptoplattform zu investieren.
- Erst nach einer Google-Recherche habe er den Betrug erkannt – da sei das Geld bereits weg gewesen.
Alles habe mit einem Werbebanner auf Tiktok begonnen – einem von vielen, die einem 75-Jährigen aus dem Raum Luzern täglich angezeigt worden seien. «Ich klickte darauf und erhielt das Angebot, Videos zu bewerten. Für jede Bewertung sollte es ein paar Franken geben», so der Rentner gegenüber 20 Minuten. Die Aufgabe sei simpel gewesen: Screenshots der Bewertung machen und einsenden.
«Ich habe keinen Verdacht geschöpft, weil die Auszahlungen funktionierten»
Nach drei Tagen sei ihm eine Festanstellung mit einem Verdienst von bis zu 354 Franken pro Tag in Aussicht gestellt worden. Gleichzeitig habe die Firma ihm einen persönlichen «Mentor» zugeteilt und die Kommunikation auf Telegram verlegt. Dort habe der Betreuer Vertrauen aufgebaut – und schon bald empfohlen, die verdienten Beträge in Kryptowährungen zu investieren. Das sei Voraussetzung für höhere Verdienststufen und garantiere zusätzliche Gewinne. «Weil die ersten Auszahlungen tatsächlich funktioniert hatten und der Kontakt auf Telegram sogar in sauberem Schweizerdeutsch verlief, habe ich keinen Verdacht geschöpft», so der Rentner.

Als sich auf seinem Konto ein vermeintliches Guthaben von 3520 Franken angehäuft hatte, habe er sich gedacht: «Jetzt reicht's. Das ist genug Geld, ich höre auf.» Als er sich das Geld auszahlen lassen wollte, sei die Auszahlung plötzlich blockiert worden. Angeblich habe ein Buchungsfehler das System zum Absturz gebracht, sein Konto sei gesperrt und er selbst für den Schaden verantwortlich. Für diesen müsse erst aufkommen, bevor die Überweisung ausgeführt werden könne.
«Habe sofort Anzeige erstattet»
«Eigentlich wollte ich das nicht machen», sagt er heute. «Aber sie haben so lange auf mich eingeredet, bis ich mich umentschied.» Knapp 6000 Franken habe er überwiesen. Kurz darauf hätten die Betrüger weitere 6300 Franken verlangt. Wieder habe es geheissen, erst danach könne das Guthaben – das nun bei über 30’000 Franken gelegen haben soll – freigegeben werden.
Am nächsten Morgen sei aber das ungute Gefühl zu gross geworden. Der 75-Jährige habe zu googeln begonnen. «Da habe ich gemerkt: Mist, das ist ein Scam.» Er sei sofort zur Polizei gegangen und habe seine Bank informiert. «Doch das Geld war bereits weg. Mein Nettoverlust beläuft sich auf 10’900 Franken.»
«Ich bin eigentlich ein misstrauischer Mensch»
Rückblickend falle es ihm schwer zu erklären, warum er sich auf die Masche eingelassen habe. «Ich verstehe es selber nicht. Eigentlich bin ich ein misstrauischer Mensch und meine Frau hat mich sogar davor gewarnt, dass das Ganze eine Masche sein könnte. Aber man wird richtig bearbeitet und ist wie gefangen.»
Heute bleibe ihm nur die Hoffnung, dass seine Anzeige bei der Luzerner Polizei vielleicht doch noch etwas bewirke. Viel wichtiger sei ihm aber etwas anderes: «Wenn meine Geschichte verhindert, dass jemand anderem das Gleiche passiert, dann hat sie wenigstens einen Sinn.»
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Eher hoch, man muss sehr vorsichtig sein.
Mittel, ich bin aufmerksam, aber es kann immer passieren.
Eher gering, ich kenne die Tricks und bin gut informiert.
Sehr gering, ich bin zu misstrauisch, um darauf hereinzufallen.
Ich mache mir darüber keine Gedanken.

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
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