Christa Pike überlebt Hinrichtung – und erlebte dabei exakt ihren schlimmsten Albtraum: „Nur ohne den Tod“


Anwälte nach gescheiterter Hinrichtung: Größte Furcht wurde für Christa Pike zur Realität

Stand: 03.10.2026, 07:58 Uhr

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Christa Pike (50) fürchtete wohl genau das, was ihr beim gescheiterten Hinrichtungsversuch passierte. Jetzt kämpfen Ärzte um das Leben der Todeskandidatin.

Nashville – Die meisten Todeskandidaten in den Vereinigten Staaten sind Männer. Seit 1976 sind lediglich 18 Frauen hingerichtet worden. Die wegen Mordes zum Tode verurteilte Christa Pike sollte die 19. werden und in Tennessee durch die Giftspritze sterben – jenem Bundesstaat, wo seit mehr als 200 Jahren keine Frau hingerichtet worden war. Doch die Hinrichtung am Mittwochabend (30. September) misslingt, Pike liegt seitdem im Krankenhaus und wird künstlich beatmet.

Hinrichtung in Tennessee gescheitert Christa Pike

Hinrichtung in Tennessee.jpg © George Walker IV/dpa/ap

Die Ärzte kämpften um ihr Leben, nachdem sie mit „geschwollenen, verbrannten und mit Blasen übersäten“ Armen eingeliefert worden sei, teilte ihr Anwalt mit. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass Pike nach dem Verabreichen einer ersten Giftspritze weiter atmete. Danach wurde ihr eine zweite Spritze mit dem starken Schlafmittel Pentobarbital verabreicht, welches das Atemzentrum lähmen soll und das in Deutschland fast nur noch zum Einschläfern von Tieren verwendet wird. Pikes Anwälte kritisierten den Ablauf der Hinrichtung scharf. Für die 50-jährige verurteilte Mörderin sei ein Albtraum zur Wirklichkeit geworden.

Schlimmster Albtraum von Todeskandidatin wird bei gescheiterter Hinrichtung Wirklichkeit

Christa Pike fürchtete nach Angaben ihrer Verteidiger nicht den Tod an sich, sondern einen „langwierigen, qualvollen, traumatischen Tod“. Genau dies sei nun jedoch passiert, „nur ohne den Tod“, sagten Pikes Anwälte Randy Spivey und Stephen Ferrell auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Als Überlebende von sexuellem Missbrauch hegte sie demnach Angst davor, über einen längeren Zeitraum festgehalten und mit Nadeln gestochen zu werden, während sie ihr Trauma wieder durchlebe.

Die Anwälte berichteten von zahlreichen Problemen während der versuchten Hinrichtung. Demnach dauerte es etwa eine Stunde, die intravenösen Zugänge zu legen. Allein an Pikes linkem Arm habe er sieben Einstiche gezählt, so Spivey. Pike habe diejenigen, die die Infusion legten, darum gebeten, es „weiter oben“ an ihrer Schulter zu versuchen. 

Während der Prozedur habe man Pike weinen gehört. Sie habe laut geatmet und gesagt: „Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen“. Außerdem habe sie gefragt, ob das normal sei. Laut Sachverständigen, die von den Anwälten zitiert werden, sei das injizierte Pentobarbital stark alkalisch und verursache bei Kontakt Verbrennungen an Haut, Gewebe und Venen.

Christa Pik: Zum ersten Mal seit 200 Jahren soll im US-Bundesstaat Tennessee eine Frau hingerichtet werden.

Zum ersten Mal seit 200 Jahren soll im US-Bundesstaat Tennessee eine Frau hingerichtet werden: Christa Pike sitzt seit 30 Jahren im Todestrakt. © deathpenaltyinfo.org

Während der Hinrichtung habe sich ihr rechter Arm laut ihren Anwälten violett verfärbt. Dass das Gift nicht oder nur teilweise in Pikes Venen und stattdessen ins umliegende Gewebe gelangte, sei von den mit der Hinrichtung betrauten Personen nicht bemerkt worden, heißt es weiter.

Anwälte sollen im Vorhinein auf gesundheitliche Probleme Pikes hingewiesen haben

Einer ihrer Anwälte bezeichnete den Verlauf der Hinrichtung durch die Giftspritze als „vorhersehbar“. Das Gericht und der Bundesstaat Tennessee seien auf die gesundheitlichen Probleme der Verurteilten und darauf hingewiesen worden, dass diese zu einem „qualvollen Tod“ führen würden. Demnach soll der Zugang zu ihren Venen schwierig sein.

Tennessees Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Offen bleibt, ob und unter welchen Bedingungen es zu einer erneuten Vollstreckung des Urteils kommen könnte. Im Bundesstaat war es die zweite gescheiterte Hinrichtung binnen weniger Monate.

Pike hatte 1995 gemeinsam mit ihrem Freund ihre 19-jährige Klassenkameradin Colleen Slemmer geschlagen und getötet und wurde deshalb wegen Mordes verurteilt. Slemmers Mutter May Martinez sagte dem örtlichen Sender WJXX, der Staat schulde ihr „eine aufrichtige Entschuldigung“, nachdem die Hinrichtung, bei der sie anwesend war, scheiterte. „Alles, was ich wollte, war Gerechtigkeit“, sagte Martinez, die in Florida lebt und einen Spendenaufruf gestartet hatte, um das Geld für die Reise zusammenzubekommen. (afp/dpa/jm)