Astra 1A und das Satellitenfernsehen: Als plötzlich viel mehr Sender ins Wohnzimmer kamen


SES Astra Sat Sender; © SES
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Astra 1A veränderte Ende der 1980-er das Fernsehen in Deutschland. Am 8. Dezember 1989 gingen RTLplus, Sat.1 und ProSieben über den Satelliten auf Sendung. Plötzlich konnte Fernsehen nicht mehr nur über Dachantenne oder Kabel ins Wohnzimmer kommen. Eine Satellitenschüssel eröffnete eine neue Programmwelt und als tragbares Equipment auch mehr Flexibilität. Damit begann ein Umbruch, der das deutsche Fernsehen bis heute prägt.

1989 wurde das Jahr des Satellitenfernsehens

Satellitenfernsehen war Ende der 1980er nicht völlig neu. Bereits seit Mitte der 1980er konnten Privathaushalte in Deutschland Programme über Eutelsat empfangen. Der Aufwand war allerdings erheblich. Die ersten Satellitensignale waren vergleichsweise schwach. Entsprechend große Antennen waren nötig. Bis 1988 wurden deshalb nach Angaben der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen erst rund 30.000 Satellitenempfangsanlagen verkauft.

Der entscheidende Wandel kam mit Astra. Die luxemburgische Société Européenne des Satellites (SES) war 1985 als privater Satellitenbetreiber gegründet worden. Am 11. Dezember 1988 ließ SES seinen ersten Satelliten, Astra 1A, mit einer Ariane-4-Rakete von Kourou aus starten. Anfang Januar 1989 erreichte er seine vorgesehene Position bei 19,2 Grad Ost. Damit begann eine neue Phase des Satellitenfernsehens in Europa.

Astra machte Satellitenempfang für Haushalte attraktiver

Astra setzte auf eine vergleichsweise hohe Sendeleistung. Dadurch konnten deutlich kleinere Antennen verwendet werden. Astra nannte für den Direktempfang zunächst Satellitenschüsseln mit rund 60 Zentimetern Durchmesser. Das war ein entscheidender Unterschied zu den großen Antennen, die zuvor für schwächere Satellitensignale erforderlich waren.

Auch beim Programmangebot hatte Astra einen Vorteil. Astra 1A verfügte über 16 Transponder, die für Fernsehprogramme genutzt werden konnten. Das war deutlich mehr als beim deutschen Direktsatellitenprojekt TV-Sat. Der technische und politische Wettbewerb zwischen beiden Systemen sollte deshalb erhebliche Folgen für den deutschen Fernsehmarkt haben.

TV-Sat sollte eigentlich die deutsche Lösung sein

Ursprünglich sollte Deutschland mit TV-Sat selbst ein leistungsfähiges Satellitenfernsehsystem bekommen. Der erste Satellit startete am 21. November 1987. Doch das Projekt scheiterte zunächst an einem technischen Problem. Ein Solarpanel ließ sich nicht korrekt entfalten. Dadurch konnte die Sendeantenne nicht eingesetzt werden. TV-Sat 1 konnte deshalb keinen regulären Fernsehbetrieb aufnehmen.

TV-Sat 2 startete am 8. August 1989 und war technisch erfolgreich. Er kam aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Astra war bereits auf Sendung und bot ein für Privathaushalte attraktiveres Konzept. Während TV-Sat auf das damals neue D2-MAC-Verfahren setzte, verwendete Astra die herkömmliche PAL-Technik. Außerdem bot Astra auf einem Satelliten deutlich mehr TV-Kanäle.

Am 8. Dezember 1989 kamen RTL, Sat.1 und ProSieben

Der entscheidende Termin für das deutsche Publikum war der 8. Dezember 1989. An diesem Tag starteten Sat.1, ProSieben und RTLplus ihre Ausstrahlung über Astra 1A. Damit waren erstmals drei wichtige deutsche Privatsender über das neue Satellitensystem direkt zu empfangen.

Das war mehr als ein technischer Wechsel des Übertragungswegs. Die drei Sender standen für den Aufstieg des Privatfernsehens. RTLplus war bereits 1984 gestartet, Sat.1 ebenfalls in der ersten Hälfte der 1980-er. ProSieben nahm Anfang 1989 den Sendebetrieb auf. Über Satellit konnten die privaten Programme nun eine deutlich größere Reichweite erzielen.

Aus wenigen Programmen wurde eine neue TV-Landschaft

Die Entwicklung kam nicht allein durch den Satelliten. Gleichzeitig wurde das Kabelfernsehen ausgebaut. Zudem erhielten private Sender weitere terrestrische Frequenzen. Satellit, Kabel und terrestrische Verbreitung verstärkten sich deshalb gegenseitig. Das Haus der Geschichte beschreibt die Entwicklung als entscheidenden Faktor für den Aufstieg von RTLplus und Sat.1. Durch die zunehmende Verkabelung, zusätzliche terrestrische Frequenzen und sinkende Preise für Satellitenempfänger konnten die beiden Sender ihre Reichweite deutlich ausbauen. 1987 kamen sie zusammen bereits auf einen Zuschaueranteil von 1,5 Millionen Zuschauern; 1990 erreichten sie zusammen einen Marktanteil von 20,3 Prozent.

Damit veränderte sich auch das Fernseherlebnis. In den 1970er-Jahren war die Auswahl für viele Haushalte überschaubar. Es dominierten ARD und ZDF sowie die dritten Programme. Mit dem Privatfernsehen, dem Kabelausbau und dem Satellitenempfang wurde die Zahl der verfügbaren Programme zunehmend größer.

Die Satellitenschüssel als Symbol der neuen Zeit

Die technische Veränderung war auch im Straßenbild sichtbar. Neben Fernsehern und Videorekordern tauchte nun ein neues Gerät auf: die Parabolantenne,umgangssprachlich auch Satellitenschüssel genannt. Sie wurde an Hauswänden, auf Balkonen oder auf Dächern montiert. Dazu kamen Satellitenreceiver, über die die Programme ausgewählt wurden.

Für den Empfang war zunächst noch mehr Technik erforderlich als bei einem normalen Fernseher. Die Satellitenschüssel sammelte das Signal. Ein LNB setzte die empfangenen Frequenzen um. Der Receiver bereitete das Signal für den Fernseher auf. Mit der technischen Entwicklung wurden die Anlagen kleiner und günstiger. Genau das trug dazu bei, dass Satellitenempfang vom Spezialhobby zur Massenanwendung werden konnte. Astra verweist selbst auf die Fortschritte bei der LNB-Technik als wichtigen Faktor für den Direktempfang mit kleineren Antennen. Auf diese Weise eroberte das Satellitenfernsehen auch Schrebergärten und Campingplätze.

1990 für Satelliten-TV ein wichtiger Wachstumstreiber

Das Jahr 1990 war für die Entwicklung besonders wichtig. Deutschland stand vor der Wiedervereinigung. Gleichzeitig wuchs der Bedarf an zusätzlichen Fernsehprogrammen. Gerade in den neuen Bundesländern war die Versorgung über Kabelnetze zunächst weniger ausgeprägt. Satellit konnte deshalb schnell zusätzliche Programme liefern. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt den Satellitenempfang als unerwartet erfolgreichen Konkurrenten zum Kabelfernsehen.

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen änderten sich. Die ursprünglich erforderlichen Empfangsgenehmigungen für Satellitenprogramme wurden 1989 abgeschafft. Damit fiel eine weitere Hürde für den privaten Satellitenempfang weg.

Satellitenfernsehen veränderte auch den Wettbewerb

Die neue Technik verschob die Kräfteverhältnisse im Fernsehen. ARD und ZDF standen nun einer wachsenden Zahl kommerzieller Anbieter gegenüber. Diese Sender finanzierten sich wesentlich über Werbung und waren deshalb auf hohe Reichweiten angewiesen. Satellit half dabei, diese Reichweiten zu erzielen. Die privaten Sender waren nicht mehr ausschließlich auf Kabelnetze oder einzelne terrestrische Frequenzen angewiesen.

Gleichzeitig konnten neue Programme entstehen, weil Satellitenübertragung eine vergleichsweise effiziente Möglichkeit bot, große Gebiete zu versorgen. Damit war die Satellitenschüssel nicht nur ein Empfangsgerät. Sie wurde zum Symbol für den Übergang vom öffentlich-rechtlich dominierten Fernsehen zum dualen Rundfunksystem.

Die eigentliche Revolution war die Programm-Auswahl

Aus heutiger Sicht wirkt eine Satellitenschüssel zunächst wie eine technische Nebensache. Tatsächlich veränderte sie aber eine der wichtigsten Eigenschaften des Fernsehens: die Auswahl. Das Fernsehen wurde zunehmend zu einem Medium mit vielen Kanälen. Nachrichten, Sport, Musik, Filme, Serien und Unterhaltung konnten auf unterschiedliche Sender verteilt werden. Der Zuschauer war nicht mehr nur zwischen wenigen Programmen unterwegs. Er konnte zwischen immer mehr Angeboten wechseln.

Genau hier liegt der historische Wert des Satellitenfernsehens. Astra brachte nicht einfach ein besseres Fernsehsignal. Es beschleunigte den Übergang zu einer völlig neuen Fernsehlandschaft. Aus heutiger Sicht war das der Anfang einer Entwicklung, die später über digitales Fernsehen, Pay-TV und IPTV bis zu Streamingdiensten führte.

Die wichtigsten Entwicklungen beim Satellitenfernsehen

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