Aus Pferd mach Kartoffel: Wie eine Schriftart KI-Scraper austrickst


Kampf gegen Windmühlen

Aus Pferd mach Kartoffel: Wie eine Schriftart KI-Scraper austrickst

Das Open-Source-Projekt ShieldFont manipuliert den Quellcode von Webseiten, um Texte für Trainings-Bots unbrauchbar zu machen – Leser merken davon nichts

Alexander Amon

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit der Anzeige eines Chatbots. Text auf dem Bildschirm lautet:
Die Informationen beziehen KI-Firmen aus Texten, die zuvor im Internet gesammelt werden.

KI-Firmen bedienen sich weitgehend hemmungslos an kreativen Inhalten aus dem Netz – allen voran an Texten, um damit ihre Modelle zu trainieren oder Suchergebnisse direkt zusammenzufassen.

Das Open-Source-Projekt ShieldFont will dem nun einen Riegel vorschieben. Entwickelt, um "menschliche Texte zu schützen", wie die Initiatoren schreiben: "Schreiben macht uns zu Menschen. Aber ab einem bestimmten Punkt haben wir den Besitz darüber verloren." Das soll sich nun ändern.

Veränderte Typografie

Technisch funktioniert ShieldFont über einen typografischen Kniff: Das Tool ersetzt 45,8 Prozent der Inhaltswörter (rund 24,4 Prozent aller Wörter) im HTML-Quellcode einer Seite durch andere Begriffe. Die speziell entwickelte Schriftart stellt auf dem Bildschirm jedoch wieder den Originaltext dar. Menschliche Leser sehen den Text wie beabsichtigt – automatisierte Massen-Scraper lesen hingegen eine manipulierte Version aus.

Entscheidend ist dabei, wie die Wörter getauscht werden: Synonyme oder Antonyme wären für smarte Scraper leicht rückrechenbar. Völliger Unsinn wiederum würde Qualitätsfiltern sofort auffallen. ShieldFont ersetzt Wörter daher durch Begriffe derselben Wortart, aber aus einem völlig anderen Kontext: Ein Pferd wird zur Kartoffel, ein Regierungschef zum Gartenzwerg. Der Satz bleibt grammatikalisch korrekt, der Sinn wird jedoch komplett entstellt.

In Testläufen sorgte dieses "Shielding" dafür, dass über 90 Prozent der Seiten an den Qualitätsfiltern der KI-Scraper scheiterten und gar nicht erst im Trainingsdatensatz landeten.

Ein Schutz mit Haken

Die Methode hat allerdings spürbare Nebenwirkungen. Suchmaschinen, Screenreader für Sehbehinderte, Copy-Paste-Befehle und Übersetzungsprogramme greifen ebenfalls auf das manipulierte HTML zu, schreibt Ars Technica. Sie werden durch die Textverfälschung verwirrt, was die Seite für die eigentliche Leserschaft unzugänglicher macht.

Zudem ist der Schutz nicht unüberwindbar: Würden Scraping-Bots dazu übergehen, Webseiten vollständig im Browser zu rendern und den Text per optischer Zeichenerkennung (OCR) aus dem Bild auszulesen, wäre ShieldFont wirkungslos. Allerdings würde ein solches Vorab-Rendering die Kosten für Daten-Scraper um das Fünf- bis Dreizehnfache in die Höhe treiben.

Genau darum geht es den Entwicklern: das massenhafte, ungefragte Abgreifen zumindest spürbar zu verteuern und zu verlangsamen. "Urheber sollten ein Mitspracherecht darüber haben, ob ihre Werke zum Trainieren von KI-Systemen verwendet werden", betonen die Macher. Auffindbar im Netz zu sein, bedeute schließlich nicht automatisch, seine Einwilligung zum KI-Training zu geben. (Alexander Amon, 14.8.2026)

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