Unwetter in Thüringen: Aufräumarbeiten nach Tornado und schweren Schäden


Abgerissene Baumteile liegen auf einer Wiese

AUDIO: Thüringen nach den schweren Unwettern (3 Min)

Millionenschäden

Ausmaß der Schäden wird sichtbar: Aufräumarbeiten nach Unwetter in Thüringen

Stand: 21.08.2026 15:43 Uhr

Nach dem schweren Unwetter am Mittwochabend stehen vielerorts Auräumarbeiten an. Die größten Schäden wurden in Ohrdruf und Georgenthal im Landkreis Gotha sowie im Ilmkreis registriert.

von MDR THÜRINGEN

Weiterhin Gefahr durch herabfallende Äste

Nach dem schweren Unwetter in weiten Teilen Thüringens dauern die Aufräumarbeiten an. Neben Ohrdruf hat es die Landgemeinde Georgenthal im Landkreis Gotha besonders getroffen.

Eingang zum Altensteiner Park ist abgesperrt

Der Altensteiner Park ist gesperrt - zu gefährlich für Spaziergänger.

In Georgenthal kam ein 40-jähriger Mann ums Leben. Nach Angaben von Landrat Onno Eckert war er auf dem Kita-Weg, als er von herabfallenden Ästen getroffen wurde. Das Kind blieb unverletzt. Wie Georgenthals Bürgermeister Florian Hofmann (CDU) MDR THÜRINGEN sagte, gab es Probleme mit Gaffern und neugierigen Menschen, die Fotos vom Rettungseinsatz gemacht und Absperrungen missachtet hätten.

Georgenthal: Wälder und Parks meiden

Die Gemeinde Georgenthal und die Waldeigentümer warnen ausdrücklich davor, Wälder und Parkanlagen zu betreten oder zu befahren. Zahlreiche Wege seien durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste unpassierbar. Zudem bestehe weiterhin akute Gefahr durch herabfallende Äste.

Auch mehrere Freizeiteinrichtungen sind von den Folgen des Unwetters betroffen. Die Schwimmbäder in Georgenthal und Schönau vor dem Walde bleiben am Freitag geschlossen. Zudem wurde der Saurierpfad gesperrt.

Ein vom Sturm abgedecktes Dach

Reparaturen an Stromleitungen

Die Reparaturen an beschädigten Stromleitungen dauern weiter an. Wie die Thüringer Energienetze (TEN) mitteilten, können die Arbeiten noch bis zu zwei Wochen dauern. Besonders betroffen sind Süd-, West- und Ostthüringen.

Umgestürzte Bäume auf Strommast

In Ohrdruf wütete der Sturm besonders stark, Bäume rissen Stromleitungen um.

Dort wurden durch Sturm und umgestürzte Bäume mehrere Freileitungen beschädigt. Zeitweise waren nach Angaben der TEN rund 3.700 Menschen ohne Strom.

Betroffen ist unter anderem die Gartenwohnsiedlung "Am Schinds" in Ohrdruf. Dort sind 15 Anschlüsse ohne Strom. Die Bewohner werden mit einem Stromaggregat versorgt. Mehrere Leitungen und Masten waren beim Unwetter zerstört worden. Auch in Luisenthal kam es zu einem knapp zweistündigen Stromausfall bei 720 Stromkunden.

Umgestützte Bäume in Kleingarten

Die Gartenwohnsiedlung hat es hart getroffen.

Ohrdruf schaltet Hotline für Betroffene

Nach dem schweren Unwetter mit einem möglichen Tornado bei Ohrdruf im Landkreis Gotha am Mittwoch hat die Stadt eine Telefonnummer für Schäden geschaltet.

Wie Bürgermeister Stefan Schambach (SPD) mitteilte, können Betroffene Schäden melden, die möglicherweise durch städtische Bäume verursacht worden sind. Unter der Nummer (03624) 330 201 seien bereits am Donnerstag rund 70 Anrufe eingegangen. In rund 20 Fällen prüfe inzwischen die Versicherung der Stadt mögliche Ansprüche.

Rettungswege freigeräumt

Bis Donnerstagabend konnten den Angaben zufolge bereits viele Wege rund um Ohrdruf, Wölfis und Gräfenhain freigeräumt werden, sodass zumindest die Rettungswege wieder frei sind. "Es sieht allerdings immer noch aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", sagte Schambach am Freitag.

Allein im Stadtwald von Ohrdruf sind nach ersten Schätzungen rund 10.000 Festmeter Holz von Windbruch betroffen. Der Bürgermeister schätzt, dass die Aufräumarbeiten mehrere Wochen dauern werden. Er rechne mit einem Schaden in Millionenhöhe.

Video: Unwetter verursachen erhebliche Schäden (2 Min)

Bundesstraße bei Dermbach weiter gesperrt

Die B285 bei Dermbach im Wartburgkreis bleibt wegen der Unwetterschäden vermutlich länger gesperrt. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN müssen entlang der rund zwei Kilometer langen Allee an der Bundesstraße rund 60 Bäume gefällt werden.

Eine vom Sturm zerstörte Baumallee

An der Bundesstraße 285 im Wartburgkreis laufen weiter die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter.

Allerdings seien Forstarbeiter noch mit Sicherungsarbeiten beschäftigt. Das schwere Unwetter am Mittwochabend hatte an rund 80 Straßenbäumen Schäden hinterlassen. Teilweise seien ganze Baumkronen rund 50 Meter weit auf eine Wiese geflogen. Manche dicken Stämme seien durch die Kraft des Sturms in der Mitte gerissen.

Betroffen ist der Abschnitt zwischen dem nördlichen Ortsausgang von Dermbach und dem Abzweig Hartschwinden. Eine Umleitung ist über Mebritz ausgeschildert. Nach Angaben der Behörde können Rettungsfahrzeuge die Straße nach Abstimmung mit den Arbeitern vor Ort nutzen.

Schwere Schäden in Gräfenhain

Auch in Gräfenhain hinterließ das Unwetter schwere Schäden. Dort wurde das Dach der Turnhalle abgedeckt und rund 400 Meter entfernt in einem Wintergarten gefunden. Zudem waren einige Haushalte auch am Donnerstag noch ohne Strom, weil umgestürzte Bäume und Äste Freileitungen beschädigt hatten.

Zeitweise war nach Angaben der Stadt auch ein Wohnhaus unbewohnbar, nachdem der Dachstuhl komplett abgedeckt worden war. Mitarbeiter des Bauhofs, Feuerwehren, Forstunternehmen und private Eigentümer arbeiten weiterhin an der Beseitigung der Schäden an Bäumen, Wegen und Gebäuden. Dabei drängt die Zeit, denn für die kommenden Tage ist weiterer Regen angekündigt.

Ein vom Sturm abgedecktes Dach

Abgerissene Dachteile in Ohrdruf.

Viele zerstörte Bäume in Schmalkalden

Im Stadtwald von Schmalkalden sind laut Bürgermeister Thomas Kaminski etwa 5.000 Festmeter Holz zerstört worden, "etwa so viel Holz wie normalerweise in einem ganzen Jahr eingeschlagen wird". Besonders betroffen sei der Bereich Weidmannsruh nahe der Ebertswiese am Rennsteig. Dort sei der Wald großflächig umgeknickt.

Im gesamten Fortstamtsbereich wurden nach ersten Schätzungen insgesamt 15.000 Festmeter Holz geschädigt, sagte Forstamtsleiter Dominik Hessenmöller. Punktuell seien Waldbestände stark betroffen, insgesamt sei das Gebiet jedoch glimpflich davongekommen.

Im gesamten Stadtgebiet Schmalkalden wurden knapp 100 Schäden gemeldet. Straßen und Wege seien inzwischen größtenteils beräumt worden.

Aufräumarbeiten auch im Ilm-Kreis

Auch im Ilm-Kreis dauern die Aufräumarbeiten an. Mitarbeiter des Bauhofs haben laut Angaben der Stadt die vom Unwetter betroffenen Bereiche aufgeräumt, etwa die Naumannstraße, die Schleusinger Allee oder die Goetheallee. Dort waren große Äste auf Fahrzeuge gefallen.

Teile des Ilmtalradweges und der Schwendlerweg bleiben wegen Schäden bis auf Weiteres gesperrt, sagte Oberbürgermeister Daniel Schultheiß (pl). Das Ilmenauer Freibad soll am Freitag nach den Aufräumarbeiten wieder öffnen. Ein Teil der Liegewiese müsse nach Angaben des Freibades aber gesperrt werden. Auch im nördlichen Ilm-Kreis gab es zum Teil massive Schäden. In Ichtershausen flog etwa ein 800 Quadratmeter großes Dach der Abwasserwirtschaft zum Teil mehrere Hundert Meter weit davon.

Lauf wegen Unwetterschäden an Talsperren abgesagt

Der Zweitalsperren-Lauf in Tambach-Dietharz (Landkreis Gotha) wird wegen der Unwetterschäden verlegt. Wie der Wintersportverein Tambach-Dietharz mitteilte, kann das Sportevent am Sonntag aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden.

Die Sturmschäden rund um die Alte Tambacher Talsperre und die Schmalwasser-Talsperre seien zu schwer. Stattdessen soll der Lauf auf den 27. September verschoben werden.

MDR (mm)