Geht's noch? Drei Stunden soll eine Azubi-Köchin zur Berufsschule fahren - pro Richtung
Wenn sich andere noch mal im warmen Bett rumdrehen, soll Kanchan Singhak Limbu schon im Bus sitzen. Nicht weil sie Frühschicht hat, sondern wegen der Berufsschule. "Ich hatte sonst immer eine Fahrzeit von einer Stunde nach Siegen", sagt die 21-Jährige, die für ihre Ausbildung zur Köchin extra von Nepal nach Wenden gekommen ist.
Die Bezirksregierung in Arnsberg begründet diesen Schritt damit, dass die Schulklassen in Siegen und in Bad Berleburg jeweils zu klein gewesen seien. Deshalb habe man sie zusammenlegen müssen.
Schulverweigerung auf Anweisung des Chefs
Christoph Butzkamm ist nicht nur Chef im Landgasthof Scherer in Wenden-Schönau, sondern auch der Ausbilder von Kanchan Singhak Limbu. Seitdem er weiß, dass seine Azubi zweimal die Woche sieben Stunden mit dem Bus fahren soll, ist er sprichwörtlich auf dem Baum.
"Das geht so nicht. Das kann ich meinen Auszubildenden nicht zumuten. Sie wird am ersten Schultag nicht nach Bad Berleburg fahren." Christoph Butzkamm, Landgasthof Scherer
Auf Dauer ist das aber keine Lösung. Regelmäßiger Schulbesuch ist Voraussetzung, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Deshalb muss Kanchan Singhak Limbu, genau wie mehrere andere Azubis, sich wohl demnächst auf den beschwerlichen Weg machen.
Dehoga spricht von Zumutung für Azubis
Mit dem ÖPNV nach Bad Berleburg zu kommen, sei für die wenigsten Auszubildenden in der Region machbar. Bei ihm haben sich demnach schon mehrere Betriebe gemeldet, deren Azubis vor ähnlichen Problemen stehen wie Kanchan Singhak Limbu.
"Einige Azubis planen auf andere Berufsschulen zu gehen. Etwa nach Meschede oder nach Hagen. Aber das ist nicht für alle machbar." Lars Martin, Dehoga Westfalen
Dass Kanchan Singhak Limbu mit dem Auto zur Berufsschule fährt, ist ausgeschlossen. Die junge Frau könnte es nicht finanzieren, außerdem hat sie keinen Führerschein. Für ihren Chef wäre Blockunterricht eine Alternative. "In der Nebensaison wäre dass für Betriebe gut machbar, eine Unterbringung vor Ort ließe sie bestimmt organisieren", ist sich der Gastronom sicher.
Unsere Quellen:
- Kanchan Singhak Limbu, Auszubildende
- Christoph Butzkamm, Landgasthof Scherer
- Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Westfalen
- Bezirksregierung Arnsberg