Bäche im Hochtaunus trocknen aus – doch die Fische überleben


Stand: 04.08.2026, 06:00 Uhr

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Thomas Golla(li.)  und Andreas Doleschall im Usatal, dort wo der Michelbach, der noch etwas Wasser führt, das sich in einem Gumpen sammelt, in dem noch etwas Leben ist, bevor es in die Usa in Richtung Kläranlage fließt. Foto: Schneider

Thomas Golla (links) und Andreas Doleschall im Usatal – da, wo der Michelbach, der noch etwas Wasser führt. Es sammelt sich in einem Gumpen, in dem noch etwas Leben ist, bevor es in die Usa in Richtung Kläranlage fließt. © Alexander Schneider

Weil, Sattelbach und Usa sind fast vollständig trocken gefallen. Doch in den Gumpen – natürlichen Staubecken – können Groppen, Bachneunaugen und Bachflöhe überleben.

Hochtaunus – Anhaltende Trockenheit und Hitze führen deutschlandweit zu extremen Niedrigwasserständen und dem Austrocknen vieler Bäche. Laut Umweltbundesamt sind nur noch 8% der deutschen Fließgewässer in einem guten ökologischen Zustand; ein Großteil leidet unter Wasserknappheit, Strukturveränderungen und Schadstoffkonzentrationen.

Auch im Hochtaunuskreis ist das der Fall: Die Weil und der Sattelbach bei Weilrod sind fast vollständig, die Usa weitestgehend trockengefallen. Im Vordertaunus sieht es nicht viel besser aus.

Ortstermin mit Thomas Golla, Leiter der Unteren Wasserbehörde beim Hochtaunuskreis, und seinem Fachbereichskollegen Andreas Doleschall am Zusammenfluss von Rollbach und Usa bei Usingen. Das Ökosystem der Fließgewässer im Landkreis sei durch die lang anhaltende Trockenheit zwar teilweise gestört, aber noch nicht zerstört, berichten sie – jedenfalls nicht so wie 2018 bei der damals herrschenden, bereits im Mai einsetzenden extremen Trockenheit. „Die Bäche stehen noch nicht auf der Kippe, sie sind, auch wenn sie jetzt mal wieder brottrocken sind, resilient genug, um sich nach entsprechenden Niederschlägen rasch wieder zu erholen“, erklärt Golla.

Sauerstoff ist wichtig für Tiere

Dazu brauche es aber keinen kurzen, regional begrenzten Wolkenbruch, der das Wasser schnurstracks der Kläranlage zuleitet, sondern einen klassischen Landregen, möglichst über mindestens zwei Wochen, der es dem Regen erlaubt, in den trockenen Boden einzusickern.

Klimawandelbedingte Trockenzeiten treffen Golla und sein Team nicht unvorbereitet. Schon seit Langem werde versucht, Bäche in ihren ursprünglich mäandrierenden Verlauf zurückzuverlegen und Hindernisse in ihnen, die einerseits Fische vom Aufwärtswandern in Richtung ihrer Laichgründe abhalten, andererseits aber auch für Überschwemmungen sorgende Stauungen in den Bachläufen verursachen, zu beseitigen.

In Trockenzeiten wie diesen sind solche Staubereiche in den Bachläufen, sogenannte Gumpen, aber auch Überlebensräume für Wasserlebewesen, zwar keine Forellen mehr, aber Groppen, Bachneunaugen, Bachflöhe und wasserliebende Insekten. Allerdings funktioniere das nur, wenn diese natürlichen Staubecken durch Uferbewuchs beschattet werden, was entlang der Usa zum Glück aber oft der Fall sei.

Der Sonne ungeschützt ausgesetzt, heize sich das Wasser nämlich sehr schnell auf und verliere an gebundenem Sauerstoff, erklärt Doleschall. Er und Golla gehen davon aus, dass die Wasserqualität in den Hochtaunusbächen immer noch sehr gut ist, das werde in regelmäßigen Abständen auch immer wieder vom für die Überprüfung zuständigen Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) festgestellt und dokumentiert.

Qualität ist noch gut

Thorsten Willig vom Forstamt Königstein nennt die Wasserserven im Wald, soweit es die Rinnsale und Bächlein betrifft, momentan sehr knapp. „Es gibt dort bis in die Quellgebiete von Emsbachs und Liederbach hinein so gut wie kein Wasser mehr“, sagt er. Die Angelwarte seien in großer Sorge. Aus forstlicher Sicht sei „viel zu wenig Wasser im System“, was nicht nur ökologisch immer problematischer werde, sondern auch die Waldbrandgefahr dramatisch erhöhe.

Fast entspannt scheint dagegen Rainer Fritz zu sein. Er ist Vorsitzender des Fischereivereins Usingen und spricht angesichts der lang anhaltenden Trockenheit von einer zwar angespannten, aber nicht dramatischen Situation. „Wir haben im Hattsteinweiher und auch im Brunnenweiher, die von unseren Mitgliedern befischt werden, noch keine verendeten Fische bergen müssen. Der Brunnenweiher hat vom Kittelbach und vom Herzbergweiher her immer noch etwas Zulauf. In den Bächen werde es zwar immer trockener, es gebe aber genügend Gumpen, in denen die Fische überleben können, sagt Fritz. Gefischt werde derzeit wegen der Schonzeiten ohnehin nicht.

Thomas Steinforth, Sprecher der Stadt Bad Homburg, erklärt, dass man die Situation zwar genau beobachte, derzeit aber keine größeren Probleme beim Zustand der Bäche erkennen könne. In Bad Homburgs Gemarkung gebe es auf einer Länge von insgesamt 60 Kilometern zahlreiche Fließgewässer. Neben Erlenbach und Eschbach den Tiefenbach, Kirdorfer Bach, Heuchelbach und Dornbach, die alle in den Eschbach mündeten.

Steinforth verweist auf das vom HLNUG zur Verfügung gestellte Pegelportal www.hlnug.de/static/pegel/wiskiweb3/webpublic/#/overview/Wasserstand?filter=%7B%7D&period=P7D, dem die Wasserstände aller hessischer Fließgewässer fast in Echtzeit zu entnehmen sind. Danach hatte zum Beispiel der Erlenbach am 19. Juli, nachts um 3.15 Uhr, einen Pegelstand von immerhin 26 Zentimetern. Der Wasserstand im Eschbach bei Ober-Eschbach betrug am 20. Juli um 18.45 Uhr sogar 29 Zentimeter.