Behörde fordert mehr Wettbewerb und Preistransparenz bei Fernwärme


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14 Empfehlungen wurden von der Bundeswettbewerbsbehörde ausgearbeitet. Ein Missstand seien mehrstufige Vertragsstrukturen. Anschlusszwang sei zu überdenken.

Generaldirektorin der Bundeswettbewerbsbehörde Natalie Harsdorf

© APA / Georg Hochmuth

Generaldirektorin der Bundeswettbewerbsbehörde Natalie Harsdorf

vor 3 Minuten

6. Oktober 2026 um 12:14

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) drängt nach Vorlage ihres Abschlussberichts zur Fernwärme auf gesetzliche Änderungen. So gibt es für Fernwärme weder einen Regulator noch eine Schlichtungsstelle. BWB-Chefin Natalie Harsdorf forderte am Dienstag mehr Wettbewerb bei den Messdienstleistern, mehr Transparenz bei der Preisbildung und mehr Rechte für die Wärmeabnehmer. Anzeichen für einen Missbrauch der Monopolstellung fand die BWB nicht.

Laut BWB betrugen die Durchschnittserlöse bis 2021 ungefähr 7 bis 9 Cent pro Kilowattstunde (kWh). In den Jahren 2022 und 2023 sei es dann zu einem Anstieg der Erlöse um 4 bis 5 Cent pro kWh gekommen, allerdings seien, so die Kartellbehörde, auch die Kosten im Schnitt um 4 bis 5 Cent gestiegen. Haupttreiber waren demnach die Brennstoffe. Erdgas war 2024 mit 44 Prozent die wichtigste Wärmequelle, gefolgt von Biomasse mit 29 Prozent, Abwärme mit 14 Prozent und Müllverbrennung mit 11 Prozent.

Mehr Wettbewerb bei Messtechnikanbietern

„Das Fernwärmenetz ist ein natürliches Monopol, das bedeutet aber nicht, dass nicht andere Elemente dem Wettbewerb ausgesetzt werden sollten“, sagte Harsdorf in einer Pressekonferenz am Dienstag. Sie drängt darauf, dass Fernwärmeanbieter und Hausverwaltungen die Dienstleistungen für das Erfassen, Ablesen und Abrechnen des Energieverbrauchs regelmäßig ausschreiben und so für mehr Wettbewerb unter den Messtechnikanbietern sorgen, andernfalls brauche es hier eine Form der Regulierung. Der Submetering-Markt wird derzeit von den zwei Anbietern Ista und Techem dominiert.

Ein Missstand sind laut BWB auch die komplexen und mehrstufigen Vertragsstrukturen zwischen Fernwärmeanbietern, Hausverwaltungen und Dienstleistern. „Die BWB hat zwei Jahre gebraucht, da durchzusteigen“, – für Konsumentinnen und Konsumenten sei es schlicht unmöglich, so Harsdorf.

14 Empfehlungen

Die BWB hat insgesamt 14 Empfehlungen ausgearbeitet. So sollte der variable Preisanteil hoch sein, damit sich durch Energiesparen die Rechnung wirksam senken lässt. Handlungsbedarf ortet sie auch Mindestrechte, was Ratenzahlung, Mahnungen und die Abschaltung betrifft. Die BWB bemängelt zudem, dass es anders als bei Strom und Gas bei Fernwärme keine zuständige Regulierungsbehörde und keine Schlichtungsstelle gebe, an die sich Kundinnen und Kunden bei Beschwerden wenden könnten.

Harsdorf rät auch dazu, die Anschlusszwänge in mit Fernwärme versorgten Gebieten zu überdenken, um zumindest vor der Wahl des Heizsystems für Wettbewerb etwa mit Wärmepumpen zu sorgen. „Die Fernwärme sollte sich durch ihre Vorteile durchsetzen, nicht durch Zwänge“, so die Behördenleiterin. Harsdorf schränkte aber ein, die Untersuchung aus ökonomischer Sicht durchgeführt zu haben, energiepolitische Abwägungen seien nicht berücksichtigt worden.

Aus energiepolitischer Sicht kann eine Anschlusspflicht unter Umständen sinnvoll sein, weil die Fernwärme ihre Kostenvorteile erst dann ausspielen kann, wenn in einer Straße oder einem Siedlungsgebiet möglichst viele oder alle Häuser angeschlossen sind und es keine Parallelstrukturen wie Erdgasleitungen gibt.

Harsdorf räumte ein, dass es energiepolitisch andere Zielsetzungen gebe, dennoch sollten Fernwärmeanbieter beim Anschluss möglichst attraktive Einstiegsmodelle schaffen. Bei einem Anschlusszwang habe das Fernwärmeunternehmen keinen Anreiz, sich um den Kunden zu bemühen, weil er ohnehin anschließen muss.

Preise nicht vergleichbar

Ein Ergebnis der Branchenuntersuchung ist auch, dass die Preise der Fernwärmeanbieter sehr unterschiedlich und nicht miteinander vergleichbar sind. Zwar machten die Brennstoffkosten den Großteil des Fernwärmepreises aus, allerdings gebe es große Unterschiede beim Brennstoffmix und auch die Netzdichte spiele eine Rolle. So seien die Energieverluste in ländlichen Fernwärmenetzen um ein Vielfaches höher als in der Stadt. Während sich die Netzverluste in dicht verbauten Gebieten auf 10 Prozent oder darunter begrenzen lassen, könne es in dünn besiedelten Gegenden sein, dass die Hälfte der Energie am Weg verloren gehe.

Die BWB rät auch dazu, Industrieunternehmen mit viel Abwärme den Zugang zum Fernwärmenetz zu erleichtern. Hier gebe es zwar eine EU-Richtlinie, diese sei allerdings in Österreich bisher nicht umgesetzt worden, so Harsdorf.

In Österreich wird ein Drittel aller Haushalte mit Fernwärme versorgt. Das Netz wächst jährlich im Schnitt um 120 Kilometer. Die Branchenuntersuchung war Folge eines starken Anstiegs der Beschwerden nach der Energiekrise 2022 und dauerte zwei Jahre. Untersucht wurden österreichweit 37 Fernwärmeanbieter mit 290 Netzgebieten. Eine Alternative zum Monopol sehen aber selbst die Wettbewerbshüter nicht - umso wichtiger seien ein klarer Rechtsrahmen, transparente Preise und eine wirksame Kontrolle.