„Würde mich freuen, wenn es eine Möglichkeit gäbe...“: Kommt es zum Köhler-Comeback bei der Eintracht?
Benjamin Köhler öffnet Tür für eine Rückkehr zur Eintracht
Stand: 19.08.2026, 06:30 Uhr
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Benjamin Köhler hat fast neun Jahre für Eintracht Frankfurt gespielt. Er blickt weiter auf seinen Ex-Klub und ist offen für ein Comeback.
Frankfurt – Entspannt und gut gelaunt saß Benjamin Köhler bei dem rund einstündigen Gespräch in seinem Sessel im Büro in Berlin. Der 46-Jährige hat von 2014 bis Januar 2023 für Eintracht Frankfurt gespielt und 257 Partien für den hessischen Traditionsverein bestritten. Im Gespräch mit Absolut Eintracht hat der Ex-Profi über seine Zeit in Frankfurt gesprochen und sich für ein Engagement beim ehemaligen Klub angeboten.

Benjamin Köhler, wo erwischen wir Sie gerade?
In meiner Heimat Berlin, die immer noch mein Lebensmittelpunkt ist. 2013 bin ich dorthin zu Union Berlin zurückgewechselt, und bis heute lebe ich hier.
Vor elf Jahren wurde bei Ihnen eine Tumorerkrankung bekannt, die im selben Jahr für geheilt erklärt wurde. Im Juli haben Sie Ihren elften „zweiten Geburtstag“ gefeiert. Wie geht es Ihnen heute?
Mir geht es sehr gut, danke der Nachfrage. Ich sage übrigens immer bewusst „zweiter Geburtstag“, auch wenn andere ihn „erster Geburtstag“ nennen. Ich bin dankbar, dass ich heute hier sitzen darf. Eine solche Zeit lehrt einen andere, wichtige Dinge und Werte. Das habe ich mitgenommen und trage es bis heute mit mir.
Sie sehen der Figur nach immer noch so aus, als könnten Sie Profifußball spielen. Wie schaffen Sie das?
Solch eine Geschichte wie meine regt zum Nachdenken an. Man versucht, Dinge anders zu machen. Gesundheit ist das Wichtigste, was man hat. Aber das merkt man erst richtig, wenn etwas Schwieriges passiert. Ich achte inzwischen mehr auf meine Ernährung und mache viel Fitness. Aber ich will das Leben auch genießen, man lebt schließlich nur einmal. Ich glaube, ich habe für mich einen guten Mittelweg gefunden – bei Ernährung, Sport und auch bei Themen wie Resilienz und mentaler Stärke.
Was machen Sie heute genau?
Nach meiner aktiven Karriere hatte ich noch ein Intermezzo mit einem Eiscafé, das war schnell wieder vorbei. Danach habe ich mich bewusst zurückgenommen und mich gefragt: Wer bin ich eigentlich, was will ich? In den vergangenen zwei, drei Jahren habe ich mich intensiv mit Resilienz, mentaler Stärke, dem Umgang mit Rückschlägen und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Das ist der Weg, den ich weitergeben möchte und wo ich einen echten Mehrwert bieten kann.
Kommen wir zu Ihrem sportlichen Werdegang. Sie haben in achteinhalb Jahren 257 Partien für die Eintracht bestritten. Was hat den Verein ausgezeichnet, dass Sie so lange geblieben sind?
Am Ende bin ich jemand, der sich wohlfühlen muss. Und dieses Gefühl hat mir die Eintracht immer gegeben. Wir hatten einen großen Kern an Spielern, der lange zusammenblieb, dazu die Fankultur, die in Deutschland fast einmalig ist. Das waren mehrere Punkte, die mich haben sagen lassen: Das ist mein Verein. Ich hätte gerne noch länger gespielt, das hat leider nicht geklappt, aber fast neun Jahre sind schon eine lange Zeit. Wohlfühlen, Mitspieler, Fanszene – alles drumherum hat einfach gepasst. Deshalb hatte ich nie den Gedanken, den Verein zu wechseln.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Tor für die Eintracht?
Selbstverständlich, ich könnte fast jede Szene noch genau erzählen. So etwas vergisst man nicht. Frankfurt war wirklich mein Sprungbrett, wo ich – mit 24 Jahren relativ spät – meinen Durchbruch geschafft habe. Das war wohl auch meine letzte Chance. Es war gegen Karlsruhe, das erste Punktspiel im heimischen Waldstadion: langer Ball, ich stelle meinen Körper rein, nehme ihn an, lasse noch zwei Gegenspieler aussteigen und schließe dann mit rechts oben in den Winkel ab.
Sie wurden als Linksfuß angepriesen und treffen dann mit rechts in den Winkel. Welche Gefühle löst ein solches Tor aus?
Das ist schon lange her, aber es sind einfach Glücksgefühle, die man kaum beschreiben kann. Klar, es war die zweite Liga, aber immerhin das erste Heimspiel. Ich mache das wichtige 2:0 – das war ein unbeschreibliches Gefühl. Man denkt in dem Moment, man könnte Bäume ausreißen, und hat Glücksgefühle pur.
Der Kern des Teams hat auch nach dem Aufstieg noch viele Jahre zusammengespielt. Ist diese Kaderkonstanz heute noch möglich?
Das ist schwierig, weil sich das Fußballgeschäft stark verändert hat. Alles ist schneller geworden, auch die finanziellen Dimensionen haben sich extrem verschoben. Ich glaube, es wird das vereinzelt noch geben, aber wichtig ist es allemal. Wir reden nicht von elf Spielern, sondern von drei, vier, fünf, die im Kern bleiben. Das wünschen sich Fans, die sich mit dem Verein identifizieren. Wir waren damals nicht mit Stars besetzt, sondern mit vielen jungen Spielern. Wenn ein solcher Kern lange zusammenbleibt, schweißt das zusammen – egal ob in der dritten Liga oder der Champions League.
Es gab allerdings auch raue Zeiten. In der Saison 2008/09 wurden Sie zusammen mit Alexander Meier von den Fans sehr kritisch gesehen. Wie sind Sie mit dieser Stimmung umgegangen?
Alex und ich waren neun Jahre komplett zusammen, wir haben sogar das Zimmer geteilt. Warum es gerade uns beide getroffen hat, kann ich nicht genau sagen. Wir waren nicht die Lautsprecher, standen nicht ständig mit Schlagzeilen in den Medien. Vielleicht waren die Fans enttäuscht, weil wir immer abgeliefert hatten und es dann mal nicht so gut lief. Uns wurde auch nachgesagt, wir würden nicht alles auf dem Platz geben. Das lag wohl an unserer Körperhaltung, unserer eher leichtfüßigen Spielweise.
Können Sie das genauer erklären?
Das war einfach unsere Art zu spielen, hatte aber nichts damit zu tun, wie viel wir für den Verein gegeben haben. Die Pfiffe haben einen trotzdem mitgenommen. Wir haben uns damals gesagt: Mund abputzen, weiter geht‘s. Ich glaube, die Fans haben dann auch gesehen, dass wir weiter Gas gegeben haben, und am Ende hat sich alles wieder gedreht. Genau deshalb beschäftige ich mich heute mit mentaler Stärke, Resilienz und dem Umgang mit Rückschlägen.
Von außen sieht man immer nur das schöne Bild – Fußballprofi, angeblich Millionen, ein schönes Leben –, aber was dahintersteckt, sehen die wenigsten. Man muss für sich entscheiden: Ziehe ich mich jetzt zurück, oder sage ich mir: „Jetzt erst recht“? Das haben wir damals gemacht, und es hat funktioniert. Frankfurt trägt einen eben auf Händen, wenn es läuft – aber genauso kann es andersherum sein. Das gehört zur Eintracht dazu, und man muss lernen, damit umzugehen.
Alex Meier ist inzwischen Co-Trainer unter Adi Hütter. Wie haben Sie ihn als Menschen erlebt?
Über Alex und mich könnte ich wirklich ein ganzes Buch schreiben, wir haben so viel erlebt. Er ist ein eigener Typ. Alex ist ruhig, er mag keine große Show und muss nicht im Mittelpunkt stehen. Privat habe ich mich super mit ihm verstanden. Dass er Trainer wird, war für mich eigentlich absehbar, auch wenn ich es mir früher von seiner Art her nie gedacht hätte.
Er hat aber schon immer gesagt, dass er nach seiner Karriere Trainer werden will. Alex hat großes Fußballverständnis, ist nicht der Lauteste, aber ich glaube, das Wichtigste ist, dass die Leute ihm zuhören und ihm vertrauen. Und da hat er eine enorme Fachkompetenz.
Christoph Preuß, heute Teammanager bei der Eintracht, war ebenfalls Ihr Mitspieler. Wie haben Sie ihn erlebt?
Mit Christoph Preuß war ich privat nicht so eng, aber er war ein Leader und ein Vorbild. Christoph war diszipliniert, ehrgeizig, einfach jemand, an dem man sich orientieren konnte. Er war Eintracht pur, hat immer hundert Prozent gegeben, in jedem Training und jedem Spiel. Er hatte leider etwas Verletzungspech und musste seine Karriere früher beenden. Ansonsten war Christoph ein ganz feiner, bodenständiger Kerl. Die Eintracht kann sich glücklich schätzen, ihn als Teammanager zu haben.
Und mit Franco Leonti hat die Eintracht einen Zeugwart, der seit fast 30 Jahren beim Verein ist. War er auch wichtig für die Kabine?
Franco Lionti ist ein typischer Italiener. Er ist voller Emotionen, im Guten wie im Schlechten. Franco ist ein echtes Urgestein und ein Kumpeltyp. Er ist für jeden Spaß zu haben und kennt den Verein in- und auswendig. Franco Lionti lebt Eintracht Frankfurt. Nur bei Klamotten und Ausrüstung war er früher manchmal etwas stur, da musste man schon mal für ein paar Stutzen extra kämpfen (lacht).
Wie wichtig sind solche langjährigen Vereinsgesichter für den Zusammenhalt in der Kabine?
Wenn so ein Kern da ist, werden neue Spieler viel leichter integriert. Sie werden gut aufgenommen, hören einem zu, man genießt einen gewissen Respekt. Das schweißt zusammen. Bei uns hat es kaum eine Woche gedauert, bis sich neue Spieler fühlten, als würden sie den Verein schon ein halbes Jahr kennen.
Waren Sie selbst so etwas wie der Connector in der Kabine?
Ich war immer für jeden Spaß zu haben, auch wenn ich auf dem Platz kein Lautsprecher war. Außerhalb des Feldes habe ich viel gelacht und Verbindungen aufgebaut, ohne es damals selbst so bewusst wahrzunehmen. Die Leute kommen dann automatisch auf einen zu. Und am Ende hat es funktioniert, wir waren relativ erfolgreich.
Als ich zur Eintracht kam, stand der Verein fast vor der Insolvenz. Ich glaube, wir haben der Eintracht damals den Weg dahin geebnet, wo sie heute steht. Wir waren der Startschuss, und was danach kam – der Aufstieg, der DFB-Pokal, die Europa League – macht mich immer noch stolz. Ich verfolge den Verein bis heute sehr intensiv.
Ihre Verbindung zum Klub ist weiterhin spürbar. Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft wieder in einer Rolle bei der Eintracht tätig zu sein?
Ich würde mich freuen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, wo meine Expertise ein Mehrwert für die Eintracht sein könnte. Es gab schon das ein oder andere kleinere Gespräch, nichts Konkretes bisher, aber mit dem Gedanken spiele ich bereits. Mein Kernthema wäre Persönlichkeitsentwicklung, Resilienz, Motivation und der Umgang mit Rückschlägen. Das sind Themen, bei denen ich aus der Praxis sprechen kann. Ich sehe da eine Lücke, auch im Umgang mit Medien und in der Außendarstellung, die ich gerne bei jungen Spielern schließen würde.