Bergkirche wird 60: In nur zwei Jahren gebaut – heute undenkbar


Stand: 03.09.2026, 18:00 Uhr

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Frankfurt am Main, 08.2026, Stadtteil Sachsenhausen,  Hainerweg, Gottesdienst auf dem Turm der Bergkiche.(c) Foto: Rainer Rüffer (Rueffer)

Jeden Monat lädt Pfarrerin Silke Alves-Christe zum Turmgebet ein. Über die Wendeltreppe geht es hinauf. © Rainer Rüffer

Die Bergkirche in Frankfurt-Sachsenhausen feiert am Sonntag ihr 60-jähriges Bestehen. Architekt Werner Neumann vollendete den Bau zwischen 1964 und 1966 in Rekordzeit.

Sachsenhausen – Die Schriftzeichen AD (Anno Domini) 1966 sind unscheinbar in den Beton rechts vom Kircheneingang eingelassen. Silke Alves-Christe macht auf die Inschrift aufmerksam: „Viele laufen daran vorbei, ohne sie je zu sehen“, weiß die Pfarrerin der Dreikönigsgemeinde. Gleich stimmt sie das monatliche Turmgebet an. Das Thema des Gebets sind die zurückliegenden 60 Jahre Bergkirche. Dabei ist das Kirchengebäude zehn Jahre jünger als die Gemeinde selbst.

Frankfurt am Main, 02.01.2012, Stadtteil Sachsenhausen, Bergkirche, hainer Weg 157, Protest-Transparent mit BIbelspruch gegen den Fluglärm von der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens.Copyright und Foto: Rainer Rüffer, TEL-Mobil: (0171 8406196) E-Mail:         rainer.rueffer@googlemail.com

Lange hingen „biblische“ Protest-Transparente gegen den Fluglärm am Kirchturm. © rr/Frankfurt-Picture, Rainer Rüffe

„1956 wurde die Gemeinde gegründet. Die Gottesdienste fanden in der Friedhofskirche statt“, erzählt Alves-Christe. Am 24. Mai 1964 wurde dann der Grundstein für das Kirchengebäude gelegt. Architekt war Werner Neumann, der in den 1960ern sechs Kirchen in Frankfurt erschuf. „In nur zwei Jahren wurde sie gebaut und am 21. August 1966 eingeweiht. Heute würde man das gar nicht schaffen“, sagt sie und blickt staunend in die Runde der Turmbesteiger.

Das Turmgebet ist längst eine Institution: Einmal im Monat in den Sommermonaten lädt die Gemeinde zum Aufstieg ein. Dieses Mal wird auf jedem der sieben Balkone ein Abschnitt des Psalms 121 gesprochen, und jeder Balkon steht für einen Lebensabschnitt, von der Taufe über Konfirmation und Trauung bis zum Tod.

Einen Balkon widmet Alves-Christe dem gesellschaftlichen Engagement: „Das halte ich für einen wichtigen Bestandteil des Lebens und auch unseres Wirkens als Gemeinde“, sagt die engagierte Pfarrerin. Als 2012 die Flugzeuge direkt über die Kirche flogen und die gesamte Nachbarschaft „plötzlich im Schock lebte“, bot die Bergkirche einen Ort des Austauschs. Und wurde dann auch fast zum Symbol der Gegenwehr: ein großes Protestplakat wehte lange am Kirchturm. „Als sich die Bürgerinitiative Sachsenhausen gründete und Versammlungsräume suchte, öffneten wir die Kirche“, erinnert sich die Pfarrerin an die Anfänge des Kampfs um ein Nachtflugverbot, der noch immer andauert.

Die Bergkirche war und ist vielen Menschen am Sachsenhäuser Berg ein wichtiger Anker im Leben, sagt auch Roswitha Kleck. Die Sachsenhäuserin ist seit Jahrzehnten im Kirchenvorstand und im monatlichen Trauercafé aktiv. „Ich fand die Kirche als Jugendliche immer hässlich. Aber sie ist mir im Lauf der Zeit ans Herz gewachsen“, schildert sie. „Ich wurde hier getauft, konfirmiert, habe geheiratet.“ Besonders schön findet sie das von Kindern gestaltete Adventsbild, das über dem Altar hängt und übers Jahr abgehängt ist. Auch die Kirchenpräsidentin Christiane Tietz hatte sich als Kind darauf verewigt.

1996 fusionierte die Berggemeinde mit der Dreikönigskirche. Und seit einer Weile und auch in Zukunft stehen Umbrüche an: Beide evangelischen Gemeinden von Sachsenhausen, Maria-Magdalena und Dreikönig, sowie die Oberräder Erlösergemeinde haben sich organisatorisch zusammengeschlossen. Die Pfarrer und Pfarrerinnen sollen künftig turnusmäßig zwischen den Kirchen wechseln. Der Bergkirche zugeordnet ist derzeit noch Pfarrerin Johanna Bergner, die 2023 auf Thomas Sinning folgte.

Am Sonntag, 6. September, steht das große Jubiläumsfest an, das im Rahmen des ökumenischen Sommerfests mit St. Wendel gefeiert wird. Es beginnt um 11 Uhr mit einem Gottesdienst in der Bergkirche. Beim anschließenden Fest sind Fotos aus sechs Jahrzehnten ausgestellt, es gibt ein Quiz und einen Vortrag von Wolfgang Voigt vom Architekturmuseum. Zudem gibt es reichlich Apfelkuchen und weiteres für Leib und Seele.