Berliner nehmen Pokalhürde in Braunschweig: Marin Ljubičić erlöst den 1. FC Union – und sich selbst
Die meisten Spieler des 1. FC Union Berlin waren schon in der Kabine, als ein Schrei ertönte. „Ljubičić!“, hallte es langgezogen durch die Katakomben des Braunschweiger Stadions. Der Mann des Tages fehlte. Nach seiner Glanzleistung mit zwei Treffern und einer Vorlage in knapp 30 Minuten befand sich Marin Ljubičić noch auf der Ehrenrunde. Erst zu den Fans, dann zum Fernsehen, schließlich in die Mixed Zone – der kroatische Stürmer war gefragt wie nie beim 1. FC Union Berlin.
„Ich bin sehr glücklich. Für mich, für das Team, für den Klub“, sagte der 24 Jahre alte Ljubičić zurückhaltend. Dass der Fußball-Bundesligist aus Berlin-Köpenick die erste Runde des DFB-Pokals mit einem 4:2 (1:1) bei Eintracht Braunschweig überstand, hatte er vor allem dem zuvor oft glücklosen Stürmer zu verdanken. „Marin hat sehr hart gearbeitet. Als Stürmer hast du die schöne Aufgabe, die Arbeit des Teams zu belohnen“, sagte sein Trainer Mauro Lustrinelli. „Das hat er heute gemacht.“
Als Ljubičić in der 62. Minute eingewechselt wurde, hatten sich die Prognosen zum Leidwesen der Berliner bewahrheitet. Zweitligist Braunschweig war als wahrscheinlich unangenehmster Gegner bewertet worden, den man in der ersten Runde erwischen kann. Die Eintracht machte Union das Leben schwer und führte durch einen Doppelpack von Max Marie verdient mit 2:1.
Ein Klassenunterschied ließ sich nicht erkennen und besonders der flinke Aaron Opuko auf der linken Außenbahn bereitete dem Favoriten enorme Probleme. Bei Union ging aus dem Spiel nicht viel. Vom aktiveren und offensiveren Fußball, den die Berliner unter Lustrinelli spielen wollen, war noch nichts zu erkennen.
So waren es mal wieder die alten Stärken, von denen das Team profitierte. Flanke um Flanke segelte in den Strafraum und die Tore fielen nach Standards. Das 1:1 hatte Zeno Van den Bosch nach einer Ecke von Josip Juranovic erzielt und dabei gezeigt, dass er zumindest in Sachen Torgefahr ein adäquater Nachfolger von Danilho Doekhi ist.

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In der 63. Minute war es dann erneut ein Eckball des Kroaten. Am ersten Pfosten setzte sich der gerade erst eingewechselte Ljubičić per Kopf durch und verlängerte auf Tom Rothe, der aus Nahdistanz den Ausgleich erzielte.
Neun Minuten später staubte Ljubičić selbst per Kopf ab, nachdem Braunschweigs Torwart einen Schuss von Ilyas Ansah gerade noch so parieren konnte. „Mit den Wechseln konnten wir das Spiel ändern“, sagte Lustrinelli. Als die Eintracht in der Nachspielzeit alles nach vorne warf, erzielte Ljubičić auch noch sein zweites Tor.
Ljubičić stieg mit Düsseldorf ab
Nach schweren Monaten und Jahren war das Spiel wie ein Befreiungsschlag für den Kroaten – und das war ihm beim Jubel auch anzusehen. Im Februar 2025 war er vom Linzer ASK zu Union gewechselt. In seinem Debüt weckte er mit einem Tor und einer Vorlage Erwartungen, die er in der Folge aber nicht erfüllen konnte.
Meist kam er nur für wenige Minuten ins Spiel, in der Hinrunde der vergangenen Saison war er unter Steffen Baumgart komplett außen vor. Erst in der Rückrunde kam er zu seinen ersten zwei Kurzeinsätzen, traf jeweils, wurde dann aber an Fortuna Düsseldorf verliehen. Verletzungsbedingt kam er auch dort nur zehnmal zum Einsatz, schoss ein Tor und stieg in die Dritte Liga ab. „Es war nicht mein bestes Jahr, aber ich bin zurück und will zeigen, dass ich hierhergehöre“, sagte Ljubičić nun.
Ich möchte bleiben, weil ich glaube, dass ich dem Team helfen kann.
Marin Ljubičić
In der Stürmerhierarchie lag er in der Vorbereitung bisher deutlich hinter Ansah und Neuzugang Emmanuel Latte Lath. Auch Andrej Ilić, der aktuell unter den Nachwirkungen einer Lebensmittelvergiftung leidet, steht in der Rangfolge vor ihm.
Von Rani Khedira gab es dennoch ein großes Lob. Auch in den Phasen, in denen er nicht zum Einsatz gekommen ist, habe er sich nie hängen lassen. „Er hat eine längere Leidenszeit hinter sich und hat es sich einfach verdient. So einen Spielertyp haben wir nicht im Kader, daher wird er uns sicherlich noch guttun“, sagte der Mittelfeldspieler.
Ljubičić hofft nach seinem starken Jokerauftritt auf weitere Chancen. „Es wird nicht immer sein wie heute, aber ich werde immer 100 Prozent geben“, sagte Ljubičić. Es sei zwar nichts entschieden, „aber ich möchte bleiben, weil ich glaube, dass ich dem Team helfen kann.“