Brasilianische Schüler in Babenhausen: „Hier haben wir Freiheit"


Stand: 05.10.2026, 08:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Deutsch-brasilianisches Gruppenbild beim Abschluss-Grillfest auf dem Gelände des Hergershäuser Turnvereins.

Deutsch-brasilianisches Gruppenbild beim Abschluss-Grillfest auf dem Gelände des Hergershäuser Turnvereins. © Petra Grimm

21 Schüler aus Rio de Janeiro verbrachten fünf Tage in Babenhausen – in Gastfamilien und im Unterricht der Joachim-Schumann-Schule. Zu Hause dürfen sie öffentliche Verkehrsmittel aus Sicherheitsgründen nicht alleine nutzen.

Babenhausen – Die Luftlinie zwischen Babenhausen und Rio de Janeiro beträgt etwa 9.590 Kilometer. Wer in die eine oder andere Richtung geflogen ist, landet nicht nur auf einem anderen Kontinent, sondern auch in einer anderen Welt. So kann man zumindest die brasilianischen Schüler und Lehrer verstehen, die beim Grillfest auf dem Gelände des Hergershäuser Turnvereins, über ihre Erfahrungen nach einer Woche Aufenthalt in Babenhausen sprechen. Der fröhlichen Abschlussfeier vorausgegangen waren ein Besuch des Aschaffenburger Pompejanums, Führungen in der Seligenstädter und Babenhäuser Altstadt, eine Wanderung am Rhein und ein Abstecher nach Rüdesheim. Natürlich wurde auch der Unterricht in der Joachim-Schumann-Schule (JSS) besucht. Als musikalischen Willkommengruß hatte die Schulband „Girl from Ipanema“ einstudiert.

Seit zwei Jahren besteht der Kontakt zwischen der JSS und der Escola Alema Corcovado, einer deutschen Schule in Rio de Janeiro. Nun waren zum zweiten Mal 21 junge Brasilianer und ihre Lehrer für fünf Tage in Babenhausen zu Gast, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen und deutsche Kultur und Alltagsleben in Gastfamilien zu erfahren.

Und der Austausch über den großen Teich läuft gut: Der erste Besuch einer Gruppe brasilianischer Schüler und Lehrer war 2024, im Folgejahr sind die Babenhäuser Schüler an den Zuckerhut gereist, jetzt war wieder Gegenbesuch. „Und im Mai kommenden Jahres fliegen wir wieder nach Brasilien“, sagt Lehrer Andreas Murmann, der die seit 30 Jahren an der Gesamtschule durchgeführten EU- und Erasmus-Projekte koordiniert und Schüleraustausche organisiert. So kamen Jugendliche aus Babenhausen immer wieder mit Gleichaltrigen etwa aus Irland, Portugal, Spanien, Litauen und Griechenland zusammen.

Lob für Sicherheit in Deutschland

Der Kontakt zur brasilianischen Schule mit dem Schwerpunkt auf deutscher Sprache und Kultur kam über eine deutsche Lehrerin zustande, die früher an der JSS unterrichtet hat und inzwischen an der Escola Alema Corcovado arbeitet. Sie war bei diesem Austausch nicht dabei, aber ihre brasilianische Kollegin Virginia Granadeiro, die auf die Frage nach auffälligen Unterschieden zwischen beiden Ländern sagt: „Die Größe der Stadt ist für mich ein großer Unterschied. Hier sind wir nach zwei Kilometern in einer anderen Stadt, in Rio wäre es ein anderer Stadtteil. Außerdem sind die deutschen Kinder selbstständiger und dürfen mehr alleine machen“, sagt sie und schiebt hinterher: „Die Deutschen sind leiser.“

Dass Babenhausen „still und sicher“ ist und man „alles zu Fuß machen kann“, lobt auch der 13-jährige Rafael, der als Kind bereits einmal in Deutschland war. Er wünsche sich, dass es in seiner Heimat nicht so gefährlich wäre. Vor allem auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die die befragten Schüler aus Sicherheitsgründen nicht alleine benutzen. Schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Wie war der Kontakt zu den deutschen Jugendlichen? „Gut, aber die deutschen Kinder haben andere Themen und ziehen sich anders an als wir“, erzählt Rafael in hervorragendem Deutsch. Das wichtigste Thema für die meisten brasilianischen Jungs scheint Fußball zu sein, wie an den Outfits sichtbar wird. „Unser großes Thema ist Fußball“, sagt Rafael, der auf der deutschen Schule ist, weil er später gerne in Europa studieren möchte. Die 13-jährige Manuela bringt die Erfahrungen der Gastschüler gut auf den Punkt: „Hier haben wir Freiheit.“

Nach dem Aufenthalt in Babenhausen geht es für die Truppe noch weiter quer durch Deutschland: Köln, Potsdam, Dresden, Nürnberg, München, die Zugspitze, der Bodensee und Freiburg. Das will bis zur Rückreise am 11. Oktober alles noch besichtigt werden. Dann gehen sie wieder in ihre von hohen Zäunen gesicherte und bewachte Schule, mit Sicherheitskontrollen und Einchecken am Eingang.