Chauffeur Google kommt nach Zürich: Robotaxi-Firma Waymo gründet Schweizer GmbH
Chauffeur Google geht an den Start: Robotaxi-Firma Waymo gründet eine Schweizer Niederlassung
Das Google-Schwesterunternehmen Waymo hat sich im Handelsregister eintragen lassen. Auf den Schweizer Strassen zeichnet sich ein Duell mit Uber um die Vorherrschaft im autonomen Taxi-Geschäft ab.
08.08.2026, 21.45 Uhr
4 Leseminuten

In Los Angeles ein gewohntes Bild: Ein Robotaxi der Google-Tochter Waymo.
Mike Blake / REUTERS
In San Francisco gehören sie zum Stadtbild, in der chinesischen Tech-Metropole Shenzhen ebenso. Und bald dürfte man sie auch durch Zürich kurven sehen. Taxis, ausgestattet mit Kameras, Radaren und Lasersensoren, aber ohne Chauffeur.
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Diesen braucht es nicht mehr.
Waymo ist eine Tochter des Alphabet-Konzerns, zu welchem auch Google gehört, und gilt als weltweit führend in Sachen Robotaxis. Nun hat die Firma in der Schweiz eine Niederlassung gegründet, wie aus dem Handelsregister hervorgeht. Der eingetragene Sitz ist am Gustav-Gull-Platz in der Nähe der Zürcher Langstrasse. Genau an derselben Adresse, an der auch Google Schweiz daheim ist.
Auf Anfrage will sich Google Schweiz nicht äussern. Waymo gibt sich ebenfalls Silicon-Valley-typisch wortkarg und bestätigt nur internationale Ambitionen.
Doch der Eintrag im Zürcher Handelsregister lässt keine Zweifel daran, worum es der Waymo Switzerland GmbH geht: «Die Gesellschaft bezweckt die Erbringung von Ride-Hailing und damit zusammenhängenden Mobilitätsdienstleistungen unter Einsatz autonomer Fahrzeuge.»
Buchbar ist Waymo über eine eigene App. Die Firma operiert derzeit in elf amerikanischen Städten, hat aber eine massive Expansion gestartet. Zum einen sollen neue amerikanische Städte hinzukommen. Zum anderen soll das Angebot in Metropolitanregionen auf der ganzen Welt erschlossen werden.
In London und Tokio wurde der regulatorische Prozess gestartet. In anderen europäischen Ländern, etwa Spanien oder Deutschland, wurden wie in der Schweiz GmbHs gegründet, aber noch keine konkreten Pläne kommuniziert.
Die Schweiz ist in Europa führend
Angetrieben wird die Expansion durch eine Kapitalerhöhung im vergangenen Februar im Wert von 16 Milliarden Dollar. Alphabet hat selbst 13 Milliarden eingeschossen. An Waymo beteiligt sind aber auch bekannte Investmentgesellschaften aus der amerikanischen Tech-Welt wie A16Z von Andreessen Horowitz, Silver Lake oder Sequoia Capital, wobei Alphabet über 80 Prozent der Firma kontrolliert.
Dass im Rahmen der internationalen Expansion auch die Schweiz ins Visier genommen wird, ergibt aus zwei Gründen Sinn. Zum einen ist Zürich der grösste Google-Forschungsstandort ausserhalb der USA. Mit über 5000 Angestellten stehen potenzielle, hausinterne Kunden also schon bereit.
Und zum anderen, weil die Schweiz für europäische Verhältnisse sehr fortschrittlich ist, was automatisiertes Fahren angeht. Im März 2025 hat der Bund eine weitreichende Gesetzesänderung vorgenommen.
Drei Dinge wurden erlaubt: das Einschalten des Autopiloten auf der Autobahn, das selbständige Einparkieren unter Aufsicht – und Robotaxis. Zumindest im Pilotbetrieb. Einen solchen kann man beim Bundesamt für Strassen (Astra) beantragen.
Einfach so loslegen geht nicht. Das Astra schreibt: «Zentral sind ein konkretes und vollständig dokumentiertes Gesuch, der Nachweis der technischen und betrieblichen Sicherheit, ein klar definiertes Einsatzgebiet, ein tragfähiges Risikomanagement sowie die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen.»
Das Problem: Noch gibt es kein zugelassenes, vollständig autonom operierendes Fahrzeug für die Schweizer Strassen. Und solange das so ist, dürfen Robotaxis nur in einem eng abgesteckten Rahmen unterwegs sein.
Gemäss dem Astra hat weder Waymo noch der Konkurrent Uber bisher ein Gesuch für einen Pilotbetrieb mit Robotaxis eingereicht.
Insbesondere bei Uber überrascht das, da die Fahrtenvermittlungsplattform angekündigt hat, in der Schweiz noch dieses Jahr autonome Fahrzeuge loszuschicken. Dafür arbeitet Uber mit dem chinesischen Unternehmen WeRide sowie Rydera, einem Schweizer Flottenmanagementunternehmen, zusammen. Auf Anfrage äussert sich Uber nicht zum weiteren Vorgehen.
Waymo gegen Uber
Es zeichnet sich jedoch ab, dass es in der Schweiz im Bereich Robotaxis zu einem Konkurrenzkampf zwischen Waymo und Uber kommt.
Die beiden Techgiganten pflegen ein ambivalentes Verhältnis. In San Francisco hat Waymo bereits eine grosse Flotte mit eigenen autonomen Fahrzeugen in Betrieb. Die Google-Schwester konkurrenziert dort direkt Uber-Autos, die entweder durch menschliche Fahrer oder im autonomen Betrieb gesteuert werden.
In zwei amerikanischen Städten kooperieren die beiden Mobilitätsfirmen jedoch miteinander: In Atlanta und Austin kann man Waymo-Taxis über die Uber-App buchen. Da Uber in der Schweiz aber auf Technologie des chinesischen Unternehmens WeRide setzt, ist ein Zusammenspannen kaum wahrscheinlich.
Wovon man ausgehen kann: Waymo und Uber haben kaufkräftige Taxikunden in urbanen Gebieten im Visier. Starten dürften sie in Zürich, um von dort aus dann nach und nach andere Gebiete zu erschliessen. So machte es jedenfalls Uber, als der Dienst 2013 in die Schweiz kam.
Dabei sieht man die Chancen des automatisierten Fahrens hierzulande eigentlich eher in den Randregionen, wo sich ein ÖV-Angebot nicht lohnt. Derzeit gibt es gemäss dem Astra drei laufende Pilotbetriebe von autonomen Fahrzeugen mit Passagieren: einen mit Bussen und zwei mit Robotaxi-Flotten, an denen teilweise Postauto und die SBB beteiligt sind. Alle drei haben gemein: Sie testen in schlecht erschlossenen Gebieten, wie die Technologie den öffentlichen Verkehr ergänzen könnte.
Die Pilotbetriebe durchlaufen mehrere Stufen. Am Anfang ist ein Sicherheitsfahrer hinter dem Steuer. Später werden die Autos von Operateuren aus der Ferne überwacht. Ein ähnliches Konzept müssten auch Waymo und Uber einreichen.
Klar ist, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis Robotaxis in der Schweiz flächendeckend eingesetzt werden können. Der Verband Swiss Association for Autonomous Mobility (SAAM) geht davon aus, dass der Regelbetrieb mit solchen Fahrzeugen irgendwann zwischen 2030 und 2035 erfolgen wird.
Zum Markteintritt von Waymo sagt der Verband: «Jeder Anbieter, der sich für die Schweiz interessiert, ist willkommen.»
Taxikunden, die auf Schnäppchenpreise hoffen, dürften aber enttäuscht werden. Obwohl Waymo ohne Fahrer auskommt, ist der Grundtarif in den USA meist etwas höher als bei herkömmlichen Taxidiensten. Der Grund sind die massiven Investitionen in die Technologie.
Was man sich beim Robotaxi allerdings sparen kann, ist das Trinkgeld für den Chauffeur. Rechnet man dieses mit, dann ist Waymo in der Regel günstiger als seine von Menschenhand gesteuerten Konkurrenten.
Die Schweiz jedenfalls scheint bereit für autonome Verkehrsdienstleister. Wirtschaftsminister und Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich angesichts einer Waymo-Testfahrt in San Francisco begeistert. Und selbst der Schweizerische Nutzfahrzeugverband (Astag), der auch Schweizer Taxiunternehmen vertritt, zeigt sich zuversichtlich: «Robotaxis ergänzen das Angebot. Traditionelle Taxidienste werden weiterhin gefragt bleiben.»
Ob diese Hoffnung zutrifft, wird sich noch zeigen müssen. Dass der Schweizer Verkehr vor massiven Veränderungen steht, ist hingegen absehbar.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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