Cybercab: US-Behörden leiten umgehend Ermittlungen gegen Musks neue Robotaxis ein
Verkehrrsicherheit
Cybercab: US-Behörden leiten umgehend Ermittlungen gegen Musks neue Robotaxis ein
Die neuen Fahrzeuge kommen ohne Lenkrad und Pedale, das ist ohne Extragenehmigung derzeit aber nicht erlaubt. Tesla-Anleger zeigen sich vom Launch enttäuscht
Andreas Proschofsky
Wenn eine der Firmen von Elon Musk etwas neues vorzuzeigen hat, dann passiert das üblicherweise mit großem Brimborium. Umso überraschender war, wie reduziert der Launch der Cybercabs verlief. Lediglich ein paar handverlesene Tesla-Influencer waren am Donnerstagabend ins texanische Austin geladen, um den Start jener Robotaxis miterleben zu dürfen, für die Elon Musk noch ein Jahr zuvor massiv geworben hatte. Auch Musk selbst glänzte beim aktuellen Start mit Abwesenheit.
Umgehende Untersuchung
Andere haben dieses Ereignis hingegen sehr genau im Blick: Die US-Verkehrsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat umgehend eine Untersuchung gegen Tesla eingeleitet. Der Grund: Die Cybercabs kommen ohne Lenkrad und Pedal. Das ist ohne Ausnahmegenehmigung laut den aktuellen Verkehrsvorschriften aber nicht gestattet.
Dass das nicht zu einer umgehenden Sperre für die Cybercabs führt, hängt wiederum mit der Rechtslage in den USA zusammen. Diese sieht nämlich vor, dass die Hersteller die Legalität ihrer Fahrzeuge zunächst selbst zertifizieren. Halten sie sich dabei aber nicht an die Vorschriften, kann das eben zu Untersuchungen und dann auch empfindlichen Strafen führen. Tesla behauptet jedenfalls, dass sie sich an die relevanten Federal Motor Vehicle Safety Standards (FMVSS) halten. Wie man zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt, will die NHSTA nun wissen.
Was die Angelegenheit noch einmal komplizierter macht: Die NHSTA arbeitet derzeit an neuen Regularien, die den Betrieb von komplett autonom agierenden Fahrzeugen ohne Lenkrad und Pedale erlauben sollen. Derzeit gelten aber eben noch die alten Regeln – außer man bekommt eine Ausnahmegenehmigung der NHSTA. Bisher hat lediglich die Amazon-Tochter Zoox eine solche Erlaubnis, Tesla hat noch nicht einmal einen entsprechenden Antrag gestellt.
Beschränkter Umfang
Betont sei, dass der Rollout der Cybercabs derzeit noch sehr stark begrenzt ist. Tesla selbst hat bisher lediglich 45 der Gefährte gemeldet, die in einem eng begrenzten Gebiet der texanischen Stadt Austin unterwegs sind. Selbst von diesen 45 Stück dürften derzeit nicht alle für die Öffentlichkeit auch nutzbar sein, manche für Testfahrten reserviert sein.
Tesla bleibt aber dabei, dass man den Service in Zukunft massiv ausdehnen will. Dem stehen allerdings in vielen Bundesstaaten der USA Vorschriften entgegen, die einen Betrieb eines Robotaxidienstes mit der von Tesla genutzten, rein auf Kamera fokussierten Technologie, ohne menschliche Aufsicht verbieten.
Ursprünglich hatte Musk versprochen, dass die eigenen Robotaxis bis Ende 2025 die Hälfte der US-Bevölkerung erreichen werden. Davon ist man auch in der zweiten Jahreshälfte 2026 noch weit entfernt. Derzeit hat man ein paar Hundert Fahrzeuge in ausgewählten Bundesstaaten mit besonders laxen Vorschriften im Einsatz. Selbst von diesen sind aber der allergrößte Teil noch mit Sicherheitsbeifahrern ausgestattet, um im Notfall eingreifen zu können. Wirklich autonom waren zuletzt nur ein paar Dutzend unterwegs.
Reaktionen
Das erste Feedback zu den Cybercabs ist jedenfalls ziemlich gemischt. Während sich zumindest die eingeladenen Tesla-Influencer gewohnt begeistert zeigen, gibt es auch Berichte über Fahrten, bei denen die Insassen an falschen Orten abgesetzt wurden. Für einiges Aufsehen sorgte zudem die Entscheidung, seitlich aufklappende Schmetterlingstüren zu verwenden, immerhin könnte das beim Aussteigen schnell zu einem Sicherheitsproblem werden. Prompt kursierte auch ein Video, das zeigt, wie sich eine der Türen zu schließen versucht, während eine Person mit einem Kind im Arm dazwischen für ein Foto posiert. Hier scheint Tesla also wohl den einen oder anderen Sensor vergessen zu haben.
Für einige Irritationen sorgen auch andere Werbevideos von Tesla. So wird in einem dafür geworben, dass Robotaxis Personen mit körperlichen Einschränkungen neue Bewegungsfreiheit bringen könnten. Das ist per se auch nicht falsch, in dem Video ist aber zu sehen, dass eine Person mit einem Rollstuhl zum Kofferraum fährt, nur um im Gegenschnitt dann den Rollstuhl zu verstauen. Ohne beim Cybercab inkludierter Wunderheilung dürfte das schwer möglich sein.
Überraschend ist zudem die Regel, dass derzeit keine Kinder unter 13 Jahren mit dem Cybercab fahren dürfen, einen Grund dafür nennt das Unternehmen nicht. Verständlicher wäre da schon eine Regel in Bezug auf Kleinkinder, scheint Tesla doch aus Kostengründen auf die Möglichkeiten, einen Kindersitz zu verankern, verzichtet zu haben. Die entsprechenden Anschlüsse fehlen, Tesla verweist auf eine Fixierung des Kindersitzes mithilfe eines Gurts.
Märkte
Nach den großen Versprechen im Vorjahr scheinen die Erwartungen der Märkte an den Cybercab-Launch jedenfalls erheblich größer gewesen zu sein als das, was schließlich präsentiert wurde. Die Aktie des Autoherstellers gab am Freitag fast sechs Prozent nach. (Andreas Proschofsky, 6.9.2026)
Forum: 92 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.