Drake trägt ein Rolex-Unikat – und plötzlich zeigt auch Rolex selbst solche Einzelstücke
Da wird so mancher Millionär neidisch: Rolex entdeckt die Macht des Einzelstücks
Rolex baut Millionen von Uhren, doch einige wenige Kunden erhalten etwas, das sonst niemand haben kann. Gleich mehrere Einzelanfertigungen sorgen derzeit für Aufsehen.
12.09.2026, 08.00 Uhr
4 Leseminuten

Die «Four Seasons»-Versteigerung von Ende September könnte zu Preisrekorden bei Rolex-Uhren führen.
Bilder PD; Bearbeitung NZZ
Rolex spricht selten über Uhren, die es nicht regulär zu kaufen gibt. Umso mehr Aufmerksamkeit erregte im August der kanadische Rapper Drake. Auf Instagram zeigte er eine mit Diamanten und blauen Saphiren besetzte Daytona und bezeichnete sie als «One of One Piece Unique Ice Gradient Daytona by Rolex». Auf dem Gehäuseboden steht «Freeze the World». Die Uhr sei geschaffen worden, um seine Rekorde des Jahres 2026 zu feiern.
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Dass die Uhr tatsächlich eigens für Drake gefertigt wurde, will Rolex zwar nicht bestätigen. Auf Anfrage der NZZ sagt die Manufaktur wie meistens, dass sie sich dazu nicht äussern könne. Drakes Darstellung wirkt jedoch plausibel, auch Fachmedien und Rolex-Kenner halten eine Spezialanfertigung für wahrscheinlich.
Seltene Einzelstücke
Dass Rolex Einzelstücke herstellt, wäre keine Premiere. Schon früher tauchten Sonderanfertigungen auf, etwa eine um 1995 für den Edelsteinlieferanten Tarek Shah hergestellte Daytona. 2025 erhielt der Chairman des wichtigen Rolex-Händlers, Seddiqi in Dubai, eine eigens gestaltete Day-Date zum 75-Jahr-Jubiläum.

Die Einzelanfertigung für den Chef des Rolex-Händlers Seddiqi, Abdul Hamied Seddiqi.
Coronet / Tareq Wasmi
Neu ist hingegen, dass solche Einzelstücke zunehmend öffentlich sichtbar werden. Nicht nur durch ihre Besitzer, sondern auch durch Rolex selbst. Am 28. September lässt die Uhrenfirma vom Auktionshaus Phillips in London vier ausdrücklich als einzigartig bezeichnete Daytonas versteigern. Die mit «Frühling», «Sommer», «Herbst» und «Winter» bezeichneten Modelle sind mit Naturstein-Zifferblättern und farbigen Edelsteinen ausgestattet.
Der Erlös kommt zwei Organisationen zugute, mit denen Rolex-Botschafter eng verbunden sind: der Stiftung von Roger Federer und einer Naturschutzorganisation, die Leonardo DiCaprio mitbegründet hat. Es ist laut Phillips die erste von Rolex selbst initiierte Charity-Auktion.
Weshalb macht Rolex das?
Knappheit ist eine der wichtigsten Währungen im Luxusgeschäft. Rolex beherrscht sie seit Jahren. Viele Modelle sind beim offiziellen Händler nur schwer erhältlich.
Mit einer geringen Produktion hat diese Knappheit allerdings nur bedingt zu tun. Rolex ist mit geschätzten rund 1,2 Millionen Uhren pro Jahr die mit Abstand grösste Luxusuhrenmarke der Welt. Und wer bereit ist, einen Aufpreis zu zahlen, kann die Wartezeit umgehen. Auf dem Sekundärmarkt gibt es zahlreiche neue und ungetragene Rolex-Uhren sofort zu kaufen.
Kleinserien und erst recht Einzelstücke schaffen eine andere Form von Exklusivität. Wer schon vieles besitzt, sucht etwas, das nur wenige andere haben – im Idealfall niemand.
Davon profitieren kleine unabhängige Marken wie F. P. Journe, Greubel Forsey oder Philippe Dufour. Ihre Uhren entstehen in sehr kleinen Stückzahlen und haben sich unter Sammlern zu Statussymbolen entwickelt. Zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen sie, seit sich auch Tech-Unternehmer wie Mark Zuckerberg oder Sam Altman mit solchen Uhren zeigen, die schnell sechsstellige Beträge kosten.
Auch das Geschäft mit personalisierten Luxusuhren lebt von diesem Wunsch. Ateliers wie Artisans de Genève, Blaken oder Bamford verändern serienmässige Rolex-, Patek-Philippe- oder Audemars-Piguet-Uhren nach den Vorstellungen ihrer Besitzer und machen daraus ein Unikat. Rolex sieht solche Eingriffe – die rasch einmal deutlich mehr kosten als die eigentliche Uhr – ungern und versuchte sogar schon, sie gerichtlich zu verhindern, allerdings ohne Erfolg.
Nun versucht man offenbar, diesem offensichtlichen Wunsch der Kundschaft nach mehr Exklusivität selber verstärkt nachzukommen. Nicht mehr nur über sogenannte Off-Catalogue-Modelle, die nur ausgewählten Kunden zugänglich sind. Eine solche Daytona trug Roger Federer 2025 beim Laver Cup in San Francisco: Weissgold, Obsidian-Zifferblatt, blaue Saphire und Diamanten. Ein Einzelstück war sie allerdings nicht; von derselben Referenz existieren mehrere Exemplare. Auf Chrono 24 findet sich ein Dutzend Inserate, alle so um 1 Million Euro.
Echte Unikate treiben das Prinzip der Knappheit noch weiter. Das passt zum wachsenden Wunsch nach Individualität, der gerade bei jüngeren Käufern sehr ausgeprägt ist. In der Uhrenstudie von Deloitte von 2025 gehört «Einzigartigkeit» bei der Generation Z ausdrücklich zu den wichtigen Kriterien beim Uhrenkauf.
Mit den vier neuen Daytonas kann Rolex nun testen, welchen Preis maximale Knappheit erzielt. Laut dem Branchenmedium «Hodinkee» sollten die Uhren ursprünglich gemeinsam für rund 4 Millionen Franken an einen ausgewählten Kunden verkauft werden. Das Interesse war offenbar weit grösser als erwartet: Mehr als 1000 Namen sollen für das Set eingereicht worden sein, einzelne Interessenten hätten sogar signalisiert, bis zu 10 Millionen Dollar zu zahlen.
Nun kommen die vier Uhren einzeln unter den Hammer. Einen Schätzpreis nennt Phillips nicht. Bei einer Wohltätigkeitsauktion kann der Zuschlag zusätzlich höher ausfallen, weil der gute Zweck die Zahlungsbereitschaft steigert.
Die Latte liegt hoch. Paul Newmans Daytona erzielte 2017 bei Phillips 17,8 Millionen Dollar – bis heute der höchste Preis für eine Rolex. Den Weltrekord für eine Armbanduhr hält allerdings Patek Philippe: Für eine einzigartige Grandmaster Chime zahlte ein Bieter 2019 bei der Wohltätigkeitsauktion Only Watch 31 Millionen Franken.
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