DAX-Ausblick: Der Ölpreis bestimmt den Takt am Aktienmarkt


DAX vor Kurssprung - Ölpreis gibt nach
Frankfurter Börse. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Am deutschen Aktienmarkt spitzt sich die Lage zu. Zwischen der 50-Tage-Linie und einem Doppeltief pendelt der DAX in einer engen Handelsspanne. Erst ein Ausbruch aus dieser Spanne dürfte den nächsten Richtungsimpuls liefern. Den Ausschlag könnten der Ölpreis und die zuletzt stark gestiegenen Anleiherenditen geben.

Ölpreis bestimmt den Takt am Aktienmarkt

Der Ölpreis ist derzeit einer der entscheidenden Taktgeber für die Aktienmärkte. Fällt Brent, bekommen DAX und Wall Street regelmäßig Rückenwind für eine Erholung. Zieht der Ölpreis wieder an, geraten die Kurse erneut unter Druck. Nach dem jüngsten Rückgang unter 100 Dollar stieg Brent wieder deutlich über diese Marke. Der Ölmarkt bleibt kurzfristig anfällig für neue Nachrichten aus dem Nahen Osten.

Die Verbindung zum Anleihemarkt ist dabei entscheidend: Höhere Energiepreise können die Inflationserwartungen und damit die Erwartungen an weitere Zinsschritte nach oben treiben. Auch die Renditen geraten dann unter Aufwärtsdruck. Der DAX muss am Freitag folglich gleich zwei Märkte im Blick behalten – Öl und Anleihen.

Renditesprung belastet die Aktien

Die Renditen sind zuletzt wieder kräftig gestiegen. Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen notierten am Donnerstag wieder mit mehr als 5,1 Prozent, während die Rendite 30-jähriger US-Anleihen den höchsten Stand seit 2004 erreichte. In Deutschland kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf rund 3,58 Prozent – den höchsten Stand seit 2009. Der Ausverkauf am Anleihemarkt bleibt damit ein Belastungsfaktor für die Aktienmärkte vor dem Wochenende.

Zum Renditeanstieg in den USA trug auch die schwache Nachfrage bei der Auktion fünfjähriger Staatsanleihen am Mittwoch bei. Das US-Finanzministerium platzierte Papiere über 70 Milliarden Dollar zu einer Rendite von 5,033 Prozent. Auf jeden ausgegebenen Dollar entfielen nur 2,21 Dollar an Geboten. Die Auktion zeigte damit, dass Anleger selbst auf dem erhöhten Renditeniveau zurückhaltend blieben.

Am Freitag dürfte vor allem die endgültige Verbraucherstimmung der Universität Michigan um 16 Uhr MESZ Beachtung finden. Im Mittelpunkt stehen die Inflationserwartungen. In der vorläufigen September-Umfrage waren die Erwartungen für das kommende Jahr von 4,0 auf 4,6 Prozent gestiegen. Eine weitere Aufwärtsrevision könnte die Nervosität am Anleihemarkt verstärken.

DAX: Doppeltief trifft auf Doppeltop

Charttechnisch steckt der DAX zwischen zwei markanten Formationen. Oben scheiterte er zweimal im Bereich der 50-Tage-Linie um 25.783 Punkte; unten liegen die beiden Tiefs bei 25.172 und 25.164 Punkten. Innerhalb dieser Spanne gab es zuletzt deutliche Ausschläge, aber noch keine Richtungsentscheidung. Allein am Donnerstag reichte die Handelsspanne vom Tief bei 25.164 bis zum Hoch bei 25.424 Punkten.

Für eine weitere Erholung muss der DAX das Donnerstagshoch bei 25.424 Punkten und die Hürde um 25.430 Punkte überwinden. Nach dem vorbörslichen Anstieg könnte er mit einem Aufwärtsgap bereits an dieser Hürde eröffnen. Gelingt von dort der Ausbruch, rücken 25.500 und später 25.600 Punkte in den Blick. Bleibt er aus, kann der Index erneut zur Horizontalen um 25.200 Punkte und zum Doppeltief zurückfallen.

Ein nachhaltiger Bruch unter das Doppeltief bei 25.164/172 Punkte wäre dagegen ein deutliches Schwächesignal. Dann rückt zunächst das Gap bei 25.099 Punkten in den Fokus. Darunter liegen die nächsten möglichen Auffangbereiche bei 25.050 und 25.000 Punkten.

DAX-Widerstände: 25.424 (TH), 25.500, 25.600, 25.729 (TH), 25.783 (TH), 25.792 (SMA50)

DAX-Unterstützungen: 25.266 (Gap), 25.200, 25.172, 25.164 (TT), 25.099 (Gap), 25.000

Dax-Chart auf TradingView-Basis

Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar.

Stefan Jäger

Über den RedakteurStefan Jäger

Finanzjournalist und Trader

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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