DAX-Ausblick: Öl-Schock bringt die Aktienmärkte ins Wanken

Der DAX startet mit erheblichem Gegenwind in die neue Handelswoche. Neue Angriffe im Iran-Konflikt und die vorübergehende Schließung einer wichtigen saudischen Ölpipeline treiben den Ölpreis am Montag erneut nach oben. Gleichzeitig steht die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unmittelbar vor der Marke von fünf Prozent. Damit gerät die wackelige Erholung der Aktienmärkte bereits zum Wochenauftakt auf den Prüfstand.
Ölkonflikt verschärft sich
Am Freitag konnte sich der DAX noch von seinen jüngsten Verlusten erholen. Zeitweise stieg er bis auf 25.581 Punkte, bevor er den Handel bei 25.568 Punkten mit einem Plus von 0,8 Prozent beendete. Unterstützung kam von der Wall Street, wo die wichtigsten Indizes nach vier schwachen Sitzungen deutlich zulegten. Auslöser war vor allem der Rücksetzer beim Ölpreis.
Die Entlastung könnte jedoch nur von kurzer Dauer gewesen sein. Am Wochenende wurde ein iranisches Handelsschiff nahe der Insel Qeshm in der Straße von Hormus von einem Projektil getroffen. Dabei kam nach iranischen Angaben mindestens ein Mensch ums Leben. Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unklar. Bereits in der Nacht zuvor waren Explosionen auf der strategisch wichtigen Insel gemeldet worden.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch mehrere Drohnenangriffe auf die saudische Ost-West-Pipeline. Die Flugkörper wurden nach bisherigen Ermittlungen aus dem Irak gestartet. Saudi-Arabien hat die rund 1.200 Kilometer lange Pipeline vorsorglich stillgelegt. Sie verbindet die Fördergebiete im Osten des Landes mit dem Rotmeerhafen Yanbu und gilt als wichtigste Ausweichroute für Öltransporte, die nicht durch die Straße von Hormus führen.
Damit geraten gleich mehrere Nadelöhre unter Druck. Während der Iran-Konflikt die Schifffahrt in der Straße von Hormus bedroht, haben die Huthis ihre Position am Bab al-Mandab weiter ausgebaut. Nun fällt vorübergehend auch die wichtigste saudische Umgehungsroute aus. Ein erneuter Anstieg des Ölpreises könnte die Inflationserwartungen anheizen, die Anleiherenditen nach oben treiben und die Aktienmärkte belasten.
Aktienmärke vor schwieriger Woche
Die Wochenend-Indikation von IG liefert bereits ein erstes Warnsignal. Der DAX wird derzeit bei rund 25.450 Punkten und damit etwa 120 Punkte unter seinem Freitagsschluss taxiert. Der Dow Jones liegt knapp 200 Punkte im Minus. Diese Indikationen sind noch wenig belastbar, zeigen aber, dass die geopolitischen Risiken wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Damit steht nicht nur die fragile Erholung des DAX, sondern auch die Gegenbewegung an der Wall Street bereits zum Wochenauftakt wieder auf der Probe. Damit steht nicht nur die fragile Erholung des DAX, sondern auch die Gegenbewegung an der Wall Street bereits zum Wochenauftakt wieder auf der Probe. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aktienmärkte nun in die saisonal besonders schwache zweite Septemberhälfte eintreten. Vor allem die letzten Handelstage des Monats waren langfristig häufig von Rücksetzern geprägt.
Fed rückt ins Zentrum
Neben dem Ölpreis bleibt der Anleihemarkt der entscheidende Taktgeber. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Freitag zeitweise bis auf 4,98 Prozent und notiert damit unmittelbar vor der psychologisch wichtigen Fünf-Prozent-Marke. Nach den jüngsten US-Inflationsdaten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am Mittwoch laut FedWatch-Tool inzwischen bei rund 87 Prozent.
Die Erhöhung um 25 Basispunkte ist damit nahezu eingepreist. Für die Märkte werden vor allem die neuen Projektionen, der Dot Plot und die Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh entscheidend.
Bereits am Dienstag liefern die ZEW-Konjunkturerwartungen Hinweise auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Am Mittwoch folgen die vorläufigen US-Einzelhandelsumsätze und die Rohöllagerbestände, bevor am Abend die Fed entscheidet. Zum Wochenschluss könnten zudem die Entscheidungen der Bank of England und der Bank of Japan für Bewegung sorgen.
DAX charttechnsich angeschlagen
Die Erholung des DAX stand bereits am Freitag auf wackeligen Beinen. Zwar beendete der Leitindex den Handel mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 25.568 Punkten, doch zum Wochenauftakt steht die Gegenbewegung schon wieder auf dem Prüfstand. Charttechnisch bleibt der DAX angeschlagen.
Erste Orientierungsmarke ist das 61,8%-Retracement bei rund 25.400 Punkten. Unterschreitet der Index das Freitagstief bei 25.396 Punkten, rückt zunächst die Unterstützungszone zwischen 25.310 und 25.280 Punkten in den Fokus. Darunter wartet die nächste wichtige Auffangmarke bei 25.200 Punkten.
Verteidigt der DAX hingegen den Bereich um 25.400 Punkte, kann sich die technische Erholung fortsetzen. Dafür muss er zunächst die Hürde bei 25.560 Punkten sowie das Freitagshoch bei 25.581 Punkten überwinden. Anschließend folgen 25.670 Punkte und die 50-Tage-Linie bei 25.745 Punkten. An einer dieser Marken könnte die Erholung jedoch erneut ins Stocken geraten und der DAX seine Abwärtsbewegung wieder aufnehmen. Solange die Widerstände nicht zurückerobert sind, bleibt die Erholung fragil.
DAX-Widerstände: 25.560, 25.581 (TH), 25.670, 25.728, 25.745 (SMA50), 25.800
DAX-Unterstützungen: 25.455, 25.404 (61,8), 25.396 (TT), 25.310, 25.275, 25.200, 25.099 (Gap), 25.073 (78,6)

Dax-Chart auf TradingView-Basis
Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar.

Über den RedakteurStefan Jäger
Finanzjournalist und Trader
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken