Der Juli war äußerst trocken und um zwei Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt


Hitzerückblick

Der Juli war äußerst trocken und um zwei Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt

Im vergangenen Monat wurde ein neuer österreichischer Hitzerekord erreicht, außerdem war es hierzulande der viertwärmste Juli seit Messbeginn vor 260 Jahren

Ein teilweise ausgetrocknetes Flussbett an der March. Im niedrigen Wasser spiegeln sich hochgewachsene Bäume, vermutlich Zypressen, unter bewölktem Himmel.
Dürre in Niederösterreich: So sah die March in ihrem teils ausgetrockneten Flussbett Mitte Juli in Hohenau an der March aus.

Österreich hat den viertwärmsten Juli der 260-jährigen Messgeschichte hinter sich, samt neuem Juli-Hitzerekord und kaum Niederschlägen. Vor allem der Osten hatte "nicht nur mit extremen Temperaturen zu kämpfen, sondern auch mit massiver Trockenheit", bilanziert die Geosphere Austria am Dienstag. "An manchen Messstellen lag das Niederschlagsdefizit bei 90 Prozent." Insgesamt war es um zwei Grad wärmer als das Klimamittel 1991 bis 2020 und um 3,7 Grad wärmer als der Julidurchschnitt 1961 bis 1990.

Temperaturentwicklung im Juli im Tiefland Österreichs von 1767 bis 2026. Balkendiagramm zeigt Abweichungen der Julitemperatur vom Klimamittel 1961–1990. Orange Balken für wärmer, blaue Balken für kälter als das Klimamittel. 2015 als wärmster Juli (+4,3 °C), 1913 als kältester Juli (-3,5 °C) markiert. Langfristiger Erwärmungstrend mit schwarzer Linie hervorgehoben.
Die Grafik zeigt die Abweichung der Temperatur vom Klimamittel der Jahre 1961 bis 1990. Dabei wird deutlich, dass die Julimonate der vergangenen Jahre fast ausschließlich über dem langjährigen Mittelwert lagen.

Landes- und Hauptstadtrekord

Noch heißer waren nur die Julimonate 2006, 2015 und 2024, wenn man die Durchschnittswerte betrachtet. Bei den Spitzenwerten hingegen war der Juli 2026 klare Nummer eins: Am 31. Juli zeigte die Messstation Wieselburg in Niederösterreich 40,3 Grad an – um 0,6 Grad mehr als der bisherige Allzeit-Julirekord aus dem Jahr 1983 (39,7 Grad in Dellach im Drautal). An vielen Messstellen wurden noch nie so hohe Temperaturen gemessen – allen voran in Wien-Stammersdorf: 40,1 Grad bedeuteten einen Allzeit-Rekord für die Bundeshauptstadt.

Karte von Österreich, die die Temperaturabweichungen im Juli 2026 zeigt. Farbskala von Blau (kälter) bis Rot (wärmer). Großer Teil des Landes in Rottönen, was überdurchschnittliche Temperaturen anzeigt. Vergleich zur Referenzperiode 1961–1990. Datenquelle: GeoSphere Austria, SPARTACUS.
Im Vergleich zur mittleren Julitemperatur der Jahre 1961 bis 1990 war der Sommermonat 2026 in Österreich um mindestens 2,5 Grad wärmer.

Auf der Hohen Warte in Wien fiel am 17. Juli binnen einer Stunde eine Regenmenge von 46 Millimetern – die übrigen 18 Millimeter der gesamten Julisumme verteilten sich über den restlichen Monat. "Dies ist ein gutes Beispiel, wie sich der Juli 2026 niederschlagstechnisch verhielt. Hie und da ein heftiges Gewitter, aber in Summe deutlich zu wenig Regen", so die Fachleute. Derartige Kombinationen – anhaltende Trockenheit wird nur kurz von relativ heftigen Niederschlägen unterbrochen – ist symptomatisch für die Entwicklungen der Klimakrise.

Karte von Österreich mit farblicher Darstellung der Temperaturabweichungen im Juli 2026 im Vergleich zum Mittelwert von 1961-1990. Die Farben reichen von Blau (kälter) bis Rot (wärmer), wobei fast das gesamte Land rot eingefärbt ist, was auf positive Abweichungen hinweist. Besonders im Westen treten stärkere Erwärmungen auf.
Vor allem der Westen des Landes war deutlich wärmer als das Temperaturmittel für den Juli der Referenzperiode 1991–2020.

Selbst am nassesten Ort Österreichs im Juli, auf der Schmittenhöhe (Salzburg, 1956 Meter Seehöhe), gab es mit 188 Millimetern ein Niederschlagsdefizit von drei Prozent. Der trockenste Ort war Podersdorf am Neusiedler See (Burgenland, 116 Meter Seehöhe) mit nur zehn Millimetern Niederschlag.

Spätsommer bereits angebrochen

Massive Niederschlagsdefizite von 50 bis 80 Prozent wurden im ganzen Bundesgebiet gemessen. Am größten fiel das Minus am Wachtberg bei Steyr (384 Meter Seehöhe) mit minus 91 Prozent aus, gefolgt von den Messstationen Wien-Mariabrunn (225 Meter) mit minus 89 Prozent und Wels (309 Meter) mit minus 87 Prozent. Der Juli 2026 zählt somit zu den fünf niederschlagsärmsten Julimonaten in den vergangenen 169 Jahren.

Karte von Österreich mit farblichen Markierungen zur Abweichung des Niederschlags im Juli 2026 vom Mittelwert 1991–2020. Farbskala von Braun (sehr trocken, -100) bis Blau (sehr nass, +400). Größtenteils orange und gelb, was auf trockenere Bedingungen hinweist.
In Sachen Niederschläge war der Juli 2026 deutlich trockener als im Monatsmittel 1991–2020.

Im Juli wurden die Marillen reif, laut den Beobachtungen der Geosphere etwa vier Tage früher als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Im Vergleich zur Periode 1961–1991 habe sich die Fruchtreife der Marillen im Mittel sogar um etwa 20 Tage verfrüht. Die Weizenernte erfolgte ebenfalls früher und zählt zu den jährlichen ökologischen Entwicklungserscheinungen, die man auch als Phänologie bezeichnet. "Hinsichtlich der phänologischen Jahreszeiten lag der Juli 2026 im Hochsommer", so die Expertenanalyse. Mit der Fruchtreife des Schwarzen Holunders kündigt sich vereinzelt schon der phänologische Spätsommer an. (APA, red, 4.8.2026)

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