Der letzte Ritt vor der Sommerpause: Wer kann Antonelli in Ungarn bremsen?


Formel 1

Der letzte Ritt vor der Sommerpause: Wer kann Antonelli in Ungarn bremsen?

Kimi Antonelli könnte mit einem Sieg auf dem Hungaroring seine WM-Führung ausbauen. Trainingsdominator Ferrari will Mercedes ärgern, McLaren und Nachzügler Aston Martin hoffen auf Upgrades

Andreas Gstaltmeyr

Ein junger Mann mit blauer Mercedes-Kappe und schwarzem Trikot geht im Fahrerlager. Hintergrund unscharf.
Kimi Antonelli wird die WM in der Sommerpause anführen. Die Frage ist nur: Mit wie viel Vorsprung?

Die Formel 1 absolviert am Sonntag (15 Uhr, ORF1) in Ungarn das letzte Rennen vor der Sommerpause. Das elfte von 22, dann stehen genau vier Wochen Ausschnaufen bis zum Grand Prix von Zandvoort am 23. August an. Auf dem Hungaroring geht es also darum, wer sich mit einem guten Gefühl in den Urlaub verabschieden kann.

Der Gejagte

Mit einem guten Gefühl nach Mogyoród, rund 20 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Budapest, angereist ist auf jeden Fall Andrea Kimi Antonelli. Nach ein paar mühsameren Rennen – in Barcelona schied er auf Platz zwei liegend aus, in Silverstone erwischte ihn der nächste technische Defekt und er blieb ohne Punkte – schlug der Mercedes-Youngster am vergangenen Sonntag in Spa zurück. Der 19-Jährige feierte in Belgien seinen sechsten Saisonsieg und untermauerte damit seine Pole Position auf den Weltmeisterschaftstitel.

Aktuell hält er bei 204 Punkten und führt 45 Zähler vor Lewis Hamilton (Ferrari) und 50 vor seinem Teamkollegen George Russell, Charles Leclerc (Ferrari/126) und Titelverteidiger Lando Norris (McLaren/103) sind schon etwas abgeschlagen.

"Das hätte ich nicht erwartet, wenn du mich letztes Jahr hier danach gefragt hättest", staunte Antonelli bereits in Spa über die Ausgangsposition für die zweite Saisonhälfte. Bisher eröffnete jeder Grand Prix heuer mit einem Mercedes W17 auf der Pole Position. Antonelli glaubt aber: "Es wird zwischen uns allen sehr eng zugehen, und deshalb wird es wichtig sein, zu versuchen, alles optimal zusammenzubringen."

Das gelang am Freitag noch nicht. Das erste Training verpasste Antonelli, weil wie geplant Nachwuchsmann Frederik Vesti zum Einsatz kam. Im zweiten Training musste er sich mit Rang 13 begnügen.

Die Herausforderer

Darauf hofft freilich auch Russell, der in Spa früh ausfiel. "Ich bin mittlerweile taub gegenüber der Enttäuschung. Wenn so etwas so oft passiert, gewöhnt man sich einfach daran“, sagte der Mercedes-Fahrer dazu. Positiv: Das Team dürfte die Ursache für die Probleme gefunden haben. Und das war gar nicht so einfach: "Ich meine, das ist fast unmöglich zu erkennen, wenn man nicht genau weiß, wonach man suchen muss.“

Als Herausforderer Nummer eins in dieser Saison hat sich Ferrari etabliert. Hamilton gewann in Barcelona, Leclerc in Silverstone, zudem wurde er Zweiter in Spa. Und in Ungarn? "Budapest dürfte uns wahrscheinlich deutlich besser liegen als Spa. Auf dem Papier mag der Motorrückstand zwar weniger ins Gewicht fallen, aber wir müssen trotzdem unsere Leistung bringen. Es kommt stark auf das Set-up und das Reifenmanagement an", sagte Teamchef Frédéric Vasseur.

Im Training am Freitag fuhr Hamilton prompt Bestzeit vor Leclerc. Der Brite ist Rekordsieger (8) auf dem Hungaroring, der letzte Triumph dort liegt aber bereits sechs Jahre zurück. Seither gewannen Esteban Ocon (damals Alpine, heute Haas), Max Verstappen (2022, 2023/Red Bull Racing) und zuletzt feierte McLaren jeweils einen Doppelsieg: 2024 Oscar Piastri vor Norris, 2025 umgekehrt. Das Team Papaya-Orange kommt mit Upgrades zum Rennwochenende, unter anderem ein neuer Unterboden und weitere aerodynamische Teile wurden verbaut. Norris wurde Trainingsdritter.

Comeback?

Noch mehr gespannt ist Aston Martin auf das neue Upgrade. Der englische Rennstall war mit hohen Erwartungen in die Saison gegangen – und wurde herb enttäuscht. Die Tests musste das Team des Kultingenieurs Adrian Newey bereits verspätet beginnen, danach machten vom Honda-Motor auf das Lenkrad übergehende Vibrationen Probleme. Dauerhafte Nervenschäden wurden gar befürchtet. Aston Martin hinkte von Anfang an hinterher, in Monaco holte Routinier Fernando Alonso das bisher einzige Pünktchen – immerhin eines mehr als Neueinsteiger Cadillac, aber Aston Martins Ansprüche sind weit höher.

Mechaniker des Aston-Martin-Teams arbeiten in der Garage am Hungaroring-Rennstreckenkomplex in Mogyoród, nahe Budapest, Ungarn. Im Vordergrund sind Teile eines Rennwagens sichtbar, beleuchtet von mehreren Lampen.
Aston Martin kommt mit einem Upgrade nach Ungarn. Viel zu tun also für die Mechaniker.

Anstatt viele kleinere Upgrades zu bringen, konzentrierte sich der Rennstall auf ein größeres und kommt mit einem neuen Chassis nach Ungarn. "Im Prinzip besteht unser Upgrade aus einem umfangreichen Aerodynamik-Paket und einer Gewichtsreduzierung", erklärte Chief-Trackside-Officer Mike Krack. Die Ziele? "Wenn wir es schaffen, um etwas zu kämpfen, wenn wir wieder zurück im Spiel sind, das wieder Racing ist, dann ist es ein gutes Wochenende." Er bat jedoch um Geduld, man brauche Zeit, um die richtigen Schlüsse aus dem Upgrade zu ziehen. Im ersten Training brach die Hinterradaufhängung bei Lance Strolls AMR26, er drehte sich. Hoffnungsschimmer: Alonso sagte nach dem Training, dass sich das Auto „viel besser“ anfühle.

Was macht Verstappen?

Die Racing Bulls kämpfen mit Alpine darum, als bestes Mittelfeldteam in die Sommerpause zu gehen. Auf Platz vier vor ihnen liegt Red Bull Racing. Die Bullen hoffen, an das erfolgreiche Wochenende in Spa anzuknüpfen: Verstappen wurde dort Dritter, Hadjar nach grandioser Aufholjagd samt mutiger Boxenstopptaktik Sechster. "Wir müssen abwarten, wie sich alles zusammenfügt, und sicherstellen, dass wir bei der Fahrzeugabstimmung alles richtig machen. Der Start ins Wochenende ist entscheidend, und wir hoffen, von Anfang an voll da zu sein, um so konkurrenzfähig wie möglich zu sein", sagte Verstappen. Im ersten Training wurde er Zweiter hinter Leclerc, im zweiten Vierter.

Übrigens: Der Hungaroring feiert Jubiläum. Im August 1986 gastierte die Formel 1 vor 200.000 Zuschauern und Zuschauerinnen erstmals hier. Seither gehörte die Strecke stets zum Rennkalender. (Andreas Gstaltmeyr, 25.7.2026)

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