Wandertipp ins Hafenlohrtal im bayerischen Spessart


Eine exotische Spezies bevölkert seit einigen Jahren die deutschen Lande: Wasserbüffel. Man braucht nicht länger nach Asien oder Kampanien zu schauen, um die genügsamen Tiere beim Grasen und Schlammbaden zu erleben. Auf etwa 10.000 Tiere ist der Bestand in ganz Deutschland angewachsen, allein in Hessen werden gut 30 Züchter gezählt. Bubalus arnee fehlt auch nicht im Spessart, verstanden hier durchaus als Krönung des langen Kampfes gegen den vor 50 Jahren bekannt gewordenen Plan, das Hafenlohrtal in einer Talsperre versinken zu lassen.

Nahe der Büffelweide sollte die Staumauer stehen. Das Vorhaben wurde später zwar reduziert – und dann endgültig revidiert –, aber der Kernteil um die Lichtenau, die Kurt Tucholsky in seiner legendären Spessart-Wanderung 1927 verewigte, und die altehrwürdigen Buchen- und Eichenbestände beiderseits der Talung wären verschwunden. Stattdessen sind Biber eingezogen und eben, dank etwas Nachhilfe der Naturparkverwaltung in Zusammenarbeit mit einem Rinderzüchter aus Bergrothenfels, die Wasserbüffel.

Auf gut einem Kilometer Länge oder 13 Hektar bekam die mittlerweile mehr als dreißigköpfige Herde den Unterlauf der Hafenlohr aufbereitet. Ohnehin nicht standortgemäße Fichten wurden entnommen, Feuchtwiesen und brackige Wasserlöcher angelegt. Den Rest besorgen die Tiere. Längst haben sie eigene Pfade und favorisierte Liege- und Fressplätze. Ihre Trittsiegel und der Verbiss, der keine harten Triebe und Gräser verschmäht, bestätigten die Annahme, dass zu Frühzeiten, als noch mächtige Paarhufer wie Auerochsen oder Wisente vorherrschten, in feuchteren Regionen kaum geschlossene Wälder standen.

Jugendherberge und Tagungsstätte: Burg Rothenfels im Hafenlohrtal im östlichen Spessart
Jugendherberge und Tagungsstätte: Burg Rothenfels im Hafenlohrtal im östlichen SpessartThomas Klein

Mit Ansiedlung der Büffel bekam nicht zuletzt Burg Rothenfels einen weiteren Anlaufpunkt. Sie zieht als Jugendherberge, Tagungs- und Rüstzeitstätte der reformkatholischen Quickborn-Bewegung viele Gäste an, erfreut sich jedoch auch bei Tagesbesuchern großen Zuspruchs. Wo sonst kann man eine derart gut erhaltene, von Grund auf sanierte hochmittelalterliche und frühneuzeitliche Burg erleben? Große Teile der romanischen Mauern mit mächtigen Buckelquadern sind beim Gang um die Außenseite noch zu erkennen, überragt vom besteigbaren Bergfried aus dem 12. Jahrhundert.

Im Schatten der Burg gedieh die Gemeinde Rothenfels, mochte auch ein steiler Uferhang der Ausdehnung Grenzen setzen. So reihen sich auf engstem Raum die 1610 neu errichtete Pfarrkirche, hochgiebelige Patrizierhäuser und das bis heute genutzte Renaissance-Rathaus. Seit 1342 besitzt der Tausend-Seelen-Ort die Rechte einer Stadt – der heute „kleinsten Bayerns“.

Wegbeschreibung

Trotz beengter Verhältnisse gibt es in Rothenfels ausreichend Parkplätze – entweder vor der Ortseinfahrt oder im Zen­trum am Mainufer. Nur wenige Schritte sind es hinüber zu den stattlichen Fachwerkhäusern rund um die Pfarrkirche. Da zu Beginn und am Ende fordernde An- und Abstiege stehen, gibt es auch die Möglichkeit, auf der Höhe in Bergrothenfels einzusteigen; nahe der Burg ist ein großer Parkplatz. Hierbei orientiert man sich am blauen M des Mainwanderwegs gut einen Kilometer bis zur Kombination R 3.

Ansonsten führt diese aus Rothenfels und setzt gleich zum langen Bergauf an. Erst folgt man noch ein Stück der historischen Burgzufahrt, dann geht es über befestigten Untergrund fast ganz auf die Höhe. Dort tritt das Zeichen blaues M hinzu, läuft kurz mit und entschwindet halb rechts am Richtungspfosten Rotbild. Der Name bezieht sich auf den Bildstock 50 Meter weiter am Baumrand. Er gibt das Signal, zum Zeichen roter Doppelstrich zu wechseln.

Unverändert geradeaus, bleibt man vorerst auf dem Weg zwischen Wald und Wiesen, wobei der Blick über die Hochebene östlich des Mains wandert. Dann schließt sich für längere Zeit der Forst. Um Aufmerksamkeit wetteifern Fichten und Buchen, wenn es wieder bergauf geht, allerdings moderat, bis zum höchsten Punkt, einer Kreuzung nahe der 430 Meter messenden Turmsteinhöhe.

Am dortigen Richtungsgeber schließt man sich nach links dem roten Strich an. Sogleich ändern sich Waldbild und Topographie. In schwierigem, von Sandsteinbrocken gesäumtem Terrain hat die Forstwirtschaft ausgedient, und entsprechend liegt moosbewachsenes Altholz herum. Dazwischen sucht der Schlängelpfad ein Durchkommen. Während der Anstieg drei Kilometer benötigte, ist der Abstieg um die Hälfte verkürzt zu bewältigen.

30 Meter hohe Buchen aus dem 19. Jahrhundert

Mit Blick auf prachtvolle Buchen wird man ohnedies die Schritte verlangsamen. Kerzengerade ausgerichtet, zeigen die 30 Meter hohen Patriarchen bewundernswerte Standfestigkeit. Im unteren Teil wären sie der Talsperre zum Opfer gefallen. Die Bestände reichen allerdings nicht auf die Mainzer oder Würzburger Zeit zurück. Sie stammen aus dem 19.  Jahrhundert, als die Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg mit Teilen des östlichen Spessarts für linksrheinische Verluste entschädigt wurden und diese in ein Jagdgebiet verwandelten.

Hierzu gehörte auch der dann im Talgrund erreichte Lindenfurterhof. Dafür muss man jedoch einen Zaun per Holzleiter überklettern. Wie die Geweihe am Gebäude mit Walmdach anzeigen, war es seitdem (bis 1977) Forsthaus. Heute sind die – im 18. Jahrhundert vom Fürstbistum Würzburg als Pferdezucht genutzten – Ländereien für Landwirtschaft verpachtet.

Zur Fortsetzung hält man sich zwischen knorrigen Eichen und einer Ziegenweide nach links, nun mit dem roten Diagonalstrich. Fast braucht es seiner nicht, geht es doch etwas oberhalb der Hafenlohr stets geradeaus voran. Ihr dichter Bewuchs tritt für Fischzuchtanlagen mehrfach zurück. Früher diente das Flüsschen auch der Bewässerung und der Holztrift.

Herausgeputzt: die Stadtmitte von Rothenfels mit dem bis heute genutzten Renaissance-Rathaus Im Vordergrund
Herausgeputzt: die Stadtmitte von Rothenfels mit dem bis heute genutzten Renaissance-Rathaus Im VordergrundThomas Klein

Nach längerer Partie über teils eingewachsene Wege kommt eine offene Gabelung in Sicht. Hier erinnert eine verblichene Schautafel an den Kampf um das Hafenlohrtal. Verkürzend kann mit dem Diagonalstrich direkt links nach Bergrothenfels hinaufgegangen werden; auf halber Hanghöhe zum roten Strich wechselnd.

Der Weg rechts verharrt im Tal. Er ist unmarkiert und deshalb etwas holprig und bewachsen, was aber später nicht den Blick auf das Refugium der Büffel beeinträchtigt. Schon die auenartige Vegetation lässt das Areal erkennen, selbst wenn sich die Tiere versteckt halten. Am besten sieht man sie im Gebiet einiger Schlammkuhlen ungefähr in der Mitte des Geländestreifens beiderseits der Hafenlohr.

Das mit Elektrozaun umgebene Territorium endet nahe einer verlassenen neueren Mühle, auf die eine Brücke über die Hafenlohr folgt. Man verbleibt davor und nutzt den Fußweg neben der Landstraße bis Windheim. Innerörtlich verbindet die Schulstraße mit der östlichen Seite, wo das blaue M des Mainwanderwegs empfängt. Es weist gleich rechts ab.

Der Weg gewinnt an Höhe, fortgesetzt nach dem Linksschwenk. Erst hinter der Rechtskurve vor der Stromleitung wird er ebener. Talwärts geht es dann schließlich auf Bergrothenfels zu. Ist das umgürtende Eigenheimquartier durchmessen, steht man am Gemäuer der Burg.

Bei den jüngsten Restaurierungen wurden die Verwaltungsgebäude aus dem 16. Jahrhundert und jetzigen Schlafräume der Jugendherberge verputzt. Der Bergfried mit seinen mächtigen Buckelquadern bleibt, was er einst war – ein Symbol für den Anspruch der Würzburger Bischöfe auf den östlichen Spessart.

So man nicht oben begonnen hat, geht es zum Finale die endlose, 325 Stufen zählende Treppe nach Rothenfels hinunter – die dem knappen Raum abgerungene Pfarrkirche immer vor Augen.

Anfahrt

Über die A 3, Ausfahrt Marktheidenfeld, und weiter gen Lohr. Oder auf der B 26 bis Lohr und dann Richtung Wertheim. Alle zwei Stunden fährt ein Bus der Linie 630 von Lohr nach Rothenfels.

Sehenswert

Rothenfels, die nach Einwohnerzahl „kleinste Stadt Bayerns“ – dieentsprechenden Rechte erhielt es ­schon 1342 –, besitzt ­bemerkenswerte Bauwerke: stattliche, bis ins Spätmittelalter ­reichende Bürgerhäuser, darunter das Renaissance-Rathaus von 1598. Ein Zeichen gewisser Wohlhabenheit ist auch die 1610 in ­nachgotischer Form errichtete Pfarrkirche (die Innenausstattung neugotisch). Davor beginnt eine Treppe mit 325 Stufen zur Burg Rothenfels. Ursprünglich im 12. Jahrhundert begonnen – worauf noch der 35 Meter hohe Bergfried und die Grundmauern mit Buckelquadern verweisen –, wurde der ­romanische Mauerring im 16. Jahrhundert von Verwaltungsgebäuden überbaut. Sie dienen heute als Jugendherberge und Bildungsstätte. Ausflüge führen ins unberührte Hafenlohrtal, in dem eine Herde Wasserbüffel angesiedelt wurde.

Öffnungszeiten

Bergfried und Außenbereich von Burg Rothenfels sind frei zugänglich.