Deutsche Anleiherendite auf 17-Jahreshoch - Bauzinsen kräftig im Anstieg


Bankentürme in Frankfurt
Bankentürme in Frankfurt. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Anleiherenditen befinden sich global wieder im Aufwind. In den USA erreicht die 30jährige Rendite aktuell den höchsten Stand seit dem Jahr 2004. Die essenziell wichtige zehnjährige Anleiherendite für den deutschen Markt notiert aktuell mit 3,5779 %, das höchste Niveau seit dem Jahr 2009. Im Chart sehen wir den Verlauf seit dem Jahr 2004. Im Schlepptau steigen auch die deutschen Bauzinsen dramatisch an.

Verlauf der zehnjährigen deutschen Anleiherendite seit dem Jahr 2004

Anleiherendite kräftig im Aufwind – die Gründe

Der Ölpreis zieht seit Tagen wieder spürbar an. Das sorgt weltweit wieder für anziehende Inflationssorgen und damit für Zinserhöhungserwartungen. Die Anleiherendite steigt daher. Sie zieht auch an, weil höhere Renditen als Ausgleich für die höhere Inflation benötigt werden, um Anleger weiterhin dazu zu bewegen, Anleihen zu kaufen. In den USA gab es gestern einen sehr starken Einkaufsmanagerindex, der die kräftig brummende US-Konjunktur aufzeigte. Dies verstärkt Zinserhöhungserwartungen an die Fed.

Für Deutschland sah man gestern auch einen besseren Einkaufsmanagerindex. Heute um 10 Uhr wurde auch der ifo-Geschäftsklimaindex (Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer) gemeldet, ebenfalls besser als erwartet. Die heute um 10:00 Uhr veröffentlichte Gemeinschaftsdiagnose für die deutsche Wirtschaft zeigt ein BIP-Wachstum, das 2026 nicht bei 0,6 %, sondern nun bei +1,3 % liegen soll. Auch steigen die Dieselpreise in Europa derzeit kräftig an. Denn in den USA werden die Pläne für ein 90-tägigtes Exportverbot für Diesel konkreter. Für die deutsche Anleiherendite heißt das: Kräftig steigende Tankstellenpreise voraus, weil gerade Europa an Importen bei Diesel hängt. Noch mehr Inflation, noch höhere Renditen bei Anleihen! So lautet das Szenario.

Bauzinsen steigen kräftig

Wie gesagt, auch die Bauzinsen in Deutschland steigen deutlich. In Kurzform als Erläuterung: Banken refinanzieren ihre Immobilienkredite über Pfandbriefe. Die wiederum orientieren sich am der sichersten Schuldverschreibung in Deutschland, nämlich der Bundesanleihe, die von der Bundesregierung herausgegeben wird. Die zehnjährige Laufzeit ist mit Abstand am Wichtigsten. Steigt die Anleiherendite, steigen auch die Bauzinsen mit einigen Tagen Verzögerung. Die Charts verlaufen auf lange Sicht ziemlich parallel. Aber weil Banken ihre Risikoprämien aufschlagen, ihre Verwaltungskosten etc bezahlen müssen, sind die Bauzinsen natürlich mit einem spürbaren Aufschlag zur staatlichen Anleiherendite versehen.

Bei einer zehnjährigen Sollzinsbindung liegen die Bauzinsen laut Interhyp aktuell bei 4,39 %, Tendenz weiter ansteigend. Vor genau vier Wochen waren es noch 4,02 %, im März vor Ausbruch des Iran-Kriegs nur 3,60 %. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der letzten zwölf Monate. Mit Rückblick sei März ist vor allem der Iran-Krieg als Inflationstreiber ein wichtiger Faktor.

Deutlich ansteigende Bauzinsen

Claudio Kummerfeld

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Capital Markets Redakteur

Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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