Spritpreis auf Rekordhoch und der Staat verdient mit | cash
Benzin
In Deutschland ist der Spritpreis auf einen Höchststand gestiegen.
24.09.2026 13:41

Tankstelle in Hamburg, Deutschland.
Quelle: IMAGO/LobecaDer Preis für Super E10 hat ein Rekordhoch erreicht. Während die Bundesregierung über Massnahmen wie eine Übergewinnsteuer debattiert, kritisiert der ADAC eine Entkoppelung des Preises vom Rohölmarkt. Die genaue Zusammensetzung und Bewertung des Preises werden von den Akteuren unterschiedlich dargestellt. Nachfolgend eine Aufschlüsselung der Preiselemente:
Rekordpreis
Ein Liter Super E10 kostete am Montag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,286 Euro. Das ist nach Angaben des ADAC ein Allzeithoch. Eine Sprecherin des Automobilclubs wies darauf hin, dass die Entwicklung für Verbraucher nur schwer nachvollziehbar sei. Obwohl der Rohölpreis mit rund 110 Dollar je Barrel nicht höher liege als Ende April, sei der Benzinpreis deutlich gestiegen - damals kostete E10 etwa 2,10 Euro. Der ADAC fordert daher mehr Transparenz bei der Preisbildung auf Raffinerie- und Grosshandelsebene.
Staatlicher Einfluss
Der Staat verdient beim Tanken durch Steuern und Abgaben mit. Zusätzlich erhöhen Regulierungen wie die Treibhausgasminderungsquote(THG) den Spritpreis. Nach Berechnungen des ADAC machten Steuern und Abgaben bei Benzin im Juli im Durchschnitt rund 57 Prozent des Tankstellenpreises aus. Eine Beispielrechnung des Branchenverbandes der Mineralölwirtschaft en2x vom 7. September bei 2,274 Euro für einen Liter Super E10 kommt auf einen staatlich verursachten Preisanteil von 57 bis 61 Prozent. Darin sind zusätzlich die Kosten der THG-Quote berücksichtigt.
- Energiesteuer: Auf jeden Liter Benzin wird ein fester Steuersatz von 65,45 Cent erhoben. Der Betrag ist unabhängig von der Höhe des Tankstellenpreises.
- CO2-Bepreisung: Für die beim Verbrennen fossilen Kraftstoffs entstehenden CO2-Emissionen müssen die Anbieter Zertifikate erwerben. Der Branchenverband en2x setzt dafür in seiner Beispielrechnung 15,6 Cent je Liter an.
- THG-Quote: Weitere 12,1 bis 20,0 Cent je Liter führt en2x auf die Treibhausgasminderungsquote zurück. Mineralölunternehmen müssen die Treibhausgasintensität ihrer Kraftstoffe senken und geben die daraus entstehenden Kosten weiter.
- Erdölbevorratung: Zur Finanzierung der gesetzlichen Ölreserven wird ein Beitrag von 0,27 Cent je Liter erhoben.
- Mehrwertsteuer: Auf den gesamten Nettopreis, der alle anderen genannten Steuern und Kosten enthält, werden 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen. Beim aktuellen Rekordpreis von 2,286 Euro sind das rechnerisch etwa 36,5 Cent je Liter.
Positionen der Bundesregierung
Das für Energiefragen zuständige Wirtschafts- und das Finanzministerium bewerten die Lage und mögliche Massnahmen unterschiedlich.
- Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will bei den EU-Finanzministern am Freitag auf eine europäische Übergewinnsteuer dringen. Damit sollen Krisengewinne der Mineralölkonzerne abgeschöpft werden. Sein Sprecher sprach von «Abzocke der Verbraucherinnen und Verbraucher und überzogenen Preissteigerungen». Die SPD plädiert zudem für einen Spritpreisdeckel, ohne dass ein konkretes Konzept dafür vorläge.
- Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigt sich skeptisch gegenüber einem Spritpreisdeckel, der in ihre Zuständigkeit fallen würde. Eine Sprecherin sagte, ein solcher sei nicht einfach umsetzbar und könne je nach Ausgestaltung wirkungslos sein oder Tankstellen gefährden. Einen Preisdeckel strebe das Ministerium derzeit nicht an.
Der Staat als Krisengewinner?
Das Finanzministerium widerspricht der These, der Staat profitiere von den hohen Preisen. Ein Sprecher sagte, es gebe bisher keine Erkenntnisse dazu, dass der Staat aus hohen Spritpreisen zusätzliche Steuereinnahmen gewinne. Die Energiesteuer sei eine Mengensteuer und steige nicht mit dem Preis. Wegen der hohen Preise werde zudem weniger getankt. Mehreinnahmen bei der Umsatzsteuer würden nach bisheriger Einschätzung durch Einsparungen der Verbraucher an anderer Stelle ausgeglichen.
Vom 1. Mai bis 30. Juni hatte der Bund für zwei Monate die Energiesteuer vorübergehend gesenkt und damit die Preise für Benzin und Diesel rechnerisch um etwa 17 Cent pro Liter gedämpft. Durch diesen Tankrabatt rechnete die Regierung mit Steuermindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro.
(Reuters)